Brandenburg bleibt Deutschlands Anbaugebiet Nr. 1 für gentechnisch veränderten Mais. Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit entfallen rund 40 Prozent der bundesweiten Anbaufläche auf die Mark.

„Das ist eine Spitzenrolle, auf die ich nicht stolz bin“, sagt Agrarminister Dietmar Woidke (SPD). Zu groß sei der Imageschaden für das sonst für seinen Ökolandbau so gerühmte Brandenburg, zu groß die Ungewissheit, wie sich Genmais-Anbau auf die Fruchtbarkeit der Böden auswirkt.

„Ich habe Angst, dass wir eine Sortenverarmung durch die Monopolisierung beim Saatgut bekommen“, meint Woidke. Und dies wäre angesichts des Klimawandels fatal. Allerdings, und darauf hinzuweisen werden die Genmais-Bauern nicht müde, wachsen diese Pflanzen nur auf einem Bruchteil der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche. „In Brandenburg sind es gerade einmal 0,1 Prozent“, sagt Jörg Eickmann vom Kreisbauernverband Oberhavel, ein überzeugter Anhänger. Sein Argument für den Anbau: Im gentechnisch veränderten Mais MON 810 ist ein Gift enthalten, das gezielt dem Schädling Maiszünsler – eine Schmetterlingsart – den Garaus machen soll.

Bundesweit 3313 Hektar mit Genmais

Nach Angaben des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit wächst in diesem Jahr bundesweit auf 3313 Hektar sogenannter Bt-Mais (nach dem Bakterium Bacillus thuringiensis), 2007 seien es noch 2685 Hektar gewesen. Von der diesjährigen Anbaufläche entfallen demnach 1378 Hektar (2007: 1347) und damit etwa 40 Prozent auf Brandenburg. Rund 953 Hektar sind es in Sachsen und 752 in Mecklenburg-Vorpommern. Warum wird dagegen in den alten Ländern kaum Genmais angebaut? „In einem Flächenland wie Brandenburg können die Abstandsregelungen zu gentechnikfreien Feldern leichter eingehalten werden“, erläutert der zuständige Referatsleiter im Agrarministerium, Peter Rudolph.

„Außerdem ist es plausibel, dass sich einige Bauern mit großen Flächen für diesen Schritt entscheiden, um weniger Schäden durch den Maiszünsler zu haben.“ Aber: „Einen Nutzen für das Land und die Landwirtschaft insgesamt hat das nicht – es beschädigt nur das Image.“ Um seltene Schmetterlinge und andere Insekten zu schützen, hat Brandenburg – laut Woidke als einziges Bundesland – einen Mindestabstand von 800 Metern zwischen Genmais-Feldern und Naturschutzgebieten festgelegt. Das Gentechnikgesetz des Bundes sieht lediglich Mindestabstände zu konventionellen sowie zu Biomais-Feldern vor.

„Viel schlimmer ist aber die ungeklärte Frage, wie sich der Genmais-Anbau langfristig auf die Humusneubildung auswirkt“, beklagt der Minister. Aus bisherigen Studien ergäben sich Hinweise, dass sich die Fruchtbarkeit der Böden dadurch verschlechtert. „Wir können auch deshalb nur von einem Anbau abraten.“ Wegen möglicher Umweltrisiken war im Frühjahr 2007 ein Handelsverbot für Genmais-Saatgut des US- Konzerns Monsanto ergangen, dies wurde jedoch im vergangenen Dezember vom Bund wieder aufgehoben – Woidke reagierte damals mit Unverständnis.

Genmais-Befürworter Eickmann argumentiert dagegen: „Der Maiszünsler sorgt – je nach Jahr – für Ernteeinbußen von bis zu 40 Prozent und mit dem Anbau von Bt-Mais haben wir dieses Problem nicht.“ Ansonsten sei nur eine chemische Bekämpfung möglich „und dann wären wirklich gleich alle Schmetterlinge tot“.

dpa/sei