Das Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen ist durch einen Brandanschlag ausgelöst worden. Dies hat die Untersuchung am Tatort ergeben, wie Ingo Decker, der Sprecher des Innenminsteriums am Mittwoch nachmittag bekannt gab. „Das war ein gezielter Brandanschlag und kein technischer Defekt“, sagte Decker. Eine Sonderkommission von 40 Beamten mit Brand-Spezialisten und Mitarbeitern des Staatsschutzes war seit Dienstag im Einsatz. Es wurden mit Hilfe eines Spürhundes Brandbeschleuniger gefunden.

Gegen 11.20 Uhr hatte die Polizei das Hausrecht wieder an das Oberstufenzentrum übergeben. Das Feuer war in der Nacht zum Dienstag ausgebrochen. Die Halle brannte bis auf die Grundmauern nieder. In der Turnhalle der Schule sollten ab September rund 100 Flüchtlinge vorübergehend unterkommen.

Erste Ermittlungsergebnisse wiesen bereits deutlich in Richtung Brandstiftung. Einen technischen Defekt als Ursache des Brandes schlossen die Ermittler weitgehend aus. Bekennerschreiben von mutmaßlichen Brandstiftern gingen bei der Polizei nicht ein. Auch wurden keine Parolen an Wände geschmiert.

Nach Angaben des Landkreises hatte die Sporthalle einen Wert von vier Millionen Euro. Die Flüchtlinge müssen nun anderswo untergebracht werden. Am Dienstagabend hatten in Nauen mehr als 300 Bürger und Politiker mit einer Mahnwache für Mitmenschlichkeit und Toleranz demonstriert. „Das ist eine Schande“, sagt der Zehlendorfer Bernhard Rybacki. Der 77-Jährige wollte sich als erfahrener Feuerwehrmann die Brandstelle ansehen und fuhr dazu nach Nauen. Er kam dort an, als die Ermittler gerade abzogen.

"Ein skrupelloses Verbrechen"

„Wer Häuser in Brand setzt, die Menschen in Not Schutz bieten sollen, begeht ein skrupelloses Verbrechen“, sagte am Mittwoch Brandenburgs Landtagspräsidentin Britta Stark (SPD).Solche Anschläge müssen geächtet und die Täter mit der ganzen Kraft des Gesetzes bestraft werden.“ Die spontane Mahnwache am Dienstag sei ein mutiger Schulterschluss der Demokraten gewesen- und eine Kampfansage gegen rechten Terror, hob die Landtagspräsidentin hervor.

Brandenburg rechnet in diesem Jahr mit etwa 24.650 Asylbewerbern. Nach Angaben des Innenministeriums in Potsdam wurden in diesem Jahr 14 Mal Straftaten auf Unterkünfte begangen. Allein im Juli und August wurden neun Angriffe registriert.

Wöchentliche Asyl-Runde

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woikde (SPD) hat den mutmaßlichen Brandanschlag in Nauen scharf verurteilt. Am Dienstag tagte in der Staatskanzlei zum ersten Mal die Asyl-Ministerrunde. Woidke hat das Flüchtlingsthema vergangene Woche zur Chefsache erklärt.

Der Regierungschef will sich künftig jede Woche nach der Kabinettssitzung mit Innenminister, Sozialministerin , Bildungsminister, Finanzminister und Staatskanzlei-Chef beraten. Dabei soll es auch um die Situation in den Kitas und Schulen und um die Integration der Zuwanderer in den Arbeitsmarkt gehen.