Im Garten verscharrt

Babymord - Eltern beschuldigen sich gegenseitig

Anfang des Jahres ist in Jüterbog die Leiche eines Säuglings gefunden worden, verscharrt im Garten. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt im Prozess die Eltern. Doch die belasten sich gegenseitig.

Foto: ZB / ZB/DPA

Mehr als eineinhalb Jahre blieb der Mord an einem Baby in Jüterbog (Teltow-Fläming) verborgen. Dann hielt es Kirsten H. nicht mehr aus. Sie stellte sich der Polizei. Sie gab an, dass ihr Lebensgefährte ihr neugeborenes Kind getötet und anschließend im Garten ihrer Doppelhaushälfte in Jüterbog vergraben habe. Der entsetzliche Fall schockierte damals eine ganze Kleinstadt. Seit Dienstag müssen sich die beiden nun vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Wer die Schuld an der Tötung trägt, ist bislang unklar.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Paar gemeinsam handelte. Die 38-Jährige und ihr Ex-Partner, der 35-jährige Marcel T., sollen sich dazu entschlossen haben, das Baby unmittelbar nach der Geburt im Juni 2009 zu töten. Am ersten Prozesstag – rund acht Monate nach dem Fund der Babyleiche – verlas Kirsten H. vor Gericht eine ausführliche Stellungnahme. Darin wies sie alle Schuld von sich und belastete abermals ihren ehemaligen Freund. Sie habe das Kind von Anfang an behalten wollen, sagte sie. Ihr Lebensgefährte sei jedoch dagegen gewesen. Nach ihren Angaben soll der 35-Jährige das Baby in einem Nebenraum ihres Hauses getötet haben. Marcel T. verwies dagegen auf seine frühere Aussage vor einem Haftrichter, wonach Kirsten H. das Neugeborene umgebracht habe.

Die Ermittler gehen davon aus, dass Marcel T. die treibende Kraft bei dem Mord gewesen ist. Allerdings soll Kirsten H. mit der Tötung des Babys einverstanden gewesen sein. Das Schwurgericht will nun prüfen, ob dies so war und welche Motive es dafür gegeben haben könnte. Im vergangenen Februar fanden Polizisten während einer groß angelegten Suchaktion im Garten des damaligen Paares an der Lilienstraße in Jüterbog die sterblichen Überreste eines Neugeborenen. Kirsten H. hatte die Ermittler selbst auf die Spur gebracht, nachdem sie über eine Bekannte die Polizei über das Geschehen informiert und angekündigt hatte, sich zu stellen. In der hintersten Ecke des Gartens, unmittelbar vor der Rückwand der Garage, stießen die Ermittler auf den entsetzlichen Fund. Weil die Leiche bereits stark verwest war, erwiesen sich die Ermittlungen als schwierig.

Nach derzeitigen Erkenntnissen soll Kirsten H. das Mädchen am 2. Juni 2009 zur Welt gebracht haben. Die Schwangerschaft soll sie verschwiegen haben. Laut ihren Angaben habe sie das Baby im Keller des Hauses zur Welt gebracht. Am darauffolgenden Tag habe Marcel T. ihr erzählt, dass er das Kind im Garten vergraben habe. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Potsdam soll das Paar dem Baby den Schädel eingeschlagen haben. Der Fall erregte damals in Jüterbog, einer kleinen Stadt mit 12.700 Einwohnern, große Aufmerksamkeit. Schließlich hatte Kirsten H. zu diesem Zeitpunkt bereits drei Kinder, die Familie war dem Jugendamt bekannt. Nach Angaben der Behörde standen die Mitarbeiter seit 2004 mit Kirsten H. in regelmäßigem Kontakt und versuchte, in Sorgerechtsfragen zu vermitteln.

Nach ihrer Verhaftung wurden die drei Kinder dem Jugendamt übergeben. Die familiären Verhältnisse wurden bereits damals als „kompliziert“ beschrieben. Dass Kirsten H. erneut schwanger war, wusste in der Behörde offenbar niemand, obwohl es verschiedene Beratungsgespräche und Hausbesuche gegeben hatte. Versäumnisse seitens der zuständigen Mitarbeiter hatte das Jugendamt damals allerdings nicht feststellen können. Auch Marcel T. beschrieb am ersten Prozesstag die familiäre Lage als unerträglich. Kirsten H. sei alkoholabhängig gewesen, so sein Vorwurf. Ein Zeuge berichtete vor Gericht jedoch, dass beide regelmäßig viel Alkohol getrunken und sich häufig gestritten hätten. Mit der Erziehung der Kinder seien die beiden überfordert gewesen.

Schwere Kritik am Jugendamt

Der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Teltow-Fläming, Danny Eichelbaum, kritisierte im vergangenen Juli das Jugendamt heftig. Es sei nicht nachvollziehbar, dass die Behörde die erneute Schwangerschaft nicht bemerkt habe, so seine Kritik. Er forderte damals die Staatsanwaltschaft auf, die Ermittlungen gegen die verantwortlichen Mitarbeiter des Jugendamtes auszuweiten. Die Staatsanwaltschaft sah dafür jedoch keine Veranlassung.

Das Urteil gegen Kirsten H. und Marcel T., die seit Februar in Untersuchungshaft sitzen, wird am 31. Januar 2012 erwartet. Bis dahin will das Gericht 17 Zeugen und vier Sachverständige hören.