Kommentar

Beim Lehrermangel ist nichts mehr schönzureden

2000 Schüler haben ein lückenhaftes Zeugnis, weil so viel Unterricht ausgefallen ist. So geht es nicht weiter, Brandenburg muss seine Lehrer endlich besser bezahlen, meint Gudrun Mallwitz.

Es gibt Schüler, vor allem in der Pubertät, die nicht regelmäßig zur Schule gehen. Und deren Leistung deshalb nicht bewertet werden kann. Was aber ist, wenn Kinder und Jugendliche jeden Morgen pünktlich zur ersten Stunde in der Klasse sitzen und im Zeugnis in ihrem Lieblingsfach trotzdem keine Note steht? Die Lösung des kniffligen Rätsels: Der Lehrer fehlt. Voraussichtlich 2000 Brandenburger Schüler werden allein deshalb im Halbjahreszeugnis in Fächern wie Musik und Kunst, aber auch in Physik, Geschichte oder Biologie keine Note erhalten. Unvorstellbar – und einfach unzumutbar.

Ihre Eltern werden sich sicherlich an die Versprechungen im rot-roten Landtagswahlkampf erinnern: Hunderte von neuen Lehrern, zehn Millionen Euro mehr für die Unterrichtsreserve an den Schulen. Sie glaubten die Zeiten vorbei, in denen ihre Kinder in einigen Fächern ohne Noten nach Hause kommen. So wie zuletzt nach dem ersten Halbjahr des vergangenen Schuljahres.

Die Wahrheit ist: Das Land Brandenburg hat zwar hunderte von Lehrern neu eingestellt. Allerdings nur wenige mehr, als aufgehört haben zu arbeiten. Immer noch fällt Unterricht einfach aus, wenn ein Lehrer krank ist. Und das oft über Wochen. Stellen, die den Schulen genehmigt worden sind, bleiben von Anfang an unbesetzt. Und wenn Lehrer in andere Bundesländer wechseln, fehlen die Nachrücker. Vor allem lässt sich nur schwer eine Vertretung für längere Zeit erkrankte Kollegen finden. Denn zu wenige sind bereit, befristet einzuspringen – selbst Seiteneinsteiger nicht.

Der neue Bildungsminister Günter Baaske (SPD) darf die Misere nicht schönreden wie seine Vorgänger. Zumal sich der Konkurrenzkampf um geeignete Lehrer noch verschärfen wird: Brandenburg wirbt damit, zu verbeamten, Berlin zahlt aber höhere Einstiegsgehälter. Mecklenburg-Vorpommern lockt neuerdings auch mit Verbeamtung. Um junge Pädagogen aufs Land zu bekommen, muss Brandenburg seinen Lehrern endlich mehr zahlen und ihnen auch bessere Aufstiegsmöglichkeiten bieten.