Brandenburgs Handwerksbetriebe sind nach einer aktuellen Konjunkturumfrage mit ihrer wirtschaftlichen Situation sehr zufrieden. 88 Prozent beurteilten ihre Geschäftslage mit „gut“ oder zumindest „befriedigend“, wie die drei Handwerkskammern Potsdam, Cottbus und Frankfurt (Oder) am Donnerstag mitteilten. Die meisten gehen davon aus, dass dies auch in den kommenden Monaten so bleibt.

„Die äußerst positive Grundstimmung wird nicht zuletzt durch die Auftragslage bestimmt“, sagte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam. Sorgen bereite jedoch der Nachwuchs: In den mehr als 40.000 Handwerksbetrieben waren Ende Juli noch 1484 Ausbildungsplätze unbesetzt. Für die Umfrage wurden etwa 7000 Betriebe befragt; etwa 1500 antworteten. Der Anteil der Bewertungen mit „gut“ sei dabei gegenüber dem Vorjahr um neun Punkte auf 38 Prozent gestiegen, hieß es.

Dabei seien die Aussichten im Bau- und Ausbaugewerbe mit etwa 90 Prozent positiver Einschätzungen überdurchschnittlich gut. Neben dem milden Winter mache sich der vermehrte Wohnungsbau vor allem im privaten Bereich bemerkbar. Dienstleister wie Friseure schnitten in der Umfrage am schlechtesten ab. Schwer bleibt der Markt auch für die Nahrungsmittelbranche. „Statt Brot und Brötchen kommen Fertigprodukte auf den Tisch“, so Bührig. Tankstellen oder Discounter wiederum stellten Backautomaten auf.

5000 Unternehmen stehen zur Übernahme an

Die positive Entwicklung im Bauhandwerk werde sich auch personell auswirken, berichtete Astrid Köbsch von der Handwerkskammer Frankfurt (Oder). Viele Betriebe hätten bereits mehr Mitarbeiter eingestellt, andere planten dies noch. Laut Umfrage planen 69 Prozent der Betriebe Investitionen, meist in neue Maschinen (35 Prozent).

Als zweitgrößten Posten nennen die Unternehmen Ausgaben für die Qualifikation der Mitarbeiter. Dies ist ein Versuch, dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Die Anstrengungen sind riesig, um das Personal zu halten, was man bekommen hat“, sagte Knut Deutscher, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Cottbus. So würden Fortbildungen finanziert, um Gesellen-Abschlüsse zu ermöglichen. Betriebe zahlten Prämien bei bestandenen Zwischenprüfungen, ermöglichten Auslandspraktika oder lockten mit attraktiven Löhnen.

Angesichts des mangelnden Nachwuchses sei zu befürchten, dass Unternehmen für immer schließen. Zwölf Prozent der Chefs seien älter als 61 Jahre. „Demnächst stehen 5000 Unternehmen zur Übernahme an“, sagte Deutscher. Die Aussichten auf eine Fortführung seien nicht besonders gut.

dpa