Der zurückgekehrte Winter sorgt in der Region Berlin/Brandenburg nicht nur für Minustemperaturen und massive Verkehrsbehinderungen. Im Berliner Umland kamen zwei Menschen bei witterungsbedingten Unfällen ums Leben.

Auf dem südlichen Berliner Autobahnring starb eine 59 Jahre alte Autofahrerin, in Trebbin (Teltow-Flämig) stürzte ein 62-Jähriger und erlag seinen Kopfverletzungen.

Wie die Polizei in Potsdam am Mittwoch mitteilte, war die Frau am Dienstagabend um kurz nach 22 Uhr auf der Autobahn A115 zwischen dem Dreieck Nuthetal und und der Anschlussstelle Saarmund in Fahrtrichtung Berlin unterwegs. Beim Überholen eines Lkw verlor sie plötzlich die Kontrolle über ihr Auto. Nach ersten Ermittlungserkenntnissen nicht nur wegen der Straßenverhältnisse, sondern möglicherweise auch aufgrund zu hoher Geschwindigkeit. Der Wagen prallte zunächst gegen die Mittelplanken, dann gegen einen in gleicher Richtung fahrenden Lkw, bevor er auf der mittleren Fahrspur zum Stehen kam.

Bei schlechter Sicht wegen Schneefalls sei dann noch ein nachfolgender Pkw ungebremst auf das Auto der Frau aufgefahren, sagte ein Polizeisprecher. Durch den Aufprall wurde der Toyota der 59-Jährigen unter den vor ihm stehenden Lkw geschoben.

Stundenlange Sperrungen der A115

Ein weiterer Autofahrer (32) wurde leicht, seine 43 Jahre alte Beifahrerin schwer verletzt. Eine weitere Frau (31) aus Rheinland-Pfalz konnte den vor ihr ineinander verkeilten Fahrzeugen noch ausweichen, prallte jedoch gegen die Leitplanke. Sie blieb unverletzt.

Die 59 Jahre alte Unfallverursacherin musste von der Feuerwehr aus ihrem völlig zerstörten Pkw geschnitten werden. Ein Notarzt versuchte vergeblich, die Frau zu reanimieren, sie erlag noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen. Über den Zustand der schwer verletzt in ein Krankenhaus eingelieferten 43-Jährigen aus Berlin wurde am Mittwoch zunächst nicht bekannt.

Die A115 war während der Bergungsarbeiten und den polizeilichen Maßnahmen zur Unfallaufnahme in Richtung Berlin für eine Stunde voll gesperrt. Die mittlere Fahrspur blieb während der anschließenden Räumung der Unfallstelle mehr als fünf Stunden gesperrt. Der nachfolgende Verkehr kam teilweise zum Erliegen und musste umgeleitet werden.

Auf dem gesamten südlichen Autobahnring kam es zu Staus. Bereits die unmittelbar nach dem Unfall von Augenzeugen alarmierten Rettungskräfte hatten Mühe, zur Unfallstelle zu gelangen. Auch die Bergung der toten Fahrerin und der schwer verletzten Beifahrerin musste mit größter Vorsicht erfolgen und nahm angesichts des Zustandes des Pkw einige Zeit in Anspruch.

Auch abseits der Hauptverkehrsstraßen kam es wegen des Wetters zu teilweise schweren Unfällen. Die Glätte forderte eine Vielzahl von Verletzten, ein Unfall endete tödlich. In der Ortschaft Trebbin (Teltow-Fläming) rutschte ebenfalls am Dienstagabend ein 62 Jahre alter Fußgänger bei Glatteis auf dem Gehweg aus und stürzte dabei so unglücklich, dass er sich schwere Kopfverletzungen zuzog. Alle Bemühungen eines sofort alarmierten Notarztes nützten nichts, der Mann verstarb kurz nach dem Unfall.

Verletzte aus Pkw geschnitten

Glätte und starker Schneefall sorgten in ganz Brandenburg für Verkehrschaos mit zum Teil schlimmen Folgen. Zwischen Dienstagmorgen und Mittwochmittag registrierte die Polizei etwa 570 Unfälle. Unter normalen Umständen liegt die Zahl bei etwa 200.

Mehr als ein Drittel der erfassten Unfälle in den beiden vergangenen Tagen sei nach polizeilichen Erkenntnissen auf die Witterung zurückzuführen, teilte die Leitstelle der Potsdamer Polizei mit. Am Dienstag wurden mehr als 40 Menschen verletzt, einige davon schwer. Am Mittwoch registrierte die Polizei 13 Unfälle mit Verletzten.

Ein besonders schwerer Unfall ereignete sich auch am späten Mittwochvormittag gegen 1.30 Uhr in Wildau (Dahme-Spreewald). An der Friedrich-Engels-Straße prallte ein im Einsatz befindlicher Notarztwagen mit einem Pkw zusammen. Die beiden Autoinsassen wurden schwer verletzt und mussten von der Feuerwehr mit Spezialgerät aus dem völlig demolierten Fahrzeug geschnitten werden.

Die drei Besatzungsmitglieder des Notarztwagens erlitten leichte Verletzungen. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, wird noch untersucht. Möglich ist nach Polizeiangaben, dass der Pkw-Fahrer die Sirene des Rettungsfahrzeugs nicht gehört hat.

Aufgrund der anhaltenden Witterung mit erwarteten weiteren Niederschlägen und Minustemperaturen rechnet die Polizei auch in den nächsten Tagen mit schwierigen und unfallträchtigen Straßenverhältnissen. Sie befürchtet, dass es vor allem auf den stark befahrenen Autobahnen und Bundesstraßen im Berliner Umland zu einer Vielzahl weiterer Unfälle kommen wird.

Die Potsdamer Polizei appelliert nachdrücklich an alle Autofahrer, stets mit plötzlicher auftretender Glätte zu rechnen und die Geschwindigkeit entsprechend anzupassen. „Viele Fahrer bemerken glatte Stellen erst, wenn es zu spät ist“, warnte ein Beamter am Mittwoch.

Die Zahl der Unfalltoten auf den Straßen im Land Brandenburg hat sich im Januar 2013 im Vergleich zum Vorjahresmonat fast verdoppelt. 20 Menschen starben laut Statistikamt, 2012 waren es elf Verkehrstote im Januar.

Insgesamt stieg die Zahl der Unfälle laut Statistikamt um 7,2 Prozent auf 6425 an. 628 Menschen wurden dabei verletzt (plus 2,8 Prozent), 180 von ihnen schwer. Bei mehr als 92 Prozent aller Unfälle kam niemand zu Schaden.