Wer hier heiratet, kann sich wie ein König fühlen. Das quadratische historische Ambiente erstreckt sich über zwei Etagen, wird von einer Balustrade gesäumt und findet seinen Abschluss in einer prunkvollen Stuckdecke: Sie besticht in zartrosa und himmelblau, einzelne Elemente sind sogar vergoldet.

Ein Hingucker ist auch der moderne Kronleuchter – eine Konstruktion aus mehreren, beleuchteten Edelstahlringen, in deren Mitte eine Kristallwolke aus 344 Glasprismen schwebt. „Habe ich zu viel versprochen?“, meint Frank Ruppersberger fast schon triumphierend beim Betreten der für zwei Millionen Euro sanierten einstigen Schlosskirche von Altlandsberg, die so gar nicht an ein traditionelles Gotteshaus erinnert.

Der ortsansässige Unternehmer ist Chef der Fördergesellschaft, die die Wiederherstellung des einstigen Schlossgutes von Altlandsberg vorantreibt.

Feuer zerstörte das Anwesen

Herzstück und bedeutendstes Einzeldenkmal dabei ist der Putzbau mit Turm, früher Schlosskirche für die adligen Herrschaften. Entstanden ist sie 1768 aus den Trümmern des einstigen Hohenzollernschlosses, Landsitz von Otto von Schwerin, ab 1658 Erster Minister des Kurfürstentums Brandenburg. Eine Büste vor der Schlosskirche erinnert an ihn und die glanzvolle Geschichte Altlandsbergs. Hier verbrachte der spätere Preußenkönig Friedrich I. seine Jugend, das Anwesen ließ er 1708 zu seiner Sommerresidenz ausbauen. Von dem Schloss gibt es heute nur noch ein paar Grundmauern und Gewölbekeller, denn durch einen Kaminbrand in der Schlossküche wurde der dreiachsige Barockbau 1757 zerstört.

Die Trümmer dienten als Materialspende für Berliner Bauten und für den Wiederaufbau der barocken Schlosskirche, die vor dem Brand Teil des südlichen Schlossflügels gewesen war. Nach zwei Jahren Restaurierungszeit soll sie am 2. Mai als repräsentatives, multifunktionales Veranstaltungszentrum mit einem Bürgerfest wiedereröffnet werden. Künftig soll es den Vereinen der Stadt zur Verfügung stehen, aber auch für Hochzeiten genutzt werden.

Die Altstadt des Ortes mit Rathaus, Stadtmauer, Marktplatz und Ackerbürgerhäusern ist in den vergangenen 20 Jahren umfassend saniert worden. Altlandsberg ist Gründungsmitglied in der Brandenburger Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“, die sich das Ziel gesetzt hat, historische Bausubstanz zu bewahren.

Zum Schlossgutareal gehören neben der Kirche der einstige Schlosspark, das frühere Brau- und Brennereihaus, das bereits sanierte ehemalige Gutshaus aus dem 19. Jahrhundert und der einstige Domänenhof, derzeit ein Arbeitsfeld von Archäologen. „Es gab unerwartete Funde früherer Bebauung, die den Zeitplan etwas durcheinander bringen“, sagt Ruppersberger. Alte Kanäle der Brauerei wurden ebenso entdeckt, wie hölzerne Wasserleitungen und Häuserfundamente.

Schaubrennerei hinter Glas

Vom denkmalgeschützten Brau- und Brennereihaus aus dem 17. Jahrhundert standen noch vor kurzem nur die Gewölbekeller und die Außenmauern. Inzwischen gibt es wieder ein rotes Ziegeldach mit Gauben, der Innenausbau hat begonnen. Für 4,2 Millionen Euro entstehen Gastronomie mit überdimensionalem Kamin, Festsaal, eine Schaubrennerei hinter Glas und eine Hochzeitssuite. Ein Betreiber für Brauerei und Gasthaus ist gefunden. „Wir hoffen auf Eröffnung im September“, sagt Ruppersberger.

Der Komplex begrenzt den Domänenhof auf einer Seite, auf der gegenüberliegenden stehen alte Stall- und Scheunengebäude. Die Außenwände sollen erhalten bleiben. Im Inneren aber entsteht ein moderner Hotelkomplex, gedacht vor allem für Gäste der Brauerei-Gastronomie oder auch der Schlosskirche. „Spätestens zur Internationalen Gartenbauausstellung in Berlin im Mai 2017 soll alles fertig sein“, sagt Ruppersberger. Denn Altlandsberg vor den östlichen Toren der Hauptstadt hofft als „Korrespondenzregion“ auf Touristen.

Bis Ende Mai dieses Jahres sollen die landschaftlichen Planungen für die Wiederherstellung des Schlossparkes abgeschlossen sein. Wiederentstehen soll unter anderem ein Lustgarten, von dem gesagt wird, das er einst so schön war, wie jener in Sanssouci. Als dominierendes Zeichen der Barockzeit soll der frühere Kreuzteich rekonstruiert werden. Weitere Elemente sollen Irrgärten, ein Bürgeracker, eine Fontäne und botanische Gestaltungselemente wie Wege und Wasserläufe nach historischem Vorbild werden.