Gesucht wird ein neuer Eigentümer für ein großes Gebäude mit besonderer Lage und Geschichte. Das alte Potsdamer Landtagsgebäude auf dem Brauhausberg wird im September zum Verkauf ausgeschrieben.
Finanzminister Christian Görke (Linke) sagte am Mittwoch, er rechne mit zahlreichen Interessenten für die im Volksmund „Kreml“ genannte ehemalige Reichskriegsschule, die zu DDR-Zeiten von der SED-Bezirksleitung genutzt wurde. „Bei unserer Entscheidung für einen Käufer wird letztlich das beste Konzept, natürlich im Kontext mit dem Preis, im Mittelpunkt stehen“, erklärte der Minister.
Der Landtag war im Dezember 2013 in den Parlamentsneubau hinter der Fassade des historischen Stadtschlosses gezogen.
Die denkmalgeschützte Fassade des „Kreml“ muss erhalten werden. Das Konzept mit der Stadt sieht in dem Gebäude und auf dem 25.000 Quadratmeter großen Gelände eine gemischte Nutzung von Wissenschaft und Forschung, wissenschaftsnahem Gewerbe, Hotelbetrieb und Wohnungen vor. Hinter dem alten Landtag plant das Land Erweiterungsbauten für den Wissenschaftspark auf dem Telegrafenberg und das Geoforschungszentrum. Die Verhandlungen mit potenziellen Investoren sollen im kommenden Jahr beginnen.
Möbel für Beratungsstelle für Suchtkranke
Görke startete am Mittwoch auch die Verteilung des Inventars des alten Landtags an Vereine und öffentliche Einrichtungen. Dazu gehören neben Tischen, Stühlen, Bürolampen und Regalen etwa auch Küchentheken aus der Kantine. Darum hatten sich mehr als 40 Vereine und Bildungseinrichtungen aus ganz Brandenburg beworben. Die ersten Stücke gingen an die Potsdamer Beratungsstelle für Suchtkranke der Arbeiterwohlfahrt.
Rund 5500 Gegenstände – größtenteils in den frühen 90er-Jahren angeschafft – standen auf der Inventarliste. Alles musste raus. Ein Teil wurde an die Landesverwaltungen verteilt. Der Zustand von Gebäude und Grundstück hatte in der Vergangenheit gelitten. So ist die Niederdruckdampfheizung gut 100 Jahre alt, sie schickte stetig heißen Wasserdampf durch eiserne Rohre und wuchtige Heizkörper. Die Fenster sind ein Sammelsurium aus Jahrzehnten: teils Doppelfenster mit Holz- und Kunststoffrahmen, einige undicht und zugig, andere dagegen gut isoliert.
Die einstige Kriegsschule, bis 1990 SED-Bezirksleitung Potsdam und nach der Wende Landtag ist ein Puzzlebau. Fleckiger, mausgrauer Spannteppich wird von welligem Parkett aus den 50er-Jahren abgelöst, gefolgt von dunklen Granitstufen aus der Kaiserzeit. Moderne Glastüren führen in Gänge, deren Oberlichter mit weißer Farbe überstrichen wurden Gänge und Treppen ziehen sich labyrinthartig durchs Gebäude – eine Folge der Anbauten, vom 1951 ergänzten Ostflügel bis zum Kopfanbau des Hauptgebäudes 1963.
dpa/sei




