Polizeieinsatz in Potsdam

Rund 40 Hinweise zu sechsjährigem Elias - Keine heiße Spur

In Potsdam ist der sechsjährige Elias als vermisst gemeldet worden. Die Polizei suchte nach ihm - unterstützt von vielen Freiwilligen.

Am Morgen setzte die Polizei die in der Nacht zunächst abgebrochene Suche nach Elias fort

Am Morgen setzte die Polizei die in der Nacht zunächst abgebrochene Suche nach Elias fort

Foto: Steffen Pletl

Es ist Mittwochabend um 18.30 Uhr im Potsdamer Ortsteil Schlaatz, Elias’ Mutter ruft ihren Sohn zum Essen in die Wohnung. Elias kommt nicht. Sie ruft ihn noch einmal, viele Male. Vergebens.

Die Mutter geht zum Spielplatz in Sichtweite des Mehrfamilienhauses im Inselhof, wo sie Elias noch um 17 Uhr neben einer Spielskulptur, einem Nashorn aus Holz, hat spielen sehen. Der Sechsjährige ist aber nirgends zu finden.

Die Mutter verständigt Freunde, ihren Ehemann und Bekannte; gemeinsam suchen sie die nähere Umgebung ab. Sie finden Elias nicht. Um 19.12 Uhr ruft Elias’ Mutter dann die Polizei an. Seitdem gilt der Junge als vermisst. Bislang ist unklar, was dem Sechsjährigen zugestoßen sein könnte.

„Es gibt im Moment keine Hinweise auf ein Verbrechen“, sagte Polizeisprecherin Jana Birnbaum am Donnerstagnachmittag. Die Behörde gehe eher davon aus, dass sich Elias in einer hilflosen Lage befindet. „Den Jungen zu finden, ist unsere oberste Priorität“, sagte Birnbaum.

Erst seit einigen Wochen in Schlaatz

Nach Informationen der Berliner Morgenpost lebte der schlanke, blonde Junge zusammen mit seiner Mutter und seinem Stiefvater erst seit einigen Wochen in dem Mehrfamilienhaus am Schlaatz. Die Nachbarschaft kannte er trotzdem gut, weil die Familie zuvor nur einige Minuten entfernt gewohnt haben soll. Er habe öfters alleine draußen gespielt, sagte die Mutter der Polizei. Er sei jedoch noch nie fortgeblieben, ohne sich abzumelden.

Bereits am späten Mittwochabend fing die groß angelegte Suche nach Elias an. Der von Plattenbauten geprägte Stadtteil, der an der Nuthe liegt, wurde von Polizeibeamten mit spezialisierten Spürhunden, sogenannten Mantrailer-Hunden, abgesucht. Dabei waren auch ein Hubschrauber und ein Nachtsichtgerät im Einsatz. Zudem wurde noch Mittwochnacht ein Aufruf auf einer privaten Facebook-Seite aktiviert, der innerhalb nur weniger Stunden über 2000 Mal geteilt wurde. Rund 20 Anwohner durchforsteten sogar mit Taschenlampen und Regenschirmen die Nachbarschaft – allerdings ohne Erfolg.

Kurz nach Mitternacht gab es dann eine erste Hoffnung: Ein Mantrailer-Hund witterte Elias Spur. Der Fährte wurde gefolgt. Doch nach nur einigen Hundert Metern, in Nähe eines Rewe-Supermarktes, verschwand die Spur. Der viele Regen mache die Arbeit der Hunde schwieriger, so Birnbaum. Die Polizei will die Videoaufnahmen der Überwachungskameras im Supermarkt überprüfen. Auch Aufnahmen von Überwachungskameras in Bussen und Straßenbahnen wurden sichergestellt und werden derzeit ausgewertet. Wann erste Ergebnisse zu erwarten sind, konnte Birnbaum am Donnerstag nicht sagen. „Wir arbeiten so schnell wie möglich“, sagte sie. Eine genaue Personenbeschreibung zu Elias gab die Polizei am Donnerstagmorgen heraus.

150 Polizisten durchkämmen die Umgebung

Demnach ist er etwa 1,10 bis 1,20 Meter groß und hat kurze, blonde Haare und blaue Augen. Als er am Mittwoch zuletzt gesehen wurde, trug er eine hellblaue Jeans, ein weißes T-Shirt mit langen Ärmeln und hellblauem Adidas-Schriftzug, sowie dunkelblaue Turnschuhe mit weißer Sohle. Die Suche nach dem verschwundenen Sechsjährigen ging ohne Unterbrechung den ganzen Tag weiter. Rund 150 Polizisten durchkämmten mithilfe von Spürhunden die Umgebung. Gegen Mittag wurde das Suchgebiet erweitert. Von 15 Uhr an wurden zusätzlich auch noch die Uferbereiche der Nuthe von Tauchern und Helfern auf Schlauchbooten abgesucht.

Aber es konnte bis zum Abend keine Spur von Elias gefunden werden. Auch die Bemühung der zahlreichen Anwohner, die sich mithilfe der am Donnerstagmorgen gegründeten Facebook-Gruppe „Suche Elias“ organisieren, brachte bislang keinen Erfolg. Donnerstagabend hatte die Gruppe bereits mehr als 7000 Mitglieder. Unter anderem organisieren sich die Mitglieder zu Suchtrupps, darunter Anja Berger, 28, die in der Nacht vom Polizeihubschrauber geweckt wurde. „Ich bin seit heute Morgen unterwegs. Es sind noch so viele Fragen offen. Warum ist Elias weggegangen? Was hat er die Nacht durchmachen müssen? Und wie geht es ihm jetzt?“ fragt Berger, die Elias Familie kennt.

40 Hinweise, keine heiße Spur

Die Polizei bittet die Bevölkerung um Hilfe und nimmt Hinweise unter der Telefonnummer (0331) 55 08 11 08 entgegen. Bis Donnerstagabend hatten die Polizei bereits 40 Hinweise zum vermissten Elias erreicht, denen nachgegangen wird. „Eine heiße Spur gibt es bislang nicht“, sagte Birnbaum. Einen Zusammenhang mit der verschwundenen Inga aus Stendal schloss die Sprecherin am Donnerstag aus.

Das Ordnungsamt der Stadt Potsdam verteilte tagsüber etwa 3000 Handzettel im gesamten Stadtgebiet. Zusätzliche Flyer wurden von Polizeibeamten unter anderem an Pizzalieferdienste verteilt sowie in Bussen und Bahnen ausgehangen. Die Suchmaßnahmen sollten Donnerstagnacht fortgesetzt werden.

Auf Facebook wurde mit einer eigenen Gruppe ein Suchaufruf gestartet

Auf Facebook wurde mit einer eigenen Gruppe ein Suchaufruf gestartet