Verbarrikadierte Grundstücke, Mistgabeln zur Abwehr von Anwälten und Polizei - der Streit um den Betrieb privater Kleinkläranlagen hat in Brandenburg groteske Züge angenommen. Auch im 160-Seelen-Dorf Niebel bei Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) war den Wasserbehörden eine naturnahe Kleinkläranlage ein Dorn im Auge. Nun erhält Angela Zimmer für ihr Nutzwasser-Recycling-Projekt den ersten Umweltpreis des Landkreises Potsdam-Mittelmark. Drei Jahre brauchte die 42-Jährige, um ihr Projekt bei Ämtern und der Wasser-Wirtschaftsgesellschaft "Nieplitztal" (WWN) durchzuboxen. "Hätte ich geahnt, was auf mich zukommt, hätte ich es vielleicht gelassen", sagt die Mutter von zwei Söhnen heute.
Auf Angela Zimmers Grundstück, einem 1882 als Vierseithof erbautes Ensemble, wächst Schilf. Besucher vermuten dahinter nicht unbedingt eine Schmutzwassereinigungsanlage. 2001 beantragten die Zimmers die 6500 Euro teure Pflanzenkläranlage, die die Wasserbehörde 2002 genehmigte. In Folge der Eingemeindung Niebels nach Treuenbrietzen übernahm die dort ansässige Wasser-Wirtschaftsgesellschaft, die im Auftrag des Wasser- und Abwasserzweckverbandes "Nieplitztal" agiert, die Zuständigkeit. "Damit begann der Ärger. Der Verband verlangte plötzlich Gebühren für gar nicht vorhandenes Abwasser und Schlamm", schildert Zimmer das Vorgehen. Sie klagte dagegen vor dem Verwaltungsgericht Potsdam. 2005 erweiterte die gelernte Kauffrau ihre Kleinkläranlage um einen sogenannten Rottebehälter. Der filtert vom Schmutzwasser abgetrennte Feststoffe. Im gleichen Jahr stellte das brandenburgische Umweltministerium jenen Behälter per Erlass "genehmigungsfrei".
Doch nach Einbau dieser Filterstufe forderte die Untere Wasserbehörde des Kreises den Verschluss der Kleinkläranlage. Begründung: Die Anlage sei anders gebaut als genehmigt. Es folgte eine Anzeige gegen Angela Zimmer beim Kreisumweltamt wegen "nicht rechtskonformer Entsorgung des Abwassers". "Obendrein gab es eine Anzeige beim Veterinäramt, weil ich angeblich mit dem gereinigten Wasser meine Tiere vergiften könne." Doch alle Vorwürfe waren unhaltbar. Die Verfahren wurden eingestellt.
2007 lenkte der Wasserverband ein und befreite die Zimmers für 20 Jahre vom Kanalanschlusszwang bzw. von der Pflicht, Sickergrubenwasser abholen zu lassen. "Mit gesundem Menschenverstand wäre das Verbot einer ökologischen Kläranlage auch nicht zu erklären", so die Kreistagsabgeordnete in Potsdam-Mittelmark Elke Seidel (B90/Die Grünen). Seidels Fraktion hatte Zimmers Recyclinganlage für den Umweltpreis vorgeschlagen.
Zur Auszeichnung gibt es in der Unteren Wasserbehörde nur karge Auskünfte: "In die Entscheidung zur Preisverleihung waren wir nicht eingebunden", heißt es. Bei der Wasser-Wirtschaftsgesellschaft "Nieplitztal" räumt man ein, die Untere Wasserbehörde habe sich nicht mit Ruhm bekleckert: "Das hätte man vermutlich anders lösen können."


