Ostprignitz-Ruppin

Erneut Genmais-Fläche in Brandenburg zerstört

Genmais-Gegner haben am Wochenende bei einer Protestaktion in Wildberg bei Neuruppin eine größere Maisfläche zerstört. Die Polizei hatte nach Medienhinweisen am Montag ein Feld mit einem Polizeihubschrauber kontrolliert und war fündig geworden.

Foto: th/top / DDP

Rund 250 Gentechnik-Gegner haben am Sonntag in Wildberg (Ostprignitz-Ruppin) gegen den Anbau von Genmais in der Nähe des Naturschutzgebietes Temnitztal, eines Flora-Fauna-Habitats, protestiert. Knapp 100 Beamte der Landes-, Bereitschafts- und Bundespolizei begleiteten die Demonstration mit Reiterstaffel und Hubschrauber.

Wie die Polizei am Montag in Neuruppin mitteilte, soll am Vorabend in "einer Nachrichtensendung eines Fernsehsenders" von rund 200 Quadratmetern vernichteter Maisflächen berichtet worden sei. Bei der daraufhin eingeleiteten Kontrolle des Feldes mit einem Polizeihubschrauber sei tatsächlich eine zerstörte Fläche von rund 60 Quadratmetern Größe festgestellt worden. Ermittelt werde wegen Sachbeschädigung. Die Schadenshöhe sei noch nicht bekannt.

Große Anbauflächen in Brandenburg

Die Wildberger Agrar-GmbH eines dort ansässigen Landwirtes pflanzt im dritten Jahr in Folge auf zehn Hektar Genmais der Sorte "Mon 810" des amerikanischen Herstellers Monsanto an. Beide Areale befinden sich jedoch innerhalb einer Schutzzone von 800 Metern zu dem Naturschutzgebiet. Das Brandenburger Umweltministerium hatte diesen Abstand im Frühjahr per Erlass mit der Begründung festgelegt, dass Gentechnik und Naturschutzgebiete im Land in Einklang gebracht werden müssten. Zum einen werde in Brandenburg deutschlandweit der meiste Genmais angebaut, zum anderen seien elf Prozent der Landesfläche als Naturschutzgebiete ausgewiesen.

"Die Wildberger Anpflanzung liegt aber nur 300 Meter vom Naturschutzgebiet Temnitztal entfernt. Die Felder sind somit illegal", sagt Thomas Janoschka vom Barnimer Aktionsbündnis gegen Gentechnik. Sein Bündnis hatte zu dem Protestzug in Wildberg aufgerufen.

Die Wildberger Agrar-GmbH hat ihre Felder ganz offiziell beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angemeldet und im Anschluss angepflanzt. "Ich weiß nicht, warum dieser Landwirt hier ungestraft Mon 810 anbauen darf", sagt Thomas Janoschka und fordert Landwirtschaftsminister Dietmar Woidke (SPD) auf einzugreifen. "Die Wildberger Felder müssten so schnell wie möglich abgeerntet werden, damit es hier nicht über die vielschichtige Insektenwelt im FFH-Gebiet Temnitztal zu Auskreuzungen kommt."

Dass der Erlass vom Landwirtschaftsministerium noch nicht angewendet wird, schiebt Thomas Janoschka darauf, dass die Gen-Bauern im Land Brandenburg eine sehr starke Lobby hätten. "Uns Imkern steigt man sofort aufs Dach, wenn etwas nicht mit unserem Honig stimmt", sagt Karin Selbmann aus Neuruppin. "Meine neun Bienenvölker können Genmais nicht von konventionellem Mais unterscheiden. Kommt Mon-810-Pollen in meinen Honig, werde ich sofort lebensmittelrechtlich bestraft."

Biobauern sind besorgt

Peter Masloch aus dem benachbarten Ort Vichel unterstützt Selbmann. "Unsere Biobauern in der Region sind ebenfalls betroffen. Niemanden schert es, ob es zu Schädigungen auf den Biofeldern durch Pollen des Mon 810 kommt."

Der Wildberger Siegfried Naumann sieht es gelassener. "Ich haben 20 Jahre eine Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft geleitet. Darum sage ich, man muss der Wissenschaft auch eine Chance lassen."

Der Chef der Wildberger Agrar-GmbH wollte sich gestern zu den Vorwürfen der Gentechnik-Gegner nicht äußern. Im vergangenen Jahr hatte er den Anbau von Genmais als Möglichkeit gerechtfertigt, gegen den Befall durch den Schädling Maiszünsler vorzugehen.

In Brandenburg wird in diesem Jahr weniger Genmais angebaut, als ursprünglich beantragt worden war. Wie das Umweltministerium mitteilte, wurden im Frühjahr 2000 Hektar angemeldet. Für rund 600 Hektar seien die Anbauanträge jedoch wieder zurückgezogen worden.

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