ITB Berlin

Brandenburg erhält Auszeichnungen für Radfernwege

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Gerlinde Schulte

Foto: wst sv - picture alliance / pa/Wolfram Steinberg

In keinem anderen Bundesland gibt es mehr vom ADAC klassifizierte Radwege. Auf der ITB wurden erneut vier ausgezeichnet. Der Radtourismus ist eine lohnende Investition in die Zukunft.

Traumstrände, Palmen, Vulkane, exotische Düfte, Farben und Bauwerke – auf der ITB ist es nicht leicht, neben dem Zauber fremder Länder und Kulturen zu bestehen. Punkten kann da nur, wer sich auf seine eigenen Stärken besinnt. Um den Tourismus anzukurbeln, setzt das Land Brandenburg auf Entschleunigung und fördert einen Natur- und Wassertourismus der anderen Art: Brandenburg schickt seine Besucher auf dem Fahrrad durchs Land.

Mit mehr als 7000 Kilometern Radwegen, mit 60 Radfernwegen und zahlreichen Regionalrouten ist das Netz flächendeckend ausgebaut. Nun lässt sich das Land die Qualität der Routen vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) zertifizieren und ist auch darin Vorreiter. 40 Radfernwege hat der ADFC bundesweit mit Sternen als Qualitätsradrouten klassifiziert. Allein 18 davon sind in Brandenburg. Die letzten vier wurden jetzt auf der ITB mit drei bis vier Sternen ausgezeichnet.

Qualität ist wichtig. Denn der Urlauber will vor allem eines: entspannen und sich wohlfühlen. Da ist der gemächliche Reiseweg durch die Natur- und Kulturlandschaften Brandenburgs, durch Altstädte, zu Preußen-Schlössern, durch den Spreewald oder entlang der neu geschaffenen Seen in der Lausitz eine gute Möglichkeit.

Verkehrssicherheit als Kriterium

Doch dafür müssen die Wege in Schuss gehalten werden, Start und Ziel müssen gut zu erreichen sein, die Route nachvollziehbar und gut markiert. Auch die Verkehrssicherheit ist ein Kriterium und die Attraktivität der Etappenziele. All das haben seit 2011 die Landkreise und Kommunen in Brandenburg gut im Blick, sagt der Tourismusreferent des ADFC, Wolfgang Richter. „Es gibt immer Ansprechpartner, die die Wege kennen und auch Beschwerden sofort nachgehen. Das unterscheidet Brandenburg von den anderen Bundesländern.“ Die Klassifizierung gilt für drei Jahre, danach wird neu geprüft und neu bewertet. Auch dieser Prozedur unterziehen sich die Brandenburger regelmäßig.

Was Radfahrer wollen und warum es sich lohnt, den Radtourismus nach ihren Wünschen zu verbessern und auszubauen, wissen die Planer durch die Radverkehrsanalyse Brandenburg, die seit 2009 jährlich durchgeführt wird. An etwa 100 Standorten gibt es dafür Radzählgeräte, die das Verkehrsaufkommen auf den Radwegen messen, außerdem wurden mehr als 55.000 Radfahrer an den Strecken befragt. So sind zuverlässige Daten über Streckenbelastung, Nutzung einzelner Radwege und Bewertungen durch die Radler gesammelt worden. Diese Daten fließen in die Verbesserung der Strecken ein, die in der Verantwortung der Landkreise und Kommunen liegen. Auch die Hotels, Restaurants, Gaststätten und sonstigen touristischen Anbieter profitieren von diesen Daten. Sie haben sich längst auf die Radfahrer eingestellt.

2012 fuhren in Brandenburg auf dem Oder-Neiße-Radweg beispielsweise 12.800 Radwanderer, auf dem Spreeradweg 15.800, so Dirk Wetzel von der TMB Tourismus Marketing Brandenburg. Die Wertschöpfung dieser Wege liege bei 1,96 beziehungsweise 1,8 Millionen Euro.

Radfahrer kurbeln die Wirtschaft an

Radfahrer sind ein Wirtschaftsfaktor. Auch dafür liefert die Radverkehrsanalyse Zahlen. Etwa 23 Euro pro Person geben zum Beispiel die Tagesausflügler pro Tag entlang ihrer Strecke aus, Radreisende sogar 38 Euro, ohne Hotelkosten. Damit kurbeln sie die regionale Wirtschaft an. Die Kosten für die Infrastruktur der Wege werden allein mit den Tagesausflüglern locker wieder reingeholt, sagt Michael Vieten von der „IGS Ingenieurgesellschaft Stolz mbH“, die das Projekt gemeinsam mit der „Radschlag GbR“ im Auftrag der TMB Tourismus Marketing Brandenburg koordiniert.

Vieten hat dafür verschiedene Szenarien durchgespielt und kam je nach Investition für Erhalt und Ausbau von 4800 Kilometer Radwegenetz auf 8,5 bis 20 Millionen Euro Ausgaben. Dem stehen etwa 23 Millionen Euro Einnahmen allein durch Tagesausflügler gegenüber. Es lohne sich also, hier zu investieren, so Vieten.

Um auch mehr Berliner Radler ins Umland zu locken und die Wirtschaft in den Regionen anzukurbeln, haben die Brandenburger Tourismusexperten verstärkt neue Routen für Tagesausflügler ausgearbeitet. 50 Angebote gebe es dafür jetzt, sagt Dirk Wetzel von der TMB. Maßgeschneidert für Zielgruppen wie junge Erwachsene, Sportler, Kulturtouristen oder auch Familien. Letztere fahren in der Regel mit etwa 25 bis 30 Kilometern kürzere Strecken und brauchen kindgerechte Angebote in den Pausen. Mit der größeren Angebotspalette sollen sich dann auch die Staus an so beliebten Zielen wie dem Spreewald entzerren. Am 28. Mai 2012, einem sonnigen Pfingstmontag, wurden allein in Burg 2780 Radler gezählt.

Die ITB ist bis Freitag nur für Fachpublikum geöffnet. Am Sonnabend und Sonntag sind Publikumstage. Dann kann man sich zum Beispiel in der Brandenburghalle 12 über die Radwege im Land informieren. Öffnungszeiten: 10 bis 18 Uhr. Eintritt: Tageskarte online 12, sonst 14,50 Euro, ermäßigt 8 Euro.

www.itb-berlin.de

www.radeln-in-brandenburg.de