Zuletzt zogen die Neonazis vor zwei Jahren durch die symbolträchtige Gemeinde, knapp 50 Kilometer südlich von Berlin. Doch wie Morgenpost Online jetzt aus Sicherheitskreisen erfuhr, liegt der Versammlungsbehörde wieder eine Anmeldung aus der Szene vor. Das Motto: „Ruhm und Ehre den deutschen Frontsoldaten und den europäischen Freiwilligen“.

Die Veranstaltung wurde demnach für Sonnabend, den 14. November, um 12 Uhr angemeldet. Die Auftaktkundgebung soll an der Lindenstraße, Höhe Hausnummer 47, Ecke Kirchstraße stattfinden. Die Zwischenkundgebung ist in unmittelbare Nähe – also in Sichtweite – zum Denkmal Waldfriedhof in Halbe (Dahme-Spreewald) geplant. Endpunkt des Aufmarsches soll wieder die Lindenstraße sein. Der Veranstalter erwartet 200 bis 400 Teilnehmer.

Nach Angaben der Brandenburger Sicherheitsbehörden liegen keine aktuellen Anmeldungen für Gegenveranstaltungen vor – müssen sie aber auch nicht unbedingt: Für die Jahre 2006 bis 2020 wurden bereits am 15. Dezember 2005 jeweils für den Sonnabend vor dem Volkstrauertag in der Zeit von 10 bis 18 Uhr Demonstrationen unter dem Thema „Für Demokratie“ angemeldet. Initiator dieser Proteste ist der Vorsitzende des landesweiten Aktionsbündnisses gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, Hans-Joachim Lohmann.

Nach Informationen von Morgenpost Online handelt es sich bei dem Anmelder des diesjährigen Neonazi-Aufmarsches um Lars J. aus Rostock. J. ist in der Szene kein Unbekannter: Er war lange Zeit einer der aktivsten Neonazis in Norddeutschland. Als Mitglied der verbotenen „Wiking Jugend“ sowie der „Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei“ soll er über internationale Kontakte, bis hin zum Ku-Klux-Klan in den USA verfügen. Lars J. gilt als Initiator der ehemaligen Kameradschaft „Aktionsgruppe Festungsstadt Rostock“ und hatte in der Vergangenheit mehrfach Aufmärsche in Halbe angemeldet.

Ort historischer Aufklärung

Die Hoffnung, dass die Neonazis ihr Interesse am „Heldengedenken“ in Halbe verlieren, weil das Ritual der Kranzniederlegungen verboten wurde, scheint vorerst gestorben. Noch im November 2008 hatte eine Expertenkommission ein Konzept entwickelt, wie der Waldfriedhof den Rechtsextremen endgültig als Wallfahrtsort entrissen werden könnte. Die mit rund 24.000 Toten größte Kriegsgräberstätte Deutschlands soll demnach zu einem Ort historischer Aufklärung und Information werden – ohne Möglichkeiten für Großaufmärsche von Neonazis.

Konkret empfahlen die Experten in ihrem 156 Seiten umfassenden Bericht eine dauerhafte „Open-Air-Ausstellung“ auf dem zentralen Vorplatz des Waldfriedhofs. Diese soll über Hintergründe der Kesselschlacht in Halbe kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges, über Verbrechen von SS und Wehrmacht, insbesondere aber auch über die Heterogenität der begrabenen Toten informieren: Neben Wehrmachtssoldaten, Angehörigen der Waffen-SS und des „Volkssturms“ auch Zivilisten, hingerichtete Wehrmachtsdeserteure, Flüchtlinge, osteuropäische Zwangsarbeiter, russische Soldaten und Häftlinge aus dem sowjetischen Internierungslager Ketschendorf.

Nach einer Änderung des brandenburgischen Gräbergesetzes in 2006 gab es zwar keine Großaufmärsche von Neonazis zum „Heldengedenken“ vor dem Friedhof mehr. Im Ort selbst konnte die Szene aber immer wieder aufmarschieren. Unbemerkt von der Öffentlichkeit wurde der Friedhof auch abseits der offiziell angemeldeten Aktionen immer wieder das Ziel von größeren und kleineren Gruppen von Rechtsextremisten.