Nach Dioxinfunden in Bioeiern und Futtermitteln haben die Behörden in Deutschland zahlreiche Hühnerhöfe gesperrt. Dioxinverseuchter Mais aus der Ukraine ist nach Behördenangaben von einem niederländischen Unternehmen von Nordrhein-Westfalen aus im Winter in mehrere Bundesländer verkauft worden.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung sieht keine Gefahr für Verbraucher. Eine Untersuchung habe ergeben, dass keine akute Gesundheitsgefahr bestehe, sagte am Freitag eine Sprecherin des Bundesministeriums für Verbraucherschutz.
Angesichts wiederholter Fälle von Dioxinfunden forderte die Berliner FDP-Ernährungsexpertin Christel Happach-Kasan Kontrollen bei den Endprodukten. „Das Beispiel zeigt, dass nicht allein die Produktionsweise hochwertige Lebensmittel garantieren kann“, erklärte die Bundestagsabgeordnete.
2004 hatten sich bei Kontrollen von Freilandeiern in mehreren Bundesländern zu hohe Dioxin-Belastungen herausgestellt. Allgemein nimmt der Mensch allerdings mehr Dioxin durch Milch und Fleisch als durch Eier auf. Als Verursacher hoher Dioxinwerte gelten damalige Müllverbrennungsanlagen. Heute werden Umweltgifte weitgehend herausgefiltert.
Eier gelangen nicht in den Handel
Nachdem am Donnerstag Funde auf Bio-Bauernhöfen in Niedersachsen bekannt geworden waren, gaben am Freitag die Behörden in weiteren Bundesländern Alarm. Der Verkauf betroffener Eier und Jungtiere wurde bis auf weiteres untersagt. Meldungen gingen aus Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt ein. Bei den gesperrten Höfen handelt es sich um Jungtierzuchten und Legebetriebe. In einem Fall habe ein Betrieb aus dem Kreis Minden-Lübbecke in NRW Jungtiere an einen Hof im Emsland in Niedersachsen geliefert.
Auch im Land Brandenburg wird auf einem Hof geprüft, ob Eier eventuell mit Dioxin belastet sind. Das sagte eine Sprecherin des Verbraucherschutzministeriums am Freitag in Potsdam.
Es werde sichergestellt, dass die Eier vorerst nicht in den Handel gelangen. Ein Ergebnis der Untersuchung erwartet das Ministerium in der kommenden Woche.
Der Geflügelhof sei mit Futter aus Sachsen-Anhalt beliefert worden, hieß es. Auf dem Geflügelhof im Nachbarland wurden Rückstände von Dioxin in Eiern gefunden. Der Betrieb habe die giftige Chemikalie bei einer Eigenkontrolle festgestellt, teilte das Agrarministerium in Magdeburg. Genaue Untersuchungen müssten erst noch ergeben, ob sich der Befund bestätigt. Bislang wurde noch nicht offiziell bestätigt, dass ein Zusammenhang mit dem dioxinverseuchten Mais aus der Ukraine besteht.
Dioxine stehen in Verdacht, krebserregend zu sein
Die EU hatte vor den Ländermaßnahmen eine Schnellwarnung herausgegeben, bestätigte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (Lanuv) in Recklinghausen einen Bericht des „Westfalen-Blatts“ vom Freitag.
Nach Informationen der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ (AbL) haben einige Futtermittelhersteller den belasteten, aber dennoch biozertifizierten Mais im Januar aus einer 2500-Tonnen-Schiffsladung erhalten. Es könnten daher weitere Dioxinfunde und Betriebsschließungen nicht ausgeschlossen werden. AbL-Sprecher Eckehard Niemann kritisierte die Verwendung solchen Futters und warnte vor einem Imageschaden für die Biobetriebe.
Der Lebensmittel-Einzelhandel habe bereits betroffene Eier-Chargen aus den Regalen genommen, sagte die Sprecherin des Landesamtes, Babette Winter. Nach dpa-Informationen sind die Supermarktketten Lidl und Rewe betroffen. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass belastete Eier in den Handel und somit zum Verbraucher gelangt sind. Das ist zumindest wahrscheinlich, weil das belastete Futtermittel in den Wintermonaten verkauft wurde und üblicherweise nur wenige Wochen gelagert werden könne, erklärte die Sprecherin.
Bei einem kleineren landwirtschaftlichen Betrieb in Kevelaer am Niederrhein stellten sich bei Kontrollen bereits Überschreitungen des zulässigen Dioxin-Grenzwertes von drei Nanogramm pro Kilogramm heraus. „Damit sind die Eier nicht verkehrsfähig“, hieß es vom Amt. Legehennen reichern im Fettgewebe ihres Körpers Dioxine an, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein. Dieses Umweltgift werde dann über einen längeren Zeitraum vom Huhn an das Ei abgegeben.
dpa/sh



