Bildung

Eine Neuköllner Problemschule auf dem Weg nach oben

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Regina Köhler

Foto: Massimo Rodari

Die Kepler-Schule in Berlin-Neukölln war bisher nicht beliebt, die Abbrecherquote hoch, Lehrer fehlten. Mit dem Geld aus einem Bonusprogramm soll sich das nun ändern.

Die Kepler-Sekundarschule an der Köllnischen Heide gehört seit Jahren zu den unbeliebtesten Schulen Berlins – mit bösen Folgen. Weil sich dort nicht genügend Siebtklässler angemeldet haben, mussten die Plätze immer wieder mit Schülern aufgefüllt werden, die woanders nicht angenommen wurden. Die Schule wurde zum Auffangbecken für ein schwieriges Schülerklientel. Schwänzen ist an der Tagesordnung, die Abbrecherquote hoch, Leistungsergebnisse und Schulabschlüsse sind schwach. Ausreichend geeignete Lehrer zu finden ist unter diesen Umständen schwer, der Unterrichtsausfall entsprechend hoch. Ein Teufelskreis.

Das soll sich nun ändern. Seit einem Jahr gibt es konkrete Hilfe für Schulen wie die Kepler-Schule. Das Land hat zwei Programme aufgelegt, die Brennpunktschulen zusätzliches Geld bescheren. Seit Januar 2014 gibt es ein Bonusprogramm, mit dem der Senat 219 Berliner Schulen mindestens sechs Jahre lang unterstützen will. Profitieren sollen alle Schulen, bei denen mehr als die Hälfte der Schüler aus sozial schwachen Familien stammen und deshalb von der Zuzahlung zu den Lernmitteln befreit sind. Die Kepler-Schule gehört dazu. Dort haben über 90 Prozent der Schüler eine Lernmittelbefreiung. 2014 konnte die Schule deshalb im Rahmen des Bonusprogrammes die Höchstsumme von 100.000 Euro beantragen.

Mentoren und ein Sozialarbeiter

Hinzu kommen 15.000 Euro aus dem School-Turnaround-Programm, das die Bildungsverwaltung zusammen mit der Robert Bosch Stiftung aufgelegt hat. Berlinweit stehen für zwei Jahre eine Million Euro zur Verfügung. Mit dem Geld sollen die Schulen Fachleute bezahlen, die sich gemeinsam mit den betreffenden Schulleitungen darum kümmern sollen, dass es künftig höhere Anmeldezahlen, weniger Unterrichtsausfälle und bessere Abschlüsse an den Schulen gibt. An dem Projekt nehmen sieben Integrierte Sekundarschulen und drei Grundschulen teil, die in sozialen Brennpunkten in fünf Berliner Bezirken liegen.

An der Kepler-Schule ist man froh über die zusätzlichen Mittel. Jahrelang haben die Pädagogen dort versucht, allein auf die Beine zu kommen, ohne durchgreifenden Erfolg. Neuköllns Bildungsstadträtin Franziska Giffey (SPD) sagt, dass die Schule die einzige Hauptschule in Neukölln war, die 2009 ohne Fusion mit einer Realschule zur Sekundarschule wurde. „Deshalb hatten sie es dort besonders schwer.“

Mentoren helfen Schülern bei der Berufsorientierung

Giffey erhofft sich ebenfalls viel von den Unterstützerprogrammen. Die Schulen brauchten dringend zusätzliche Hilfe, sagt sie. „In den vergangenen zehn Jahren hat sich in Neukölln der Anteil von Schülern mit einer Lernmittelbefreiung von 33 auf 54 Prozent erhöht.“ Nicht nur an der Kepler-Schule, sondern in ganz Nord-Neukölln kämen inzwischen fast 90 Prozent der Schüler aus sozial schwachen Familien.

Der Schulleiter der Kepler-Schule, Wolfgang Lüdtke, hat das Geld in verschiedene Projekte investiert. 10.000 Euro hat er 2014 dafür ausgegeben, ein erfolgreiches Mentorenprogramm auszubauen. Das unterstützt Schüler bei der Berufsorientierung. Die Mentoren helfen ihnen, sich einen Überblick zu verschaffen, welche Berufe für sie infrage kommen und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Außerdem bieten sie Nachhilfe an, besuchen die Schüler zu Hause und unternehmen etwas mit ihnen.

„Teach First“ engagiert sich an Brennpunktschulen

Weitere 30.000 Euro hat Lüdtke 2014 für die Einstellung eines Fellows verwendet, der von „Teach First“ vermittelt worden ist. Die Organisation bringt Hochschulabsolventen für zwei Jahre an Schulen, wo sie soziale Erfahrungen sammeln können, bevor sie in ihr Berufsleben starten. „Teach First“ engagiert sich vor allem an Brennpunktschulen. Dort, wo viele Schüler für sich selbst kaum eine Perspektive sehen, wollen die Absolventen Vorbilder sein und Schüler wie Lehrer unterstützen.

Viel verspricht sich der Schulleiter zudem von der Einstellung eines zusätzlichen Sozialarbeiters. Das hat 2014 etwa 60.000 Euro gekostet. Auch für die Umgestaltung des Schulhofes ist nun Geld da. Rund 8000 Euro sind dafür eingeplant. Die Schüler konnten Ideen einreichen. Bis zum Sommer soll nun auf dem Schulhof eine Beach Bar entstehen. Auch den Schulgarten wollen sie wieder aufleben lassen und einen Pavillon bauen, in dem Schüler sich zurückziehen und Hausaufgaben erledigen können. „Wir wollen den Hof attraktiver machen und so verhindern, dass die Schüler in den Pausen das Schulgelände verlassen“, sagt Lüdtke.

Initiatoren des Bonusprogramms sind Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) und der Fraktionsvorsitzende der Berliner SPD, Raed Saleh. Auch Joschka Langenbrinck, vom Arbeitskreis Bildung der SPD, hat das Programm mit auf den Weg gebracht. „Wir werden uns dafür einsetzen, dass auch im Doppelhaushalt 2016/17 ausreichend Geld für das Hilfsprogramm zur Verfügung gestellt wird“, sagte er der Berliner Morgenpost. Seine Partei habe außerdem vor, das Bonusprogramm auf Berufsschulen und Oberstufenzentren auszudehnen.

Neuer Schulleiter steht bereit

Zur Unterstützung der Brennpunktschulen gehört auch, die Schulleitungen zu stabilisieren. Die Bildungsverwaltung hat deshalb dafür gesorgt, dass Wolfgang Lüdtke einen geeigneten Nachfolger hat, wenn er Ende Januar in den Ruhestand geht. Sein Nachfolger Moritz Dreher ist bereits an der Schule, um sich einzuarbeiten. Auch die Stelle des Konrektors ist endlich besetzt worden. Drei Jahre lang war sie vakant.

Wie schnell die Hilfsmaßnahmen wirklich greifen, wird sich im Februar zeigen. An der Kepler-Schule sind sie gespannt, ob sich bereits mehr Siebtklässler für die Schule anmelden, als in den vergangenen Jahren. 2014 hatten sich nur 21 Schüler auf die 48 Schulplätze beworben.