Kampagne

Polizei setzt im Kampf gegen Einbrecher auf Nachbarschaft

In einer groß angelegten Kampagne wollen die Beamten über Einbruchprävention aufklären – und besuchen die Berliner sogar zu Hause.

Foto: JOERG KRAUTHOEFER

„Guten Tag, hier ist die Polizei. Würden Sie uns die Türe öffnen?“ Wer diese Ansage durch die Türsprechanlage hört, bekommt häufig erst einmal einen Schreck. Ist etwas passiert? Was kann die Polizei nur von mir wollen? „Wir möchten mit Ihnen über Einbruchprävention sprechen“, sagt Miriam Meischner (41), Präventionsbeauftragte der Polizei in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf und Spandau – und schon entspannen sich die Gesichter.

Als Reaktion auf die zunehmende Zahl von Einbrüchen in Wohnungen und Einfamilienhäuser hat die Polizei eine Kampagne zur Vorbeugung gestartet, in deren Mittelpunkt die Nachbarschaftshilfe steht. Sie verteilt am Mittwoch und Donnerstag unter anderem 24.000 Aufkleber, die in Hauseingängen und an Wohnungstüren angebracht werden sollen und potenzielle Einbrecher mit dem Slogan „Nachbarn passen auf“ abschrecken sollen. Vor allem aber werden sowohl an Beratungsständen als auch bei Hausbesuchen Anwohner über Möglichkeiten informiert, wie sie Einbrüche verhindern können – oder es den Einbrechern wenigstens möglichst schwer machen können.

Zusammen mit zwei Polizeimeisteranwärtern klingelt Miriam Meischner an Haustüren in Wilmersdorf und versucht, im Gespräch mit den Bewohnern auf Sicherheitslücken hinzuweisen und Tipps zu geben.

Bei Rosely Alves Heinz (31) sehen die Experten größeren Aufklärungsbedarf. Die Mutter von zwei kleinen Kindern erzählt, dass sie bisher wenig auf Einbruchprävention geachtet hat. „Gerade im Sommer lasse ich häufig die Fenster offen, damit frische Luft reinkommt und die Wohnung nicht so aufheizt.“ Seit drei Jahren wohnt sie in Wilmersdorf und hat bisher noch von keinen Einbrüchen in ihrem Bekanntenkreis gehört. Die Kampagne der Polizei findet sie aber hilfreich.

Prävention im Mittelpunkt

Die Beamten setzen neben repressiven Maßnahmen – etwa dem Einsatz von zivilen Beamten – vor allem auf gute Nachbarschaft. „Wir wollen erreichen, dass die Nachbarn mehr aufeinander achten. Dass man auch weiß, wann jemand im Urlaub oder bei der Arbeit ist, um dann bei ungewöhnlichen Vorkommnissen entsprechend zu reagieren“, sagt die Präventionsbeauftragte.

Diese Unregelmäßigkeiten können zum Beispiel Geräusche sein, die man aus anderen Wohnungen wahrnimmt. Eine sinnvolle Schutzmaßnahme, auf die Miriam Meischner auch hinweist, ist ein Sicherheitssystem mit Zeitschaltuhr. „Dadurch werden zu einer bestimmten Zeit zum Beispiel das Licht und der Fernseher eingeschaltet. Wichtig ist es, nach außen zu signalisieren: Da ist jemand. Diese Wohnung ist nicht leer und unbewohnt.“ Wie wirksam die Aufmerksamkeit von Anwohnern im Kampf gegen Einbrecher sein kann, zeigte sich erst in der vergangenen Woche. In Wilmersdorf konnten am Freitagnachmittag zwei mutmaßliche Einbrecher festgenommen werden, nachdem eine Anwohnerin der Konstanzer Straße verdächtige Geräusche gehört und den Notruf 110 gewählt hatte. Die 35 und 43 Jahre alten Tatverdächtigen konnten noch an Ort und Stelle gefasst werden. Die Männer hatten versucht, in eine Wohnung im sechsten Obergeschoss einzubrechen.

Doch neben der Nachbarschaftshilfe sind technische Einbauten an Fenstern und Türen ein wichtiger Schutz gegen Einbrecher. So hebeln Täter Fenster und Terrassentüren an Einfamilienhäusern meist einfach auf. Verdeckte Beschläge, die im Mauerwerk verankert sind, erschweren das. Bei schlecht gesicherten Türen in Altbauhäusern können zusätzliche Quer- oder Längsriegel bereits ein unüberwindbares Hindernis für Einbrecher darstellen.

Eine wichtige Anlaufstelle für Berliner, die ihr Eigentum besser schützen wollen, ist die kriminalpolizeiliche Beratungsstelle am Tempelhofer Platz der Luftbrücke 5. Laut einem Kabinettsbeschluss sollen dort künftig keine Gebühren mehr für das Präventionsangebot erhoben werden. Dies teilte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) bereits am Dienstagnachmittag mit. Bislang war lediglich ein Beratungsgespräch von maximal 30 Minuten Dauer kostenlos. Die Beratungsstelle ist montags (10 bis 18.30 Uhr), dienstags und donnerstags (8 bis 15 Uhr) geöffnet. Unter der Servicenummer Tel: 4664-979999 können Ratsuchende telefonisch Beratungstermine vereinbaren.

Täter klingelten am frühen Morgen

Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf, insbesondere im Altbezirk Wilmersdorf, steigt die Anzahl der Wohnungseinbrüche deutlich an. „Das Bezirksamt begrüßt deshalb die Initiative des Innensenators, die Polizeiberatung wieder kostenfrei anzubieten. Die Polizei kommt auch nach Hause und berät dort über die Schwachstellen. Ich kann jedem nur raten, diesen Service zu nutzen“, sagte Klaus-Dieter Gröhler (CDU), Vize-Bezirksbürgermeister in Charlottenburg-Wilmersdorf. Auch die neue Aktion des wachsamen Nachbars sei sicherlich hilfreich. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf habe eine gute Kooperation mit der Polizei. Bereits bewährt habe sich beispielsweise das sogenannte „Präventionstheater“, das die Polizei im Dienstgebäude am Hohenzollerndamm für Senioren veranstalte, damit sie nicht auf Kriminelle hereinfallen, die sie unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an der Haustür betrügen wollen.

Katrin Missfeldt-Berndt aus Wilmersdorf berichtet von einem Einbruch, der vor Jahren in ihrem Wohnhaus verübt wurde. „Es war morgens früh. Ich war noch nicht angezogen, da haben zwei junge Männer unten an der Tür sturmgeklingelt. Ich habe nicht geöffnet, aber die beiden haben die Türe aufgebrochen und sind dann hoch in die Dachwohnung gelaufen und kurze Zeit darauf wieder durch die Haustür geflohen“, berichtet die 72 Jahre alte ehemalige Sekretärin. Auf die Frage, ob sie wegen dieses Vorfalls heute größere Angst vor Einbrechern hat, winkt Katrin Missfeldt-Berndt ab: „Wir sind eine sehr starke Hausgemeinschaft und wissen immer darüber Bescheid, wenn jemand nicht da ist. Wenn ich selbst wegfahre, sorge ich immer vorher dafür, dass regelmäßig jemand in die Wohnung kommt und nach dem Rechten sieht.“

Orte, an denen die Polizei berät

Aufklärung: Die Polizei setzt die Präventionsaktion am Donnerstag von 14 bis 18 Uhr in sechs Bezirken fort: Tempelhof-Schöneberg, Steglitz-Zehlendorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln, Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg.

Standorte: An nachfolgenden Plätzen ist die Polizei am Donnerstag mit Beratungsständen präsent: In Schöneberg vor dem Rathaus am John-F.-Kennedy-Platz (14–18 Uhr). An der Ecke Lichtenrader Damm/Goethestraße (16.30–18 Uhr). In Steglitz am U-Bahnhof-Schloßstraße, Schloßstraße 110 (14–18 Uhr), In Zehlendorf am U-Bahnhof Onkel-Tom-Straße, Argentinische Allee 129 (14–15.30 Uhr). Im Neuköllner Stadtteil Rudow, im Blumenviertel vor der evangelischen Philip-Melanchthon-Kirche, Orchideenweg 77 (14–18 Uhr). In Biesdorf am Elsterwerdaer Platz (14.30-17 Uhr). Zudem verteilen Beamte in elf Wohngebieten Infomaterial mit praktischen Tipps zur Vermeidung von Wohnungseinbrüchen.