Festnahme

Rocker sollen Schutzgeld erpresst haben

Bei einer Geldübergabe im brandenburgischen Eisenhüttenstadt sind der Polizei am Dienstag mehrere Mitglieder einer Rockerbande ins Netz gegangen. Gegen sie wurde seit langem ermittelt.

Bei einer großangelegten Polizeiaktion sind am Dienstag sechs Verdächtige aus der Brandenburger Rockerszene festgenommen worden. Zudem seien 26 Objekte im Osten Brandenburgs und eine Wohnung in Berlin durchsucht worden, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung von Staatsanwaltschaft, Zoll und Landeskriminalamt. Unter den Festgenommenen sei auch ein 40 Jahre alter Mann, der als Drahtzieher für die Vorherrschaft des Rockerclubs „Gremium MC“ in Eisenhüttenstadt verantwortlich gewesen sein soll.

Drei Männer wurden nach Angaben eines LKA-Sprechers bei einer Geldübergabe auf einem Parkplatz in Eisenhüttenstadt festgenommen. Den 40 Jahre alten Hauptbeschuldigten hätten die Beamten kurze Zeit später auf der Straße in Eisenhüttenstadt gefasst, einen weiteren Verdächtigen in einem Café. Der sechste Verdächtigte, ein 38-Jähriger aus Eisenhüttenstadt, sei bei einer Rauschgiftübergabe in Berlin festgenommen worden, sagte der Sprecher.

40-Jähriger beherrschte Rotlicht- und Türstehermilieu

Gegen den erheblich vorbestraften 40-Jährigen, der in der Vergangenheit bereits zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt wurde, wird den Angaben zufolge in mehreren Fällen wegen des Verdachts der Erpressung beziehungsweise des erpresserischen Menschenraubs sowie wegen mehrfacher Nötigung und Zuhälterei ermittelt. Die Erpressungen sollen sich hauptsächlich im Rotlicht- und Türstehermilieu abgespielt haben.

Die Mitgliedschaft in dem Rockerclub habe dabei als „zusätzliche Drohkulisse“ gedient, hieß es. So soll der 40-Jährige im Jahr 2009 einen Diskotheken-Betreiber mit massiver körperlicher Gewalt dazu genötigt haben, Mitglieder des „Gremium MC“ als Türsteher zu beschäftigen. Dadurch habe sich die Stellung des Rockerclubs zu einer „Statthalterschaft“ in Eisenhüttenstadt entwickelt.

Verbindungen zum Katastrophenschutzamt

Der 40-Jährige soll zudem die Bekanntschaft zu einem Beamten des Katastrophenschutzamtes des Landkreises Oder-Spree genutzt haben. Dadurch habe er beispielsweise im Zusammenhang mit dem Oderhochwasser 2010 überteuerte Leistungen bei der Beseitigung der Sandsäcke erbringen und abrechnen können, hieß es. Gegen den Beamten werde ermittelt.

Außerdem wird dem Mann vorgeworfen, gemeinsam mit seiner Ehefrau und weiteren Beschuldigten illegal Zigaretten geschmuggelt zu haben. Bisherigen Erkenntnissen zufolge sollen sie 2009 und 2010 mehr als 3,5 Millionen Zigaretten illegal von Polen nach Deutschland gebracht haben.

„Mentor“ für weiteren Verdächtigen

Ebenfalls unter den Festgenommenen war den Angaben zufolge ein 56-Jähriger, der in Eisenhüttenstadt als Geldeintreiber auftrat. Ein 35-Jähriger, der bei der Geldübergabe geschnappt wurde, wird der räuberischen Erpressung und des Handelns mit Betäubungsmitteln verdächtigt. Er soll ein sogenannter Anwärter oder Prospect des „Gremium MC“ sein, wobei der 40-Jährige als sein „Mentor“ agiert habe, hieß es.

Bei den Durchsuchungen wurden den Angaben zufolge Betäubungsmittel und Anabolika gefunden. Zudem stellten die rund 220 eingesetzten Beamten Unterlagen sicher, die laut den Ermittlern den Verdacht der Bestechung und Bestechlichkeit, des Betrugs und der Untreue erhärten. Alle sechs Tatverdächtigen sollten unverzüglich dem Haftrichter vorgeführt werden.