Brandenburg

Organisierte Banden verlegen sich auf Solarmodule

Die Organisierte Kriminalität ist in Brandenburg immer noch hoch. Die Täter stammen meist aus Osteuropa. Neben Autodiebstählen haben die Diebe inzwischen ihr Auge auf Solarparks geworfen.

Foto: Alexander Sulanke,Alexander Sulanke / Alexander Sulanke

Autoklau funktioniert nach Erkenntnissen der Brandenburger Ermittler heutzutage nur noch professionell organisiert und arbeitsteilig. „Wir wollen bei der Strafverfolgung der kompletten Bande auf die Spur kommen“, betont Staatsanwalt Peter Sostaric, der am Dienstag in Frankfurt (Oder) zu einem Gespräch geladen hatte, den Anspruch der Brandenburger Schwerpunktstaatsanwaltschaft für organisierte Kriminalität. In der Frankfurter Behörde ist der 47-Jährige zuständig für grenzüberschreitende Bandendelikte. In der Regel geht es dabei um groß angelegten Fahrzeugdiebstahl.

Doch an die Drahtzieher und Auftraggeber zu kommen ist schwer, das belegt schon die Statistik. Immerhin 583 Ermittlungsverfahren hat die Frankfurter Behörde im vergangenen Jahr zu diesem Thema geführt, 980 Tatverdächtige wurden ermittelt, gegen 164 von ihnen Haftbefehle vollstreckt. 117 Täter wurden bereits verurteilt, einer freigesprochen. Lediglich drei der vor Gericht gestellten Autoschieber waren nach Angaben des Staatsanwaltes sogenannte Hintermänner oder Bandenchefs.

Der Ermittlungsaufwand ist enorm, denn erst einmal haben die Fahnder lediglich Einzelfälle auf dem Tisch, wie Sostaric betont. „Wir versuchen Gemeinsamkeiten festzustellen, um nach und nach Täterstrukturen zu finden.“ Die Zahl der Haftbefehle liegt laut Sostaric deutlich höher als in anderen Deliktfeldern. „Die meisten dieser Banden sind fest in polnischer Hand, gefolgt von Litauern und anderen Osteuropäern. Wenn wir sie auf frischer Tat ertappen und nicht gleich festsetzen, sind sie für die weitere Strafverfolgung weg“, macht der Staatsanwalt deutlich. Polen liefere seine eigenen Bürger in der Regel nicht nach Deutschland aus. Um effektiver zu kooperieren, bilden Ermittler beider Länder seit dem vergangenen Jahr sogenannte Joint Investigation Teams (JIT), um östlich und westlich von Oder und Neiße die gleiche Tätergruppe zu verfolgen. Ein erstes JIT war im vergangenen Jahr erfolgreich, eine aus Dutzenden Tätern bestehende Autoschieberbande steht in Polen vor Gericht.

Fallzahlen gehen inzwischen zurück

Ein weiteres binationales Ermittlerteam arbeitet seit März dieses Jahres daran, einer anderen kriminellen Vereinigung aus dem Großraum Gorzow das Handwerk zu legen. Verschwundene Wagen, auch aus Brandenburg, sollen auf ihr Konto gehen, sagt der Staatsanwalt, der jedoch betont, dass ein Großteil der von den Ermittlern aufzuklärenden Fahrzeugdelikte nicht in der Mark passierte. Erleichtert wird das Zusammenwirken in den JIT laut Sostaric, weil auch in der polnischen Nachbarwojwodschaft Lubuskie im Gegensatz zum übrigen Polen immer mehr Autos gestohlen werden. „Deswegen haben unsere polnischen Kollegen auch ein großes Interesse an der Aufklärung.“

Noch sind Autodiebstähle – bei denen deutsche Diebe laut den Ermittlern kaum mitmischen – Schwerpunkt der Ermittlungsarbeit zur grenzüberschreitenden Kriminalität. Allerdings sei ein Rückgang der Fallzahlen bereits absehbar, so Sostaric. Möglicherweise suchten sich die kriminellen Banden jetzt angesichts des Verfolgungsdrucks in Brandenburg andere „Verbringungsrouten“.

Mehr Wohnungseinbrüche

Verstärkt bekämpft seine Abteilung nunmehr die zunehmenden Wohnungseinbrüche, die nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft ebenfalls in der Hand gewerbsmäßig agierender Banden liegen, sowie den professionell aufgezogenen Diebstahl von Solarmodulen aus großen Solarparks. Seit Jahresbeginn sind die Ermittler einer polnischen Bande auf der Spur, auf deren Konto mindestens elf Solarparkeinbrüche in Brandenburg und Bayern gehen sollen. Jedes Mal wurden binnen kürzester Zeit Module in großen Stückzahlen fachmännisch abgebaut und weggeschafft. Der jüngste „Bruch“ stammt vom vergangenen Wochenende. Dabei verschwanden rund 200 Module in Unterfranken. Den Transporter mit der heißen Ware verfolgten Ermittler verdeckt bis hinter den ehemaligen Grenzübergang Frankfurt-Autobahn. Sechs Täter sitzen nun in Polen in Haft.

Die Frankfurter Schwerpunktstaatsanwaltschaft Organisierte Kriminalität ist zudem zuständig für die Bekämpfung der Rockerkriminalität in Brandenburg sowie des Drogenhandels in großem Stil. „Beides hängt zusammen, denn Rockerbanden dominieren das Rauschgiftgeschäft in der Mark oder vergeben Konzessionen dafür“, sagt der Frankfurter Oberstaatsanwalt Frank Seidel.

Ein weiteres Thema sei der Zigarettenschmuggel in hohen Mengen, also ganzen Lkw-Ladungen. Derzeit laufen laut Seidel Ermittlungen gegen eine Bande vornehmlich Deutscher mit osteuropäischem Migrationshintergrund, die für ihr illegales Geschäft Zollbeamte in Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland und Ungarn bestochen haben sollen. Zuständig ist die Schwerpunktstaatsanwaltschaft zudem für den internationalen Menschenhandel, also das illegale Einschleusen von Ausländern. Allerdings sind die Aufgriffszahlen hier rückläufig, wie auch die Bundespolizei bestätigt.

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