Brandenburg

Frankfurter wehren sich gegen Fahrraddiebstahl durch Banden

Frankfurter Bürger protestieren mit einer Demo gegen den alltäglichen grenzüberschreitenden Fahrraddiebstahl. Häufig rücken die Diebe gleich mit dem Transporter an. Damit soll endlich Schluss sein.

Foto: Johann M¸ller / Johann müller

Das Plakat bringt die Sache auf den Punkt: „Ihr habt doch schon unsere Autos. Lasst uns doch wenigstens die Fahrräder.“ Die von Grenzkriminalität gebeutelte Stadt Frankfurt ist nicht nur Hochburg für entwendete Wagen, auch Fahrräder gehören zum bevorzugten Diebesgut. Es gibt kaum jemanden, in dessen Familien- oder Bekanntenkreis nicht schon Fahrräder gestohlen wurden. „Die stehen aber leider weniger im Fokus der Ermittler als Autos, obwohl gute Räder auch mehrere Hundert Euro kosten“, sagt Roland Totzauer, ein vom Diebstahl betroffener Radler.

Bezeichnend findet er, dass es in Frankfurt zwar die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Grenzkriminalität gibt, die sich allerdings auf den grenzüberschreitenden Autoklau konzentriert. „Desinteressierte Politiker und Behörden in Deutschland und Polen müssen endlich wachgerüttelt werden. Auch Fahrräder gehören zur Lebensqualität, die durch den Klau stark eingeschränkt wird“, fordert der 62 Jahre alte Frankfurter, der zu einer Fahrraddemo zu diesem Thema aufgerufen hatte.

Die Täter springen aus dem Kleintransporter und knacken Schlösser

„Es ist nun einmal Realität: In Frankfurt kannst du nirgends im öffentlichen Raum dein Rad abstellen. Da sind regelrechte Profibanden am Werk, springen aus einem Kleintransporter und ratzfatz ist das Schloss geknackt, das Rad verladen“, erzählt Hannelore Busse. Gegen einen Bolzenschneider helfe auch das beste Schloss nichts, so ihre Erfahrung. Die Frankfurterin gehörte zu den zwei Dutzend Mitstreitern, mit denen Demonstrations-Organisator Totzauer – begleitet von einer Fahrradstreife der Polizei – über den Grenzübergang „Stadtbrücke“ ins polnische Slubice radelt.

„Solidarität mit Zdzislaw Matras“ steht auf vielen Plakaten der Protestierer. Der 62 Jahre alte Pole ist in der Grenzregion bekannt geworden, weil er gewissermaßen den Finger in die Wunde gelegt hat. Der Kriminalist wohnt seit seinem Ruhestand vor drei Jahren im 300-Seelen-Örtchen Lubiechnia Wielka, 20 Kilometer östlich von Frankfurt, laut Matras das „Dorf der Fahrraddiebe“. Einige seiner Nachbarn gehörten zu einer darauf spezialisierten Bande, die vor allem in Frankfurt ihr Unwesen treibt, fand er bei privaten Nachforschungen und Beobachtungen heraus. Gedeckt wird diese offenbar von der regionalen Polizei. Auch dafür trug er Beweise zusammen. Der Polizeichef von Rzepin wurde daraufhin zwar degradiert und nach Slubice versetzt, er verklagte Matras im Gegenzug jedoch wegen Verleumdung.

Zahl der Fahrraddiebstähle steigt in Berlin und Brandenburg

Auch das Mobbing in Lubiechnia Wielka kennt offenbar keine Grenzen – der Hund des Pensionärs wurde vergiftet, anonyme Drohbriefe landeten im Briefkasten. Ursprünglich sollte am Freitag das von der Staatsanwaltschaft Slubice erhobene Strafverfahren gegen Matras wegen der Verbreitung falscher Behauptungen vor dem Slubicer Kreisgericht fortgesetzt werden. Die Ermittlungen gegen die Fahrraddiebe von Lubiechnia Wielka wurden hingegen aus Mangel an Beweisen inzwischen eingestellt. Die Behörde war deshalb am Freitag Ziel der Frankfurter Fahrraddemo. Der Prozess wurde allerdings kurzfristig aus Krankheitsgründen abgesagt. „Macht nichts“, sagt Totzauer, der Matras bereits im Mai mit dem Fahrrad in Lubiechnia Wielka besucht hatte. „Wir hängten unsere Plakate gut sichtbar für alle dort auf.“

Deutschlandweit ist die Zahl der Fahrraddiebstähle insgesamt leicht rückläufig. In Berlin und Brandenburg aber steigt sie. In der Bundeshauptstadt wurden nach Polizeiangaben im vergangenen Jahr 26.000 Fahrräder gestohlen, in Brandenburg verschwanden 16.000 Räder, 17 Prozent mehr als noch 2012.