Plan der Flugsicherung

So reagieren Bürger auf die neuen BER-Routen

Die neuen Vorschläge für die Flugrouten des geplanten Hauptstadtflughafens BER treffen auf ein geteiltes Urteil. Während Politiker sie als Kompromiss verstehen, sind viele Betroffene "entsetzt". Denn für sie wird es nun richtig laut.

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Die neuen Flugrouten vom künftigen Großflughafen in Schönefeld stehen fest. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat dabei ihren umstrittenen Vorschlag vom 6. September 2010 nach monatelangen Protesten der Betroffenen in weiten Teilen entschärft. Berlin ist allerdings im Südwesten und Südosten weiter betroffen, Potsdam wird umflogen.

Auch die Einwohner von Kleinmachnow, Teltow, Stahnsdorf und Steglitz-Zehlendorf müssen sich auf Fluglärm einstellen. Im Osten soll auch der Müggelsee überflogen werden. Das neue Konzept stellte die DFS am Montag der Fluglärmkommission vor. Parallel ging der Vorschlag auch an das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung. Am 26. September wird die Fluglärmkommission noch einmal beraten. Die Betroffenen reagierten am Montag teils erleichtert, teils entsetzt.

POTSDAM: "Für die Landeshauoptstadt ist es Optimal gelaufen"

"So verantwortungslos damals die Entscheidung für den Standort dieses Flughafens war, so verantwortungsbewusst waren die Vorschläge der Flugsicherung jetzt.“ Das ist das Urteil der Bürgerinitiative Weltkulturerbe Potsdam über die Flugrouten-Vorschläge. Ihr Sprecher Markus Peichl sagte am Montag nach der Präsentation: „Für Potsdam ist es optimal gelaufen.“ Der Standort Schönefeld, den er nach wie vor für den falschen Platz für einen Flughafen dieser Größe halte, gebe nichts Besseres her als die jetzt vorgestellten Pläne der Deutschen Flugsicherung (DFS). „Es ist das geringste Übel.“

Die Stadt Potsdam schneidet im Ergebnis der Debatte über neue Flugrouten für den geplanten Hauptstadtflughafen besonders gut ab. Nach den Vorstellungen der DFS soll die brandenburgische Landeshauptstadt gänzlich umflogen werden.

Allerdings, so kündigte Peichl an, müsse jetzt weiter daran gearbeitet werden, dass „aus dem geringsten Übel kein großes Übel“ werde. Die aktuellen Vorschläge für die Flugrouten könnten nur verlässlich und nachhaltig sein, wenn aus dem BER kein internationales Drehkreuz gemacht werde. „Sonst sind alle Pläne von heute Makulatur“, sagte Peichl. Dazu gehöre auch, das Nachtflugverbot von 22 Uhr bis 6 Uhr morgens strikt einzuhalten. „Der Protest muss deshalb weitergehen“, sagte Peichl. Er betonte außerdem, dass sich die nun vom Fluglärm besonders betroffenen Regionen darin „der Unterstützung vonseiten Potsdams weiterhin sicher sein“ könnten. Den Betroffenen gehöre „unsere Solidarität“, so der Sprecher. „Hätte es den Protest nicht gegeben, wir hätten jetzt nicht dieses Ergebnis bekommen“, sagte Peichl. Die Bürgerinitiativen könnten stolz sein auf den bisherigen Erfolg. „Das ist ein guter Tag für die Bürger“, sagte er. „Diese gute Lösung zeigt, dass sich der Protest von Bürgern lohnt.“

MÜGGELSEE: "AB nächstem Jahr gibt es Dreckluft gratis"

Ab nächster Woche soll die Unterschriftenaktion für das Volksbegehren in Berlin gegen die geplanten Flugrouten starten, kündigt Franziska Borkenhagen vom „Bündnis Südost“ an. „Wir werden uns vehement weiter gegen dieses traurige Ergebnis einsetzen.“ Werden die Vorschläge der Deutschen Flugsicherung umgesetzt, dann wird die Region rund um den Müggelsee bald in einer Höhe von 1150 Metern überflogen. „Mit An- und Abflügen sind wir dann am höchsten belastet“, sagte Borkenhagen. „Das ist eine Katastrophe für den Südosten.“

1,2 Millionen Gäste kommen laut Borkenhagen jährlich an die „Badewanne Ost-Berlins“. „Wir haben hier ein riesiges Naherholungs- und Naturschutzgebiet – das alles ist jetzt bedroht“, so Borkenhagen weiter. Bei Ostwind sei die grüne Region im Südosten zudem die „Klimaanlage der Stadt“. Mit den Fliegern des neuen Flughafens werde sich das massiv ändern, befürchtet Borkenhagen. „Ab nächstem Jahr gibt es dann Dreckluft gratis.“ Die Innenstadt Berlins werde als Umweltzone vor Autos mit zu schmutzigen Abgasen geschützt, das Naherholungsgebiet inmitten der Natur dürfe dagegen von Flugzeugen verpestet werden.

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„Eine richtige Katastrophe“, sagte Borkenhagen immer wieder. Die Deutsche Flugsicherung habe Vorschläge ignoriert, die mit geringeren Belastungen für weniger Anwohner ausgekommen wären, kritisiert sie. „Und es konnten nicht einmal Zahlen darüber genannt werden, wie viele Menschen jetzt betroffen sein werden, das ist schwach.“

Das größte Problem sieht das Bündnis aus mehr als zehn Bürgerinitiativen aus Berlin und Brandenburg – so wie fast alle Initiativen gegen den Fluglärm mittlerweile – in der Dimension, die der BER annehmen könnte. „Das internationale Drehkreuz, das nun entstehen soll, war nicht von Anfang an geplant.“

KLEINMACHNOW: "Wir werden gegen die festsetzung klagen"

Matthias Schubert drückt seine Enttäuschung ohne Umschweife und sehr deutlich aus. „Ein beschissener Montag“, sagte der Sprecher der Bürgerinitiative „Kleinmachnow gegen Flugrouten“ nach der Präsentation der Vorschläge durch die Deutsche Flugsicherung (DFS). „Das ist das Schlimmste, was Kleinmachnow hat passieren können.“

Kleinmachnow gehört zu den Verlierern der am Montag vorgestellten Pläne der DFS. Bei Westabflügen von der Nordbahn sollen die startenden Flugzeuge nach dem Vorschlag der Flugsicherung in Höhe Ludwigsfelde die vorgeschriebenen Routen verlassen und damit Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf in geringer Höhe überfliegen.

Besonders kritisch sieht Schubert dabei die Tatsache, dass die Piloten nur bis zu einer Höhe von 5000 Fuß, etwa 1500 Meter, eine vorgeschriebene Route fliegen müssen und danach fast beliebig die Kleinmachnower Region überfliegen dürfen. „Sie werden sich auffächern und überall über unseren Köpfen rumfliegen“, sagte er. Wenn es so kommt dann „würde die ganze Region verlärmt und zur B-Gegend herabgestuft werden“.

SPD-Mitglied Schubert regt sich auch darüber auf, dass die möglicherweise vom Fluglärm betroffenen Gemeinden gegeneinander ausgespielt worden seien. Das Gespräch mit Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) über die Flugrouten habe nicht, wie propagiert, mit Vertretern aller Bürgerinitiativen stattgefunden, sondern nur mit einigen wenigen, kritisiert Schubert.

Kleinmachnow werde nicht aufgeben, sondern weiter kämpfen, kündigte Schubert an. Gegen die Festsetzung der Routen werde die Initiative klagen. Und auch für die Einhaltung des Nachtflugverbots wolle man sich weiter einsetzen. Das Problem sei auch die Dimension des Flughafens, der zum internationalen Drehkreuz ausgebaut werden solle, sagte Schubert. „Das geht alle Gemeinden an.“