Coli-Bakterien

Potsdamer müssen verunreinigtes Wasser abkochen

Die Potsdamer sind wegen der Entdeckung von Coli-Bakterien im Trinkwasser beunruhigt. Zwar wurden die Rohre gespült. Doch ob dies den gewünschten Erfolg hatte, steht noch nicht fest.

Foto: ZB / ZB/DPA

Vor allem die Älteren und Familien mit kleinen Kindern machen sich Sorgen. Seit im Trinkwassernetz in Potsdam-Babelsberg gesundheitsschädliche Coli-Bakterien gefunden wurden, steht das rund um die Uhr besetzte Telefon beim Gesundheitsamt Potsdam nicht mehr still. „Etwa 400 besorgte Bürger haben bislang angerufen“, sagt die Amtsärztin Karola Linke. „Manche mitten in der Nacht.“ Seit Wochen erneuert die Energie und Wasser Potsdam GmbH (EWP) die Wasserrohre, wegen der Bauarbeiten nahm das Gesundheitsamt am Montag routinemäßig eine Probe – dieses Mal in einer Kita. Am Mittwoch lag das Ergebnis vor: Das Wasser ist mit Coli-Bakterien verunreinigt.

Kurz nach 18 Uhr gab die Stadt Potsdam eine Warnung per Pressemitteilung heraus. Außerdem informierte sie über Radio und Fernsehen. Dennoch hörten oder lasen viele betroffene Babelsberger erst am Donnerstag von der Gefahr, die aus der Leitung kommt. „Die Angehörigen riefen uns an“, sagt Altenpfleger Andreas Gutowski. „Eigentlich dürfte man erwarten, dass die Behörden uns eine Warnung mit Empfehlungen in den Briefkasten stecken.“ Gutowski betreut mit seinen Kolleginnen acht Senioren in einer Wohngruppe für Demenzkranke an der Rudolf-Breitscheid-Straße in Babelsberg. Auch bei der Hotline des Gesundheitsamtes gingen im Verlauf des Tages Beschwerden ein. „Wir haben die ganze Nacht gearbeitet“, sagt Amtsärztin Karola Linke. Zehn Mitarbeiter seien eigens abgestellt. „Bis Donnerstag, Punkt 12 Uhr, dürften alle Handzettel an die betroffenen Haushalte verteilt gewesen sein“, sagt sie. „Schneller ging es einfach nicht.“

Wasser drei Minuten abkochen

Die Trinkwasser-Warnung gilt für das Gebiet zwischen Rudolf-Breitscheid-Straße-, Plantagen-, Behring- und Karl-Marx-Straße. Etwa 10000 Menschen wohnen hier in 3700 Haushalten. Sie sollen in den nächsten Tagen kein Leitungswasser mehr trinken, ohne es zuvor mindestens drei Minuten abzukochen. Laut Gesundheitsamt besteht kein Grund zur großen Sorge. Der Grenzwert der Trinkwasserverordnung von „null koloniebildenden Einheiten in 100 ml“ sei nur geringfügig überschritten. Dennoch sind damit die Anforderungen der Trinkwasserverordnung nicht erfüllt.

Bei der Energie- und Wasser GmbH an der Steinstraße tagte am Donnerstag ein Krisenstab. Noch ist die Ursache nicht gefunden. Laut EWP-Sprecher Stefan Klotz könnten unsachgemäße Arbeiten am Trinkwassernetz die Verunreinigung bewirkt haben. Es könnte Oberflächenwasser mit Keimen in die Leitung gelangt sein. In der Nacht zum Donnerstag ließ die EWP die Rohre in dem Gebiet durchspülen. Danach wurden zusätzliche Wasserproben genommen. Nun heißt es abwarten: Die Ergebnisse der neuesten Untersuchung werden im Wasserlabor am Schlaatz laut Gesundheitsamt erst am Sonnabend vorliegen. Die Auswertung dauere 48 Stunden.

Babelsberg ist das kinderreichste Viertel der Landeshauptstadt. Hier wohnen viele junge Familien. Zur Ferienzeit ist es im sonst so quirligen Babelsberger Zentrum ziemlich ruhig; die Kitas haben aber weiter geöffnet. Für die Kleinen gilt besondere Vorsicht. In der Krippe im Oberlinhaus an der Breitscheid-Straße wurde das Wasser nicht nur mindestens drei Minuten abgekocht. „Wir haben die Hände der Kinder nach dem Spielen nur mit abgekochtem Wasser und Einwegwaschlappen gereinigt“, sagt die Leiterin der Krippe, Annett Zscherper. Die Kleinen, die zwischen sechs Monaten und drei Jahren alt sind, stecken noch ständig die Hände in den Mund. Die Einrichtung ist laut Schreiben des Gesundheitsamtes nicht betroffen. „Wir halten uns trotzdem vorsorglich an die Empfehlungen“, sagt die Leiterin.

Im Lindencafe an der Rudolf-Breitscheid-Straße neben dem „Thalia“-Kino wird seit Donnerstagvormittag kein Leitungswasser mehr zum Espresso serviert. Restaurantleiterin Eileen Musehold hat sich die Empfehlungen des Gesundheitsamtes extra aus dem Internet ausgedruckt. Der Babelsberger Tommy Porsch sitzt zusammen mit der Berlinerin Manuela Krause bei einem ausgiebigen Frühstück draußen vor dem Cafe. Er lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. „Sind ja nur Coli-Bakterien, keine Cholera-Bakterien“, sagt der 32-Jährige. Allerdings verzichtete er am Morgen beim Zähneputzen aufs Ausspülen. Manuela Krause sagt: „Das kennt man doch vom Urlaub. Da kann man auch nicht überall Wasser aus der Leitung trinken.“

Eine Hotline informiert

Ein paar Meter weiter steht Regina Nadler in ihrem Feinkostgeschäft, dem „Käsestübchen“. Damit keine Keime an die Lebensmittel kommen, hat sie sich extra einen Wasserkocher besorgt. Sie reinigt die Theke jetzt mit abgekochtem Wasser. Sven Kotulla und seine Frau Angela vom Autoservice denken sogar an ihren West Highland White Terrier. „Bobby“ bekommt jetzt auch kein Wasser mehr aus der Leitung. Katrin Brösicke, die mit Tochter Elia (7) unterwegs ist, sagt: „In der Arbeit haben sie uns angewiesen, den Wasserautomaten nicht zu benutzen.“ Auch in den Villen am Griebnitzsee herrscht Besorgnis. An der Karl-Marx-Straße wohnt auch der Stadtverordnete für das Bürgerbündnis, Wolfhard Kirsch. Er gibt sich gelassen: „Dann müssen wir eben mal ein paar Tage das Wasser abkochen.“ Er habe aber sofort seine Mieter informiert, so Kirsch.

Bei den Ärzten blieb es bislang ruhig. Es gab einige besorgte Anrufe, aber keine Häufung von Durchfallerkrankungen. Nach Informationen des RBB sind auch in mehreren Gemeinden des Landkreises Barnim Coli-Bakterien im Trinkwasser nachgewiesen worden.

Hotline beim Gesundheitsamt Potsdam: 0331-289 2372 und 0172-3917302