Potsdam

Vermisster Elias - Eine Stadt sucht ein Kind

Hunderte Helfer kommen nach Potsdam. Doch von Elias aus Schlaatz fehlt weiter jede Spur.

Polizisten suchen vor dem Wohnhaus des sechsjährigen Elias mit einem Hund nach Spuren

Polizisten suchen vor dem Wohnhaus des sechsjährigen Elias mit einem Hund nach Spuren

Foto: dpa

Potsdam. „Ihr wollt helfen?“, fragt die blonde resolute Frau in der neonfarbenen Jogging-Jacke die zwei Neuankömmlinge auf dem Platz. Gabi Franz ist hier so etwas wie die Einsatzleiterin. Sie kommt aus Potsdam-Babelsberg, ist selbst Mutter und gehört zu denen, die sich Mittwochabend spontan dazu entschlossen hatten, neben dem Polizei-Aufgebot eine eigene Such-Aktion nach Elias zu starten. Der Junge aus dem Stadtteil Schlaatz ist seit diesem Tag spurlos verschwunden. „Ja, wir wollen helfen, deshalb sind wir hier“, antworten die junge Frau und der Mann. „Dann könnt ihr mal Kaffee kochen“, sagt Gabi. Das Paar guckt verdutzt, lässt sich aber gleich den Weg ins Bürgerhaus zeigen. Jeder macht, was gerade ansteht. Hauptsache, er kann irgendetwas tun.

Die Anteilnahme am Schicksal des Erstklässlers ist beispiellos. Auf Facebook hat die Gruppe „Suche Elias“ inzwischen mehr als 12.000 Mitglieder. Die ganze Nacht über posteten sich dort Jung und Alt Treffpunkte, Ideen und gegenseitigen Zuspruch zu. Nicht nur Anwohner und viele weitere Potsdamer wollen die Polizei unterstützen, Helfer reisen aus dem ganzen Land Brandenburg und aus Berlin an.

Bis 2 Uhr nachts unterwegs

Zwischen den Plattenbauten weht ein heftiger Wind. Im Neubaugebiet Am Schlaatz scheint sich der Sommer jäh verabschiedet zu haben. Vor dem Bürgerhaus haben die Freiwilligen zwei Biertische aufgebaut. Etwa ein Dutzend Männer und Frauen beugen sich tief über den Stadtplan. Auf ihm haben sie farbig markiert, wo schon gesucht worden ist. Und wo es heute hingeht. Vier ihrer Freiwilligen-Trupps waren bis 2 Uhr nachts im Einsatz gewesen, auf der fieberhaften Suche nach Elias. Vor wenigen Minuten sind die ersten 20 Unterstützer an diesem Freitag losgezogen. Aufgeteilt in zwei Gruppen. Sie fuhren mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Von da aus ging es auf den Brauhausberg, Die beiden 15-Jährigen, Nelli und Jeremy, hatten das Drama um den Sechsjährigen zunächst auf Facebook verfolgt. Sie wohnen beide auch am Schlaatz. Heute wollen sie mithelfen. „Ich stelle mir vor, es ist mein Bruder“, sagt Jeremy. „Der ist im gleichen Alter wie Elias.“ Nelli sagt: „Es tut mir so leid um die Eltern.“

Kontakt zur Polizei hat die Freiwilligen-Truppe nicht, was sie bedauert. Die Beamten haben am Freitag mit einem Großaufgebot mit „Mantrailerhunden“ – auch aus Berlin und Sachsen – weiter nach Elias gesucht. Sie klingelten bei den Nachbarn, die sie bisher nicht angetroffen hatten und befragten Kinder in allen Schulen am Schlaatz. Tausende von Flyern wurden verteilt. Unter 0331/ 5508-1108 gingen bisher über 100 Hinweise ein. Noch immer aber gibt es keine „heiße Spur“. „Der Junge ist wie vom Erdboden verschluckt“, sagt Jana Birnbaum, Sprecherin der Polizeidirektion West. Die Mutter hatte angegeben, sie habe Elias am Mittwoch noch um 17 Uhr vom Fenster aus auf dem Spielplatz im Inselhof spielen sehen. Bislang aber gibt es keine Zeugen, die den Jungen zu der Zeit am Spielplatz gesehen haben. Am Abend hat die Politzei noch einmal den Uferstreifen der Nuthe abgesucht. Ohne Ergebnis.