Das Areal der ehemaligen FDJ-Hochschule am Bogensee (Brandenburg) umfasst gut 110.000 Quadratmeter und zahlreiche Gebäude. In dem jetzt gestarteten Verkaufsverfahren haben potenzielle Investoren die Gelegenheit, bis zum 16. Januar 2009 ihr Interesse zu bekunden. Das eigentliche Bieterverfahren ist dann für die zweite Hälfte des kommenden Jahres geplant. Zum Verkauf stehen drei Kernbereiche des Geländes: Der erste umfasst die denkmalgeschützten Gebäude der ehemaligen FDJ-Hochschule (Grundstück: 70.000 Quadratmeter), der zweite die alten Technikgebäude (Grundstück: 23.000 Quadratmeter) und der dritte eine dauerhaft genutzte Siedlung mit rund 80 Plattenbauwohnungen (Grundstück: 17.000 Quadratmeter).

Geschenk an den Propagandachef

Die wechselhafte Geschichte des Areals am Bogensee lässt sich auch an den Gebäuden ablesen. 1936 hatte das Land Berlin Hitlers Propagandachef das idyllische, insgesamt 46 Hektar große Waldareal am Bogensee, das lediglich mit einem kleinen Blockhaus bebaut war, zum Geschenk gemacht. Doch Goebbels war das nicht genug. 1939 entstand ein neues Wohnhaus mit 30 Zimmern, dazu noch ein Gebäudetrakt für Gäste und Wachschutz. Wenige Tage vor der Kapitulation besetzten Rotarmisten das Gelände. Nach deren Abzug übernahm die FDJ das Areal. Angrenzend an die Goebbels-Villa entstand dort von 1946 an die Jugendhochschule "Wilhelm Pieck", die in den fünfziger Jahren im stalinistischen Baustil erweitert wurde.

Nach der Wiedervereinigung fiel das gesamte Areal wieder an das Land Berlin zurück, die Jugendhochschule wurde 1990 aufgelöst. Von 1991 bis Ende 1999 wurde in dem riesigen Waldgebiet durch den gemeinnützigen Internationalen Bund für Sozialarbeit der - allerdings defizitäre - Betrieb aufrechterhalten. Seitdem stehen die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude mit insgesamt 43 000 Quadratmetern Nutzfläche leer. Für Berlins bekanntlich leere Stadtkasse eine erhebliche Last: Laut Auskunft der Senatsverwaltung für Finanzen schlägt die Sicherung der Gebäude jährlich mit mehr als einer Viertelmillion Euro zu Buche.

Internat oder Klinik sind denkbar

Jahrelang suchte das Land deshalb einen neuen, politisch unverdächtigen Nutzer. Um zu verhindern, dass damit auch Goebbels Waldhaus in falsche Hände gerät, hat man sich beim neuen Verkaufsverfahren nun dafür entscheiden, die problematische Immobilie vom Verkauf auszunehmen. Der Landsitz 15 Kilometer vor der Berliner Stadtgrenze soll nach Auskunft des Liegenschaftsfonds "kurz- bis mittelfristig" als Bildungseinrichtung genutzt werden. Damit werde dauerhaft verhindert, dass Rechtsextremisten an die Immobilie gelangten, sagte Irina Däne, Sprecherin des Liegenschaftsfonds.

"Der neue Eigentümer hat weitgehend freie Nutzungsmöglichkeiten für das Areal", sagte die Sprecherin weiter. Lediglich für den Kernbereich mit der Jugendhochschule sei die Zweckbindung "Bildung" mit der Erweiterung "Freizeit und Erholung" vorgeschrieben. Geeignet sei das Areal etwa für Internate, Hotelressorts, Senioreneinrichtungen oder Reha-Kliniken.