Mehr als jede zweite Kita- und Schulküche in Brandenburg weist hygienische Mängel auf. Bei 762 Sonderkontrollen wurden im vergangenen Jahr zwar 88,3 Prozent der Einrichtungen ein sehr guter oder ein guter hygienischer Zustand bescheinigt. 11,5 Prozent erhielten die Note befriedigend bis ausreichend.

In einigen Fällen herrschten jedoch katastrophale Hygienezustände in den Küchen – immerhin 0,6 Prozent erhielten die Note mangelhaft oder gar ungenügend. „Bei gut der Hälfte der kontrollierten Küchen wurden Beanstandungen festgestellt“, musste Brandenburgs Verbraucherministerin Anita Tack (Linke) am Mittwoch bekannt geben. Bei Kitas und Schulen, die selbst kochen und nicht beliefert wurden, traf dies sogar auf 67 Prozent zu.

„Kinder sollen in Brandenburg gesund aufwachsen“, mahnte die Linke-Politikerin. „Dazu gehört eine ausgewogene, gesunde Ernährung und die Beachtung der Hygienevorschriften bei der Essensausgabe.“ Neun Betriebe seien mündlich und vier schriftlich verwarnt worden. Es kam zu keinen Bußgeld- und zu keinem Strafverfahren. Insgesamt sprach die Ministerin dennoch von einem guten Resultat. Angesichts der Befunde eine Einschätzung, die Eltern vermutlich nicht beruhigen dürfte. Der zuständige Abteilungsleiter Bernhard Remde sprach sogar von einem „hervorragenden Ergebnis“. Er sagte: „Ein guter Kontrolleur findet immer etwas.“ Die Sonderüberprüfungen sollen im Schuljahr 2014/15 fortgeführt werden.

Kitas und Schulen die Mahlzeiten selbst zubereiten

Die Qualität des Kita- und Schulessens müsse ebenfalls weiter verbessert werden, verlangte Ministerin Tack. Eine Umfrage der Verbraucherschutzzentrale unter den Eltern habe ergeben, dass die Kitas und Schulen die Mahlzeiten selbst zubereiten sollten – vor allem mit regionalen Produkten. Nur sechs Prozent der Befragten hält es für wichtig, dass das Essen möglichst preiswert ist.

Das Ministerium wolle die Verbraucherzentrale Brandenburg weiter mit jährlich 1,6 Millionen Euro fördern, kündigte Anita Tack an. „Damit schaffen wir die Voraussetzungen, dass die Verbraucherzentrale Bürgerinnen und Bürger gezielt beraten, informieren und bei Bedarf gerichtlich vertreten kann.“

Die Landesverbraucherzentrale beklagt allerdings, dass das Geld bei Weitem nicht ausreicht. „Wir bräuchten rund 2,4 Millionen Euro“, sagte die Sprecherin Lisa Högden der Berliner Morgenpost. „Ein Euro pro Brandenburger.“ Die zehn verbraucherpolitischen Forderungen zu den Landtagswahlen im Herbst enthalten eine noch stärkere Beratung und Unterstützung der Kindertageseinrichtungen. Ziel müsse es sein, die von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung entwickelten Standards für die Verpflegung der Kinder umzusetzen.

Mehr Personal gefordert

Im vergangenen Jahr verzeichnete die Verbraucherzentrale in Brandenburg mit rund 65.000 Beratungen im Vergleich zu 2012 einen leichten Rückgang. Doch der Trend gehe zu immer komplexeren und damit zeitintensiveren Spezialberatungen. „Das Interesse für unsere unabhängige Finanz- und Versicherungsberatung, aber auch Gesundheits- und Pflegeberatung steigt“, so die Sprecherin. In der Verbraucherzentrale Brandenburg sind etwa 50 Mitarbeiter tätig.

Die Opposition im Landtag mahnt seit Jahren eine Stärkung des Verbraucherschutzes an. Der Verbraucherschutzexperte der CDU-Fraktion, Henryk Wichmann, sagte dieser Zeitung: „Es ist nicht hinzunehmen, dass nur 30 Prozent der Kita- und Schulküchen auf ihren Hygienezustand überprüft worden sind.“ Er kritisiert: „Ministerin Tack vernachlässigt den gesundheitlichen Verbraucherschutz total.“ Wichtige Personalstellen seien nach dem Ausscheiden der Fachleute nicht mehr besetzt worden. Nach jedem Lebensmittel- oder Futtermittelskandal fordere sie neue Standards vom Bund. „Ihr fehlt aber das Personal für die nötigen Kontrollen“, so Wichmann. Auch das gemeinsame Landeslabor mit Berlin sei personell nicht ausreichend ausgestattet.