DDR-Vergangenheit

Schwerverbrecher Schmökel erhält SED-Opferrente

Frank Schmökel sitzt in Brandenburg/Havel wegen Sexualverbrechen und der Tötung eines Rentners im Gefängnis. Und er bezieht eine Rente für Opfer des SED-Regimes in der DDR. Er war wegen "versuchter Republikflucht" verurteilt worden und wird jetzt dafür entschädigt. Die zuständige Justizministerin ist empört und will die Zahlungen stoppen.

Foto: picture-alliance/ dpa / ddp_Pool

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Schwerverbrecher Frank Schmökel erhält für seine Haftzeit wegen versuchter Republikflucht aus der DDR eine SED-Opferrente. Das Schweriner Justizministerium bestätigte einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Eine Beschwerde von Mecklenburg-Vorpommerns Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) gegen die Zahlung von monatlich 250 Euro habe das Landgericht Neubrandenburg abgewiesen. Jetzt müsse das Oberlandesgericht Rostock entscheiden, sagte eine Sprecherin. Der 46-jährige Frank Schmökel sitzt im Maßregelvollzug in Brandenburg/Havel. Schmökel sei bereits Mitte der 90er-Jahre wegen der Verurteilung in der DDR rehabilitiert worden, sagte die Sprecherin. Für die zehn Monate Haft in Neubrandenburg erhielt er eine Entschädigung.

Seit 18 Monaten gibt es die Ehrenrente für Opfer des SED-Regimes. Wer aus politischen Gründen mehr als sechs Monate in einem DDR-Gefängnis eingesessen hat, hat Anspruch auf bis zu 250 Euro im Monat. Doch das Land Mecklenburg-Vorpommern stellte die Zahlungen an den Schwerverbrecher Schmökel ein. Justizministerin Uta-Maria Kauder sagte: „Das Land verweigerte ihm die Ehrenrente, weil uns seine kriminellen Taten als Verstoß gegen die Menschlichkeit erschienen.“ Vor dem Sozialgericht klagte Schmökel gegen die Entscheidung und bekam recht.

Meistgesuchter Verbrecher Deutschlands

Im Herbst 2000 hatte Schmökels gewaltsame Flucht bundesweites Aufsehen erregt. Er war zu der Zeit in der Nervenklinik Neuruppin untergebracht. Schmökel hatte am 25. Oktober 2000 bei einem begleiteten Ausgang aus der Klinik seine Mutter in Strausberg besucht. Plötzlich griff er die Pfleger mit einem Messer an. Er stach auf seine Mutter ein und verletzte die Pfleger zum Teil lebensgefährlich. Auf der anschließenden 13-tägigen Flucht, die die bis dahin größte Polizeiaktion in Brandenburg auslöste, erschlug der damals meistgesuchte Verbrecher Deutschlands einen Rentner mit einem Spaten. Der musste sterben, weil Schmökel seine Flucht mit dessen Auto fortsetzen wollte.

Zuvor war Schmökel wegen Sexualverbrechen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Er wurde von der Polizei in Bautzen gestellt. Das Landgericht Frankfurt (O.) verurteilte ihn Ende 2002 zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.