Kriminalitätsatlas

Das sind die Hochburgen organisierter Autodiebe in Berlin

Der Kriminalitätsatlas zeigt, in welchen Stadtteilen Straftaten besonders zunehmen. Erster Teil: Autodiebstähle. Wir zeigen, in welchen Bezirken die Banden vorwiegend operieren, wo Delikte zunehmen.

Für Berliner Autobesitzer war 2013 ein schlechtes Jahr, sofern sie zu jenen gehörten, denen der Wagen gestohlen wurde. Die Anzahl der Betroffenen war in Vergleich zum Vorjahr mit 15,6 Prozent um fast 900 auf 6659 erheblich gestiegen. Doch wie hoch das Risiko ist, einen am Straßenrand geparkten Wagen zu vermissen, schwankt innerhalb der Stadt erheblich. Zudem verschiebt sich dieses Risiko im Verlauf der Jahre beträchtlich. Der „Kriminalitätsatlas“ genannte „Bericht zur Kriminalitätsbelastung im öffentlichen Raum“ zeigt diese Veränderungen. Und die detaillierte Auswertung einzelner Delikte in Bezug auf die Bezirke und Wohngebiete offenbart mitunter verblüffende Unterschiede.

Der Bezirk Lichtenberg etwa lag – berechnet im Verhältnis zur Bevölkerungszahl – noch 2012 an fünfter Stelle bezogen auf die Häufigkeit für Autodiebstahl. 445 Autobesitzer zeigten damals den Verlust ihres Pkw an. Im Vorjahr wurden dort 619 Kraftwagen entwendet, der Bezirk sprang damit auf Rang eins für das höchste Risiko im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte. Besonders betroffen waren dabei die Wohngebiete entlang der Landsberger und Frankfurter Allee und deren Nebenstraßen. Beide Straßenzüge sind für Autodiebe günstig gelegen, weil der östliche Berliner Ring (A10) und die Autobahnen in Richtung Polen von dort rasch erreichbar sind. Gleiches gilt beispielsweise für den südlichen Bereich von Marzahn, der im Vorjahr ein Plus von 16,3 Prozent über dem Landesschnitt an gestohlenen Autos aufwies.

Der gravierendste Anstieg beim Autodiebstahl wurde jedoch in Treptow-Köpenick festgestellt, wo im Vorjahr 500 Fahrzeuge gestohlen wurden (2012 waren es noch 317). Die starke Zunahme im Südostbezirk gegenüber 2012 liegt damit bei 57,7 Prozent. Am höchsten ist das Diebstahlrisiko in den Ortsteilen Oberschöneweide, Johannisthal und Grünau. In absoluten Zahlen sind außerdem Altglienicke, Baumschulenweg und Friedrichshagen stark vom Pkw-Diebstahl betroffen. Alle genannten Gebiete haben eine gute Anbindung zur Autobahn A12 in Richtung Frankfurt (O.) und Polen.

Professionelle Banden-Netzwerke am Werk

Vor allem beim Diebstahl hochwertiger Autos sind professionell ausgerüstete und hierarchisch strukturierte Banden aktiv. Die Tätergruppen verfügen nach Polizeiangaben über ein logistisches Netzwerk, um Autos nach Osteuropa und teils in den vorderasiatischen Raum zu verschieben. Häufig werden auch ältere Pkw beliebter Hersteller gestohlen, die dann in Brandenburg in Einzelteile zerlegt und für den illegalen Export vorbereitet werden. Mehrfach konnte die Polizei im Vorjahr solche Lagerwerkstätten ausheben.

Fahrzeuge mit einem Wert von mehr als 50.000 Euro sind vor allem in den Stadtteilen Wilmersdorf, Charlottenburg und Prenzlauer Berg gestohlen worden. Insgesamt 275 dieser teuren Autos verschwanden im Vorjahr in Berlin, ein Jahr zuvor waren es 205. Im Bezirk Pankow wurden 2013 zudem die meisten Autos gestohlen – 826. Dahinter folgen Charlottenburg-Wilmersdorf (720) und Mitte (638).

Der neue Kriminalitätsatlas zeigt auch, dass in den Bereichen Halensee und Grunewald zuletzt deutlich mehr Wagen gestohlen wurden als 2012, der gesamte Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf jedoch nur eine Zunahme von 1,8 Prozent hatte. Autodiebe sind in diesem Bezirk überdurchschnittlich oft in den Gegenden Kurfürstendamm, Heerstraße, Westend, Neue Kantstraße sowie Charlottenburg-Nord unterwegs. In Charlottenburg-Nord sind vor allem Besitzer betroffen, die ihre Wagen am Saatwinkler Damm parken, um die Abstellgebühren am Flughafen Tegel zu sparen.

Besonders beliebte Auto-Marken

In der Beliebtheitsskala der Autodiebe führen laut Polizei die Marken Audi, Range Rover, Mazda und BMW. Häufig verfügen die Täter über professionelles Diebeswerkzeug, mit dem auch elektronische Wegfahrsperren überwunden werden. Wie trickreich Diebe mitunter vorgehen, zeigt das Beispiel eines betroffenen Sportwagenbesitzers.

Er war der Meinung, seinen Ferrari mit einem Ortungssystem ausreichend gesichert zu haben. Doch weit gefehlt. Die Kriminellen hatten schnell erkannt, dass das satellitengestützte Ortungssystem über die einfache Autobatterie mit Energie versorgt wird. Um das GPS auszuschalten, reichte es, die Batterie anzubohren und die Flüssigkeit herauslaufen zu lassen.

Das Kraftwerk wurde wirkungslos, es wurden keine Signale mehr ausgestrahlt – die Diebe konnten den gestohlenen Sportwagen ungehindert auf einen Transporter laden und abtransportieren. Dennoch werden von Experten GPS-Systeme, Alarmanlagen oder verborgene Vorrichtungen, die Zündung oder Kraftstoffzufuhr ausschalten, als Diebstahlschutz empfohlen.