Urteil

Fünfeinhalb Jahre Haft für Brandenburger Paketbomber

Ein 35-Jähriger verschickte Bomben in Paketen, um seinen Internet-Betrug zu vertuschen. Einer der Sprengsätze explodierte. Jetzt fällte das Gericht das Urteil über Marcel B.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Weil er seinen Internet-Betrug durch den Brand eines Posttransporters vertuschen wollte, muss ein 35-Jähriger für fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Das Frankfurter Landgericht verurteilte Marcel B. gestern wegen besonders schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit fahrlässiger Brandstiftung sowie wegen zweifachen Betruges.

Es sei auch durch das Geständnis des Angeklagten erwiesen, dass er am 14. Juli vergangenen Jahres dafür gesorgt habe, dass in Basdorf (Barnim) ein voll beladenes Postauto in Flammen aufging, hieß es. Das Feuer entwickelte eine immense Hitze, vernichtete nicht nur Dutzende Pakete und das komplette Fahrzeug, sondern zog auch eine angrenzende Garage sowie einen weiteren Wagen in Mitleidenschaft. Löschversuche geistesgegenwärtiger Anwohner scheiterten, weil das von B. verwendete und entzündete Napalm in den Brandsätzen sich nicht mit Wasser ersticken lässt. Dass niemand verletzt wurde, ist nach Ansicht des Gerichts reine Glückssache. „Da hätte viel mehr passieren können. Dann wäre die zu verhängende Strafe im zweistelligen Bereich gewesen“, machte der Vorsitzende Richter Frank Tscheslog deutlich.

Den Betrug durch Versandschaden verschleiern

Laut den Feststellungen des Gerichts hatte der gelernte Koch, der seinen Beruf aufgrund eines missglückten Böller-Unfalls Silvester 2011 nicht mehr ausüben kann, im Internet ein Notebook sowie einen hochauflösenden Beamer zum Kauf angeboten und dafür in Vorkasse insgesamt rund 4000 Euro von gutgläubigen Käufern kassiert. „Der Angeklagte besaß solche Geräte aber gar nicht, wollte diesen Betrug jedoch verschleiern, indem er einen angeblichen Versandschaden bei der Post verursachte“, hieß es in der Urteilsbegründung.

Der Mann habe deshalb Brandsätze gebaut, die die beiden Pakete mit der angeblichen Ware „unterwegs“ vernichten sollten. Für den „Schaden“ hätte dann die Post-Versicherung aufkommen müssen. In der Postfiliale Wandlitz gab B. die beiden mit Napalm-Paste, Feuerwerks-Raketen, Motorradbatterie, etlichen Verbindungsdrähten und Zeitschalter präparierten Sendungen am Nachmittag des 14. Juli auf, trug sie noch eigenhändig zur Ladefläche des Posttransporters.

Wagen brannte in Sekunden lichterloh

Als der Kurierfahrer an seiner nächsten Station in Basdorf hielt und gerade hinter der noch geschlossenen Hecktür stand, hörte er ein Zischen und dann einen Knall. Im nächsten Moment schlugen bereits hohe Stichflammen aus dem Wagen, der binnen Sekunden lichterloh brannte. „Der Angeklagte hat Menschen in Gefahr gebracht, um andere Straftaten zu verdecken und dabei Verletzungen anderer billigend in Kauf genommen“, urteilte das Gericht. Nach Angaben von Brandermittlern, die als Zeugen in dem Verfahren gehört wurden, sei es nicht zu einer Explosion gekommen. Die Feuerwerksrakete habe vielmehr das Napalm in Brand gesetzt, das sich dann spritzend im kompletten Transporter verteilte.

„B. hat nach einem Tatplan gehandelt, der erhebliche, kriminelle Energie voraussetzt“, schätzte es der Vorsitzende Richter ein. Strafmildernd wertete das Gericht das Geständnis des 35-jährigen, der im gesamten Ermittlungsverfahren zuvor geschwiegen hatte. Durch seine Einlassungen hatte die Beweisaufnahme im Prozess erheblich verkürzt werden, die Tat lückenlos aufgeklärt werden können. Die Höhe der verhängten Freiheitsstrafe entsprach dem Antrag der Staatsanwaltschaft.