Unwetter in Mühlberg

Tornado verwüstet Stadt in Brandenburg

Bei einem Unwetter nahe der Landesgrenze zwischen Sachsen und Brandenburg ist am Montag ein Kind getötet worden. Tornados verwüsteten die brandenburgische Stadt Mühlberg (Kreis Elbe-Elster) und das sächsische Großenhain. Dort stürzte ein Baum auf ein Auto, in dem ein sechsjähriges Mädchen saß. Das Kind wurde schwer verletzt und starb später.

Unwetter mit Tornados haben am Pfingstmontag in Brandenburg und Sachsen schwere Schäden angerichtet. In mehreren Orten wurden Häuser durch die Wirbelstürme beschädigt. Im sächsischen Großenhain starb ein sechsjähriges Mädchen – es hatte in einem Auto gesessen, auf das einentwurzelter Baum fiel. Ein Wirbelsturm raste durch die knapp 4500 Einwohner zählende Stadt Mühlberg (Elbe-Elster) in Süd-Brandenburg und deckte laut Polizei die Dächer von schätzungsweise 20 Häusern ab. Außerdem sollen mehrere Bäume auf Autos und Häuser gestürzt sein. Auch das fast 800 Jahre alte Kloster Marienstern wurde stark beschädigt - das Dach des Kirchturms stürzte herab.

Am Dienstagmorgen begannen in Mühlberg die Aufräumarbeiten. Die Telefonverbindungen funktionierten wieder, an der Wiederinbetriebnahme der Stromversorgung in der gesamten Stadt werde gearbeitet, sagte ein Polizeisprecher in Potsdam. Wie hoch die Kosten der Schäden sind, ist noch nicht abzusehen.

Mühlberg nach dem Sturm

Die von Mühlberg nach Sachsen führende Elbbrücke wurde am Montag gesperrt. Wegen anfangs unpassierbarer Zufahrtsstraßen kamen Einsatzkräfte der Feuerwehr nur mühsam voran. Vorübergehend war im gesamten Stadtgebiet der Strom ausgefallen.

Auch in Großenhain und Umgebung in Sachsen wütete ein Tornado. Nach Angaben der Polizei deckte der Sturm dort bei einer Reihe von Häusern die Dächer ab. In der nahe gelegenen Ortschaft Walda-Kleinthiemig hätten 80 Prozent der Häuser ihre Dächer verloren. Umgestürzte Bäume versperrten Anfahrtswege. Der Meißener Landrat Arndt Steinbach habe einen Katastrophenstab eingerichtet.


Die Schäden in Mühlberg

Auch der Zugverkehr kam in der Region am Montagabend teilweise zum Erliegen. Die Fernzüge zwischen Dresden und Berlin wurden umgeleitet. Laut Bahn ist auch noch am Dienstagmorgen mit Einschränkungen zu rechnen. Umgestürzte Bäume, Äste und Schlamm behinderten auch den Straßenverkehr auf den sächsischen Autobahnen A 13 und A 4.

Zuvor hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für die Lausitz wie auch für die nördlich gelegenen Landkreise Teltow-Fläming, Dahme- Spreewald, Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin eine Unwetterwarnung herausgegeben. Außerhalb Mühlbergs und Umgebung habe es jedoch keine schwerwiegenderen Folgen gegeben, sagte ein Sprecher des Lagedienstes im Potsdamer Innenministerium. Zwar seien einzelne Bäume umgestürzt, das habe die Feuerwehr aber schnell in den Griff bekommen.

Unwetter in Mühlberg

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Eine von der Nordsee heranziehende, labil geschichtete Luftmasse sei auf wärmere Luft getroffen, was sich in teilweise schweren Gewittern entladen habe, erkärte der Potsdamer Meteorologe des DWD, Gerd Saalfrank, die Wetterextreme. Sturmböen sollten bis zu 85 Stundenkilometer erreichen. Stellenweise gingen Saalfrank zufolge 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter nieder. Bei einer Windhose oder auch einem Tornado kommt es zu einer starken lokalen Verwirbelung der Luftmassen. Für die Nacht zum Dienstag wurde eine allgemeine Wetterberuhigung erwartet.

Auch in anderen Teilen Deutschlands – etwa im Osten und im Norden - gab es Gewitter und Unwetter. Allerdings hielten sich die Schäden meist in Grenzen. Bäume knickten um und Keller liefen voll. In Berlin zum Beispiel musste die Feuerwehr am Montagnachmittag zwischen 16 und 19 Uhr 38 Mal wegen der Unwetter ausrücken. Das Kulturprojekt „Schachtzeichen“ im Ruhrgebiet wurde am Pfingstmontag ebenfalls durch heftige Windböen behindert. Mehr als 300 große, gelbe Ballons schwebten seit Samstag an ehemaligen Zechenschächten in bis zu 80 Metern Höhe. Dann ließen die Organisatoren die Ballons nach unten holen.

Am Montagabend gab der Deutsche Wetterdienst für alle Gewitter-Gebiete Entwarnung: „Die Gewitter haben sich abgeschwächt und sind weitgehend nach Tschechien und Polen abgezogen.“ Im anderen Teilen Deutschlands war der Pfingstmontag der bislang wärmste Tag des Jahres. In Mannheim wurden bis 28 Grad gemessen, in Offenbach 27, sagte Meteorologe Christoph Hartmann vom Deutschen Wetterdienst in Offenbach auf Basis vorläufiger Daten. „Das war in Süddeutschland vielerorts ein Sommertag.“

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