Potsdamer Schlösserstiftung

Sanssouci-Führer müssen Prüfung ablegen

Schluss mit gefährlichem Halbwissen. Bisher konnte jeder, der wollte, Besucher durch die Potsdamer Schlösser und Gärten führen. Doch nun ist Schluss mit dem Laientum. Tourguides müssen eine Prüfung ablegen, bei der sie zeigen müssen, was sie wirklich über Sanssouci, den Alten Fritz und Co. wissen.

Foto: ddp

Bislang sind die Führungen durch das historische Grün der Stiftung Schlösser und Gärten (SPSG) ein Stück gelebter Anarchie: Von der Stiftung zertifizierte Guides, ungeprüfte Reiseleiter und Stadtführer sowie Autodidakten dozieren vor Gästen über das blattgrüne Unesco-Kulturerbe - und tragen vor, was sie für wichtig und richtig halten.

Doch mit der führungslosen Führungskultur soll nun Schluss sein. Wenn die neue Saison im April startet, will die SPSG nur noch den von ihr geschulten und zertifizierten Guides gestatten, über die kulturhistorischen Eigenheiten des von Lenné und anderen berühmten Gartenarchitekten gestalteten Grüns zu referieren. Jährlich soll jeder Parkführer 75 Euro Gebühren entrichten.

"Es geht uns darum, die Qualität eines hochwertigen Führungsangebotes sicherzustellen", sagt SPSG-Sprecher Ulrich Henze. Ihm zufolge haben inhaltlich fragwürdige Parkbegehungen durch unlizensierte Führer überhand genommen. Bislang gab es ein Monopol für zertifizierte Guides nur innerhalb von SPSG-Schlössern. Auch die Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH (TMB), so Henze, bestärke die Stiftung darin, nur noch von ihr zertifizierte Guides zuzulassen.

Der Konflikt um das Nebeneinander der ungleich qualifizierten Freiluft-Dozenten schwelt schon seit einigen Jahren. Doch mit ihrem verbindlichen Beschluss löst die SPSG nun heftig widerstreitende Reaktionen aus.

Der Potsdamer Stadttouristik-Unternehmer Hagen Wolff kommentiert die neue Auflage mit einem drastischen Schimpfwort und sagt dann: "Unsere Stadtführer sind auch ausgebildet, auch wenn nicht jeder zertifiziert ist." Er sieht in der neuen Auflage vor allem eine finanzielle Hürde, die die Stiftung ihm und anderen in den Weg legt. Wolff will nun erst einmal "abwarten, was passiert".

Tatsächlich werden künftig alle, die Besucher offiziell führen wollen, die bereits seit längerem angebotene Weiterbildung mit Zertifikat und Lizenz nicht nur mit persönlichem Lernfleiß bezahlen müssen, sondern auch mit barem Geld.

Büffeln und blechen müssen die Kursteilnehmer dabei für jedes Grünensemble gesondert: Pro Park kostet es 75 Euro, sich die eigene Kompetenz in der Präsentation der Gartenkunst bescheinigen zu lassen. Jedes Jahr wird der Betrag wieder fällig, ohne dass die Stiftung eine neue Prüfung verlangt.

Beim Berliner Touristikanbieter Berliner Bären Stadtrundfahrt GmbH (BBS) gehören Potsdam-Visiten zum festen Angebotskatalog. Doch Auswirkungen hat die neue SPSG-Norm auf das Unternehmen nicht. "Bei unseren Touren sind immer Schlossbesichtigungen dabei, wo ja jetzt schon nur die zertifizierten Guides arbeiten. Daher sind wir nicht betroffen", sagt BBS-Geschäftsführer Hans-Jörg Schulze.

Doch Gedanken macht er sich trotzdem: "Einerseits darf die neue Lizenzregelung nicht zur Gelddruckmaschine für die Stiftung werden. Andererseits spricht grundsätzlich nichts dagegen, einen gewissen Qualitätsstandard zu sichern." Denn wenn die Gäste mit Halbwissen oder falschen Information versorgt würden, wäre das eine schlechte Werbung für die ganze Branche. Vermutungen der Kritiker, wonach sich die chronisch unterfinanzierte SPSG an den Gebühren gesund stoßen könnte, weist Stiftungssprecher Henze von sich: "Die Einnahmen sind nicht nennenswert", sagt er. Etwa 150 Interessenten zahlten 2008, um zum zertifizierten Zirkel zu gehören.

Tatsächlich ist es so, dass die organisierten Guides offenbar meist gern bereit sind, sich von der Stiftung für Geld schulen und prüfen zu lassen. Der örtliche Berufsverein "Potsdam Guide e.V." jedenfalls begrüßt die Initiative der SPSG. "Das ist uns nur recht. Damit wird vermieden, dass Auswärtige, die keine Ahnung von der Materie haben, in unserem Revier wildern", sagt Regina Ebert vom "Potsdam Guide e.V".

Schon vor dem Beschluss der Stiftung haben die "Potsdam Guides" eng mit der SPSG kooperiert. Jeden Monat machen die Mitglieder Ebert zufolge mindestens zwei Weiterbildungen, einen Großteil davon bei der Stiftung. "Wir bringen uns ständig auf den neuesten Forschungsstand, sodass es auch in Ordnung ist, wenn die jährlichen Lizenzgebühren ohne Wiederholungsprüfung erhoben werden", sagt Regina Ebert. Überdies hat der Verein mit der Stiftung eigene Konditionen für Weiterbildung und Lizenzen ausgehandelt. Die Potsdamer Industrie- und Handelskammer kooperiert mit der Stiftung. Wer sich bei der Kammer qualifiziert, kann von Sonderbedingungen der Kooperation profitieren.

Juristisch hat die Stiftung keine Bedenken. "Wir berufen uns auf drei europäische Gerichtsurteile von 1991, die Monumente und Museen ausdrücklich ausnehmen von der Regel, wonach Reiseführer überall in Europa uneingeschränkt ihrer Tätigkeit nachgehen können", sagt SPSG-Sprecher Henze. Zudem sei Gewerbe im Park untersagt.

Um ihren neuen Standard durchzusetzen, will die Stiftung Kontrollen vornehmen. Doch hier sehen Kritiker wie Befürworter den Schwachpunkt. BBS-Chef Schulze: "Die Parks sind riesig. Kontrollen dürften mehr als schwierig sein."