Morgenpost Online: Herr Schönbohm, der Landesvorstand hat vorgeschlagen, Sie auf dem Parteitag am 17. Januar zum Ehrenvorsitzenden der CDU zu ernennen. Wollen Sie das überhaupt – Ehrenvorsitzender dieser zerstrittenen Union sein?

Jörg Schönbohm: Wieso zerstritten? Ich bin optimistisch, dass die Partei ihre schwierigsten Zeiten hinter sich hat. Ich habe meinen Frieden mit der CDU Brandenburg geschlossen. Und wenn diese ihn auch mit mir gemacht hat und mir den Ehrenvorsitz übertragen möchte, werde ich diesen gern annehmen.

Morgenpost Online: Der Umgang hat sich seit Ihrem Rückzug als Parteichef nicht gebessert. Ihr Nachfolger Junghanns ist zurückgetreten, Parteichefin Wanka hat sich komplett vom Lager um Parteivize Petke abhängig gemacht.

Jörg Schönbohm: Das ist Quatsch. Das kann man vom Ergebnis der Liste nicht ableiten. Es gibt keine Lager mehr. Die CDU ist auf dem Weg der Erholung. Wenn wir zusammenrücken, werden wir einen erfolgreichen Landtagswahlkampf erleben.

Morgenpost Online: Wie passt die Demontage von Fraktionschef Thomas Lunacek in das angebliche Bild der Geschlossenheit ?

Jörg Schönbohm: Das ist ein Wermutstropfen. Ich halte es für falsch, einem so verdienten Mann keinen aussichtsreichen Listenplatz mehr zu geben. Er hat sich jahrelang in führenden Ämtern engagiert. Aber leider war seine Kandidatur auf einem vorderen Platz nicht mehrheitsfähig – und in Parteien entscheiden die Mehrheiten. Sein Beschluss, dann gar nicht auf der Liste anzutreten, verdient Hochachtung.

Morgenpost Online: Rechnen Sie damit, dass Lunacek ohne Vorstandsvotum antritt?

Jörg Schönbohm: Ich weiß es nicht. Und will ihm da auch öffentlich keinen Rat geben.

Morgenpost Online: Die besten Plätze auf der Liste gingen an Petke-Unterstützer.

Jörg Schönbohm: Das sehe ich nicht so. Johanna Wanka und Roswitha Schier sind zum Beispiel auf Platz 1 und 3. Mit dieser Liste gehen wir ausbaufähig in den Landtagswahlkampf.

Morgenpost Online: Sie werden im September das Amt als Innenminister abgeben und kandidieren nicht mehr für den Landtag. Haben Sie genug von der Politik?

Jörg Schönbohm: Ich war lange General, vier Jahre Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, drei Jahre Innensenator in Berlin und bin im Herbst zehn Jahre Innenminister in Brandenburg. Sie sprechen mit einem entspannten Menschen, der vergnüglich auf den nächsten Lebensabschnitt sieht. Ein Höhepunkt wird meine Goldene Hochzeit am 30. Dezember sein. Und was die CDU betrifft, so habe ich Johanna Wanka angeboten, weiter für die Partei da zu sein. Ich werde sie unterstützen, wo ich nur kann.

Das Gespräch führte Gudrun Mallwitz