Knapp drei Monate nach dem Mord an einem Polizisten in Lauchhammer haben die Ermittler der Mordkommission eine erste heiße Spur. Am Donnerstag präsentierten Staatsanwaltschaft und Polizei in Cottbus ein Foto des Verdächtigen: Weil der Mann im Auto des getöteten Polizisten zu schnell fuhr, wurde er geblitzt. Für die Aufklärung des Mordes wurden 10.000 Euro Belohnung ausgesetzt.
Der Fall ist etwas Besonderes. Zumindest aus Sicht der Brandenburger Kriminalbeamten und Strafverfolgungsbehörden. Professionalität und die Fähigkeit, Abstand zu bewahren, sind die Voraussetzungen des Ermittlerberufs. Doch wenn der eigene Kollege Opfer eines Gewaltverbrechens wird, fällt die Trennung zwischen Beruf und persönlicher Betroffenheit schwer. Es ist womöglich diesem Umstand geschuldet, dass auf die Aufklärung des Falles des vor zehn Wochen in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) getöteten Polizeihauptkommissars Steffen M. ein besonderes Augenmerk gerichtet wird.
Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Staatsanwaltschaft und Polizei wurde in Cottbus jetzt der bisherige Stand der Ermittlungen bekannt gegeben.
Danach erhoffen sich die Ermittler insbesondere durch die Veröffentlichung eines Blitzerfotos einen schnellen Fahndungserfolg. Das Foto zeigt einen 20 bis 40 Jahre alten Mann am Steuer des Wagens des getöteten Polizisten, mit dem der mutmaßliche Täter vom Tatort geflüchtet war. Eine stationäre Blitzeranlage habe das Fahrerfoto kurz nach der Tat am Abend des 23. November im ostsächsischen Diesbar-Seußlitz zwischen Riesa und Meißen aufgenommen, so Staatsanwalt Martin Mache. Das Fahrzeug war einen Tag später im sächsischen Blochwitz an der Landesgrenze nahe der brandenburgischen Stadt Ortrand entdeckt worden.
Der 46 Jahre alte Polizist Steffen M. war getötet worden, als er sein Auto nach Dienstschluss in einem Garagenkomplex in Lauchhammer abstellen wollte. Ob ihm der Täter hier aufgelauert oder er sich von Steffen M. überrascht gefühlt hatte, ist unklar. Die Obduktion der Leiche ergab, dass der Täter den 46-Jährigen durch mehrere Messerstiche und Schläge gegen den Kopf umgebracht hatte.
Die Frau des Opfers hatte ihren Ehemann am Abend gesucht, als dieser nach einiger Zeit nicht in die Wohnung zurückgekehrt war. Vor der Garage bot sich ihr ein schreckliches Bild. Nach Angaben der Polizei deuteten Spuren am Tatort auf eine heftige Auseinandersetzung hin. Steffen M. soll starke Schwellungen im Gesicht gehabt haben. Neben der Ehefrau hinterlässt der Polizeibeamte noch einen 17 Jahre alten Sohn.
„Wir wollen dieses Verbrechen aufklären“, sagte der Brandenburgische Innenminister Rainer Speer (SPD) auf der Pressekonferenz, an der er aufgrund eines Arbeitsbesuches in der Region spontan teilnahm. „Bisher wissen wir nicht, ob der Beamte zufällig getötet wurde oder ob die Tat mit seiner Tätigkeit als Polizist zusammenhängt.“ Steffen M. hatte keine Dienstkleidung getragen, als er getötet wurde. Auf seiner Flucht hatte der Täter einen Unfall mit dem Wagen des Opfers. „Er ist an dem Abend von der Fahrbahn abgekommen und gegen eine Böschung gefahren“, sagte der Leiter der Mordkommission, Peter Augustin. An der Unfallstelle müsse ihm ein Fahrzeug entgegen gekommen sein, dessen Fahrer habe vielleicht etwas bemerkt.
Nach dem Unfall sei der Täter weitergefahren, allerdings habe sich die Fahrertür nicht mehr richtig schließen lassen. Acht Minuten später sei er dann geblitzt worden. „Wer hat den beschädigten Fluchtwagen am Abend des 23. November gesehen“, fragt Augustin die Bevölkerung. Als der Wagen einen Tag später in Blochwitz verlassen vorgefunden wurde, war er deutlich beschädigt. Die hintere Stoßstange, der vordere rechte Nebelscheinwerfer und das Glas des rechten Außenspiegels fehlten.
Nach Angaben des Staatsanwaltes Martin Mache seien bislang mehr als 1000 Hinweise ausgewertet und etwa 130 Anwohner in Lauchhammer-Ost vernommen werden. Zeugen werden dringend gebeten, sich bei der Polizei zu melden.
Der ermordete Familienvater war am 10. Dezember vergangenen Jahres unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in seinem Heimatort Grünewalde bei Lauchhammer beigesetzt worden. Seither hoffen Verwandte, Freunde und Kollegen inbrünstig, dass der Täter gefasst wird. Seit gestern sind die Chancen größer geworden.



