Brandenburg

Wisente und Wildpferde ausgewildert

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Helga Labenski

Foto: dpa

Pferde und Wisente können sich jetzt in freier Wildbahn vor den Toren Berlins tummeln. In der Döberitzer Heide bei Wustermark (Havelland) entsteht ein Paradies, in dem die Tiere unbehelligt vom Menschen und im Einklang mit der Natur leben können. Das Projekt der Heinz-Sielmann-Stiftung ist einmalig in Europa.

Nach zwei Jahren in einer Eingewöhnungszone hat sich für elf Wisente und sieben Przewalski-Pferde in der Döberitzer Heide (Havelland) das Tor in die Freiheit geöffnet. Auf 20 Millionen Quadratmetern des früheren Truppenübungsplatzes können die seltenen Tiere wie in freier Wildbahn leben. Das Projekt der Heinz-Sielmann-Stiftung ist einmalig in Europa. Nirgendwo sonst auf dem Kontinent wird Wildrindern und Steppenpferden ein so großes Reservat zur Verfügung gestellt.

Den Visionen des 2006 gestorbenen Tierfilmers Heinz Sielmann von einem Naturparadies wenige Kilometer vor den Toren Berlins ist die Döberitzer Heide damit nahe gekommen. „Ein Traum, verbunden mit einem ganz großen Wunsch“ sei in Erfüllung gegangen, sagt Sielmanns Witwe Inge.

Mehr als hundert Jahre lang haben Kaisers Truppen, Wehrmacht und Sowjetarmee die Döberitzer Heide zum munitionsverseuchten Sperrgebiet gemacht. Die Panzer rissen die Erde aber auch zu einer offenen Landschaft auf, in der sich mehr als 5000 seltene Tier- und Pflanzenarten ansiedeln konnten. Wisente, europäische Verwandte der Bisons, und wilde Przewalski-Pferde sollen mit ihrem Appetit auf junge Bäume und Sträucher dafür sorgen, dass die 2000 Hektar große, von Menschen kaum berührte Kernzone des rund 3400 Hektar großen Militärgeländes nicht wieder verbuscht. Das Land hätte es niemals bezahlen können, die Heide von solchem Bewuchs offenzuhalten, betont Matthias Freude, Präsident des Landesumweltamtes Brandenburg, „Wisente und Wildpferde erledigen das nun für uns kostenlos.“

2004 hatte die Heinz-Sielmann-Stiftung das Areal für 2,2 Millionen Euro vom Land gekauft. Circa zehn Millionen Euro hat die Stiftung seither für Munitionsbergung und Erschließung des Geländes ausgeben. Ein 21 Kilometer langer Rundwanderweg um den eingezäunten Wildniskern ist nun ebenfalls fertiggestellt. Mehr als 50 Kilometer geräumte Wanderwege führen damit sicher durch die Randzonen des noch immer mit explosiven Hinterlassenschaften belasteten Geländes. 550 Tonnen Munition haben die Räumdienste bisher geborgen. Aus Sicherheitsgründen und um Wisente und Przewalski-Pferde nicht zu stören, dürfen Wanderer die Wege nicht verlassen.

Am Sonnabend (8. Mai 2010) können Berliner und Brandenburger den neuen Rundweg ausprobieren. Sielmanns Naturlandschaft lädt von 10 bis 18 Uhr zum Besuchertag mit Safari-Schnuppertouren, Live-Musik und verschiedenen Mitmachaktionen.

Infos im Internet: www.sielmann-stiftung.de