Gefährliche Feuerwerkskörper

Zoll beschlagnahmt kiloweise Böller aus Polen

Trotz aller Warnungen und des strikten Einfuhrverbots wird gerade vor Silvester versucht, illegale Feuerwerkskörper aus Polen nach Deutschland zu schmuggeln. Zuletzt stoppte der Zoll in Brandenburg einen Lkw mit 610 Kilogramm explosiver Ladung.

Foto: Massimo Rodari

Wenige Tage vor Silvester hat der Zoll im Grenzraum die Kontrollen nach Böllern aus Polen verstärkt. Aus gutem Grund. Die Feuerwerkskörper sind hochgefährlich, weil sie oft mit unzulässig hohen Mengen von Schwarzpulver und zudem mit Metallteilen gefüllt sind. Lebensgefährliche Verletzungen sind oft die Folge, selbst bei richtiger Handhabung. Mitunter noch gefährlicher sind Selbstbauten. So wurde einem 21-Jährigen bei der Detonation eines selbst gebastelten Böllers in Potsdam eine Hand abgerissen.

Das Unglück ereignete sich am Sonntagabend im Park Babelsberg , wie die Polizei am Montag mitteilte. Der 21-Jährige aus Fichtenwalde (Kreis Potsdam-Mittelmark) war mit Freunden aus Potsdam in dem Park. Als er seine Böller zündete, explodierte einer davon noch in seiner Hand. Diese wurde fast vollständig abgerissen und musste amputiert werden. Zwei Bekannte des jungen Mannes erlitten bei der Detonation leichte Verletzungen, teilte die Polizei mit.

Einfuhrverbot ignoriert

Laut Zoll, Bundes- und Landespolizei sind die in Polen erworbenen pyrotechnischen Erzeugnisse nach wie vor sehr begehrt – trotz aller Warnungen in den vergangenen Jahren und trotz des strikten Einfuhrverbots. Jüngstes Beispiel ist ein niederländischer Lasterfahrer, der mit insgesamt 610 Kilogramm Feuerwerkskörpern an Bord auf der Autobahn 11 in der Uckermark gestoppt wurde.

Angeblich hatte der 20-Jährige gar nichts geladen. Zöllner ließen sich jedoch nicht beirren und schauten genauer nach. „Die Kollegen glaubten ihren Augen nicht zu trauen, als sie in die 36 Kartons schauten und darin Feuerwerk-Großbatterien fanden – jede mit einem Einzelgewicht zwischen 15 und 20 Gramm“, sagt Andreas Behnisch vom Frankfurter Hauptzollamt. Dieser Fund ist seinen Angaben nach allerdings kein Einzelfall.

37 Kilogramm Sprengstoff zum 50. Geburtstag

Gut erinnern kann sich der Zollsprecher auch an einen Vorfall von Anfang November, als bei einer Routinekontrolle auf der Autobahn 12 bei Frankfurt (Oder) ein Berliner mit seinem Sohn auffiel. „Der Kofferraum des Fahrzeugs war rappelvoll mit Böllern. Insgesamt fanden wir 10.000 Feuerwerkskörper mit insgesamt 37 Kilogramm Sprengstoff.“ Der ertappte Hauptstädter erklärte, die unerlaubten Knallkörper für seinen 50. Geburtstag gekauft zu haben. „Das ist wenig glaubwürdig. Die waren niemals nur für den Eigenverbrauch gedacht“, sagt Behnisch. Sowohl gegen den niederländischen Trucker als auch gegen den Berliner seien Strafverfahren unter anderem wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz eingeleitet worden. Ihnen drohen nun Geld-, möglicherweise sogar Haftstrafen.

Beide Beispiele beweisen: Dass die meist in China, aber auch verstärkt in der Ukraine und anderen osteuropäischen Ländern produzierten Knallkörper oftmals mit unverhältnismäßig hohen Sprengladungen bestückt sind, ihre Einfuhr aufgrund des fehlenden Sicherheitsprüfzeichens streng verboten ist, stößt bei Hartgesottenen alle Jahre wieder auf taube Ohren. Dabei müssten der aufgedruckte Totenkopf und Bezeichnungen wie „Granaten“ oder „Bomben“, wahlweise auch „Susis Donnerschlag“ oder „Feuersturm“ jedem potenziellen Käufer Warnung genug sein. „Diese Knaller sind gefährlich, mangelhafte Verarbeitung und die Verwendung von Industriesprengstoff können zu schwersten Verletzungen führen“, warnt Behnisch. Abgetrennte Finger oder Hände, Gesichtsverletzungen oder Hörstürze waren in den vergangenen Jahren die traurigen Resultate.


Die Böller enthalten oft weit mehr Schwarzpulver, als in Deutschland zugelassen. „Allein durch Körperreibung, Erschütterung oder auch Nässe können die losgehen“, macht der Frankfurter Zollsprecher deutlich. Die für einen stärkeren Knall mit Aluminiumpulver und sauerstoffbindenden Perchloraten präparierten Silvesterknaller werden beschlagnahmt, in der Zoll-Asservatenkammer gelagert und in regelmäßigen Abständen von Sprengstoff-Spezialisten abgeholt und unschädlich gemacht.

„Wir arbeiten mit einer Spezialfirma zusammen, die normalerweise für die Entsorgung militärischer Munition zuständig ist“, macht Behnisch deutlich. Im vergangenen Jahr hatten Beamte des Hauptzollamts Frankfurt (Oder) über 16.000 Böller sichergestellt.

Fahrscheinautomaten in die Luft gejagt

Von der ungeheueren Sprengkraft zeugten beispielsweise auch die Überreste von Fahrscheinautomaten in Potsdam. Sie wurden von Dieben mittels sogenannter „Polenböller“ in die Luft gejagt. Neben leichtsinnigen Erwachsenen sind es nach Erkenntnissen der Grenzbehörden vor allem Jugendliche, die sich in Polen mit Silvestergeschossen eindecken.

„Eine Altersbegrenzung der Käuferschar interessiert die polnischen Händler nicht“, haben Zöllner beobachtet. In Deutschland sind nur Feuerwerkskörper erlaubt, die durch die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM) zugelassen wurden. Diese Raketen und Knaller haben ein entsprechendes, gut sichtbares Zulassungszeichen, das inzwischen nach Erkenntnissen des Zolls jenseits der Grenze auch schon gefälscht wird. Ein möglicher Hinweis für einen legalen, zugelassenen Böller: Die Verpackung enthält Gebrauchs- und Sicherheitshinweise in deutscher Sprache.

In Deutschland kann Pyrotechnik vom 29. bis zum 31. Dezember verkauft werden. Brandenburgs Arbeitsminister Günter Baaske kündigte an, dass Mitarbeiter des Landesamtes für Arbeitsschutz landesweit den Verkauf überwachen. „Leider wird immer wieder festgestellt, dass Pyrotechnik in Geschäften nur unzureichend beaufsichtigt wird“, sagte der Minister.