Der Skandal um dioxinbelastetes Futter auf Geflügelhöfen weitet sich nun offenbar auch auf Brandenburg aus. Ein Geflügelhof im Land steht unter Verdacht. Gegen den Hof sei bereits am Freitag eine Sperrverfügung verhängt worden, sagte ein Sprecher des Brandenburgischen Umwelt- und Verbraucherministeriums. Es seien Proben entnommen worden. Derzeit untersuchen Experten des Landeslabors Berlin-Brandenburg die Hühnereier auf Dioxin. Ergebnisse werden allerdings nicht vor morgen erwartet.

Der brandenburgische Betrieb liefert seit Freitag nicht mehr aus. „Es gehen weder Futtermittel rein und noch Eier raus“, so der Sprecher. Dies ist aber zunächst noch eine vorsorgliche Maßnahme.“ Da es sich um einen Verdachtsfall handelt, wollte das Umwelt- und Verbraucherministerium in Potsdam gestern keine genaueren Angaben zu dem Hof machen. „Wir müssen den Betrieb schützen“, sagte der Ministeriumssprecher. Der Geflügelhof sei nicht sehr groß. Auch darüber, wohin der Hof seine Eier verkauft, gab es keine Auskunft.

In der vergangenen Woche waren in neun Bundesländern Öko-Geflügelhöfe auf Dioxinbelastung untersucht worden. Zahlreiche Höfe wurden vorsorglich gesperrt. Einige sind nach den Untersuchungen aber mittlerweile wieder geöffnet. Die betroffenen Betriebe waren von einem niederländischen Bio-Futtermittelhersteller mit Mais beliefert worden. Der Lieferant soll im Winter rund 2500 Tonnen Futtermais aus der Ukraine bekommen und dann an deutsche Höfe und Futtermittelhändler weiterverkauft haben.

Nach Brandenburg gelangte dieser belastete Futtermais über Sachsen-Anhalt. Der Brandenburgische Geflügelbetrieb wurde von einem Futtermittelhändler aus Sachsen-Anhalt beliefert. Der dortige Händler habe die giftige Chemikalie bei einer Eigenkontrolle festgestellt, wie das Agrarministerium in Magdeburg mitteilte. Dem Futter, das nach Brandenburg ging, sei der belastete Mais beigemischt worden.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung hatte vergangene Woche in Bio-Eiern aus Niedersachsen Dioxin nachgewiesen. Das Institut meldete für die Eier dieser Höfe eine zwei- bis dreifach höhere Belastung mit Dioxin, als der vorgeschriebene Grenzwert erlaubt. Das Institut schätzte das Gesundheitsrisiko dennoch gering ein. Eine akute Gesundheitsgefahr bestehe nicht. Wer die belasteten Eier nur über einen kurzen Zeitraum verzehre, setze sich keiner Gefahr aus. Dennoch sollte die Belastung möglichst gering gehalten werden. Der vorsorgliche Schutz der Verbraucher erfordere dies. Die Lebensmittel-Ketten Lidl und Rewe haben bereits reagiert und Bio-Eier aus dem Sortiment genommen.

Dioxin ist ein krebserregender Stoff. Vor allem durch Müllverbrennung ist Dioxin überall in geringer Konzentration zu finden. Mittlerweile seien die Filter der Müllverbrennungsanlagen zwar besser, so das Bundesinstitut für Risikobewertung. Da sich Dioxin aber nicht von selbst abbaut, gebe es überall einen sogenannten „Hintergrundwert“ von 1 bis 2 billionstel Gramm (Picogramm). Im Körper reichert sich Dioxin vor allem im Fettgewebe an. Der Grenzwert liege bei 3 bis 6 Picogramm. In den niedersächsischen Eiern lag die Dioxin-Belastung zum Teil bei bis zu 15 Picogramm. Wie genau das Dioxin in den Futtermais gelangt ist, könne nur am Ursprungsort in der Ukraine untersucht werden. In anderen Fällen war mit Dioxin belastete Öle in Lebens- oder Futtermittel geraten. Bei belastetem Schweinefleisch aus Irland hatten 2008 die Schmierstoffe einer Trocknungsanlage den Giftstoff enthalten, so das Bundesinstitut.

Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch hat unterdessen Kritik an der Informationspraxis der Behörden geäußert. Bereits seit zwei Wochen sei die mögliche Dioxin-Verseuchung bekannt. Die Verbraucher wurden jedoch erst am vergangenen Freitag informiert. Außerdem fordert Foodwatch strengere Kontrollen von Futtermitteln. „Die Behörden müssen die Verbraucher sofort informieren, wenn sie solche Informationen haben“, fordert Vize-Chef Matthias Wolfschmidt. Das Verbraucherschutzministerium des Bundes wies die Vorwürfe zurück. Eine akute Gefährdung durch die dioxinbelasteten Eier bestehe nicht.