Bootstour

Mit Anna Julia Kapfelsperger auf dem Schlachtensee

In den Drehpausen fährt die 29-jährige Schauspielerin („Kokowääh“) gern Boot im Südwesten Berlins. Zur Entspannung, wie sie sagt, sie sei ein Sonnenmensch. Die Morgenpost ist mitgefahren.

Foto: Krauthoefer

„Wat wollt ihr denn?“, fragt die Frau am Schalter, als wir das Bootshaus betreten. „Ein Ruderboot für eine Stunde, bitte“, antworten wir freundlich. „Neun Euro und een Ausweis. Ohne Ausweis keen Boot.“ Es ist ein schwüler Sommermorgen am Schlachtensee, noch liegen die meisten Boote vor Anker. Hier sind wir mit der Schauspielerin Anna Julia Kapfelsperger zum Interview auf dem Wasser verabredet. Sie fährt gern Boot, als Entspannung zwischen den Drehtagen, wie sie sagt.

Man solle „keine Steine ins Wasser werfen“ und „keine Enten füttern“, ist auf den Schildern zu lesen, die am Bootshaus befestigt sind. Beide Regeln werden wir am noch brechen. – aber dazu später mehr.

Anna Julia Kapfelsperger sieht nach Sommer aus. Luftiger Rock, Blümchen-Schuhe, weißes Häkeltop. Sie sei ein Sommermensch, erzählt sie, während wir hinausrudern, bei Temperaturen wie heute fühle sie sich wohl. Die 29-jährige hat einen Teil ihrer Kindheit in Portugal verbracht, bevor sie ins süddeutsche Schwabmünchen gezogen ist. Berlin ist ihre Wahlheimat. „Ich hatte auch die Möglichkeit, nach München oder Köln zu gehen“, sagt Kapfelsperger und übernimmt das Ruder, „aber die Möglichkeiten hier, das ist schon etwas ganz Besonderes. Du kannst ins Theater gehen oder auf ein Heavy Metal-Konzert, es gibt so ein vielfältiges Angebot, das macht einfach Spaß.“

Ein Blesshuhn nimmt Kurs auf das Boot. In ihrer Heimat nenne man die „Duckanterl“, lacht Kapfelsperger. Der Fotograf hätte gern ein Bild mit Huhn und Schauspielerin. Mangels Brot versuchen wir den schwimmenden Vogel mit Cashewnüssen anzulocken. Doch das Huhn verschwindet mit der Nuss, bevor wir es in Szene setzen können. Wir hoffen, dass die Frau vom Bootsverleih nicht beobachtet, dass wir die Entenfütterungsregel gebrochen haben. Typisch Berliner Schnauze sei das, sagt Kapfelsperger. Es falle ihr schon auf, dass der Ton hier ruppiger sei als anderswo. „Ich werde schon öfter angepflaumt“, sagt sie. Dennoch liebe sie die Stadt, verbringe gerne Zeit bei einem Kaffee im „Rubens“ am Mehringdamm oder im „Katulki“ in der Kreuzköllner Friedelstraße.

Kapfelsberger outet sich als großer DiCaprio-Fan

Der Ruderausflug ist eine willkommene Abwechslung für Kapfelsperger. Die nächsten Filmprojekte starten erst im September, dennoch hat sie viele Termine und lernt auf ihrem Kreuzberger Balkon Texte für Castings. Es laufe gut für sie, sagt die Schauspielerin, die nach der Filmschauspielschule bei „Unter Uns“ begann und unter anderem in Til Schweigers „Kokoowäh“ auf der Leinwand zu sehen war. „Das hat großen Spaß gemacht“, erinnert sich Kapfelsperger an die Dreharbeiten zurück, immerhin sei Schweiger „einer der größten deutschen Filmemacher.“ Einem könne er jedoch nicht das Wasser reichen: Spätestens seit „Romeo und Julia“ schlägt Kapfelspergers Herz für Leonardo DiCaprio. Er sei „der beste Schauspieler von allen“.

Getroffen hat Kapfelsperger ihn noch nie – obwohl sie dieses Jahr bereits international unterwegs war. Auf den Filmfestspielen in Cannes und in Florida. Dort gewann sie auf dem Sunscreen Film Festival den Best-Short-Film-Preis für den Film „Fruchtfliegen“. Ob DiCaprio der einzige Mann ihres Herzens ist, möchte die Schauspielerin nicht verraten. Seit der Trennung von ihrem „Unter Uns“-Kollegen Milos Vukovic soll sie Single sein. „Es ist alles so wie gehabt, mehr sage ich dazu nicht“, sagt Kapfelsperger. Punkt. Es folgt Schweigen, nur gebrochen durch das Plätschern des Sees. Wenn es um Kindheitserinnerungen geht, ist Kapfelsperger dafür weitaus gesprächiger.

Als Kind wollte sie Delfindompteurin werden

Bereits während der Schulzeit spielte sie Theater, hatte jedoch andere Karrierepläne: „Als Kind wollte ich immer Delfindompteurin werden“, erzählt sie und lacht. „Ich bin in der Badewanne immer untergetaucht und habe die Luft angehalten, um für den Delfinjob zu trainieren“, verrät sie. „Der Geschmack von Rost und Knochen“ mit Marion Cotillard, in dem es um eine Liebesgeschichte zwischen einer Waltrainerin und einem Kampfsportler geht, sei deswegen einer ihrer Lieblingsfilme. Mit dem Beruf sei das mittlerweile aber ziemlich klar bei ihr, sagt sie, während wir wieder Kurs auf das Bootshaus nehmen. „„Ich konzentriere mich voll und ganz auf die Schauspielerei. Ich liebe meinen Beruf und kann mir im Moment nichts anderes vorstellen.“ Punkt.

Zurück am Anleger stellen wir fest, dass fast alle Ruderboote verliehen sind. Der idyllische Schalchtensee ist auch unter der Woche am Vormittag ein begehrtes Ausflugsziel. „Na, Kleene“, begrüßt mich die Bootsverleiherin, „willste deinen Ausweis zurück haben?“ Anna Julia Kapfelsperger lehnt derweil an einem Baum am Wasser. Eine schöne Bootstour war es. Und der Kreuzberger Balkon wartet – dort geht es für Kapfelsperger jetzt wieder hin, zum Texte lernen. Mit der S-Bahn. Wie sich das für eine echte (Wahl-)Berlinerin eben gehört. Punkt.