Potsdam

Rettung für die Friedenskirche naht – mit prominenter Hilfe

Bundesweit wird um Spenden für die Postdamer Friedenskirche geworben - auch mit Hohenzollern-Chef Georg Friederich Ferdinand von Preußen. Der Investitionsbedarf liegt bei 6,5 Millionen Euro.

Foto: dpa/Jens Kalaene / pa

– Die Potsdamer sind stolz auf sie. Die Touristen bestaunen sie. Die Kirchenmitglieder lieben sie: Die Potsdamer Friedenskirche. In dem Gotteshaus führte Hohenzollern-Chef Georg Friedrich seine Braut Sophie von Isenburg im Sommer 2011 zum Traualtar. Romantisch anmutend liegt die Säulenbasilika gleich hinter dem Grünen Gitter am Eingang zum Park Sanssouci. Vor 170 Jahren ließ der architekturbegeisterte und fromme Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. sie durch seinen Hofarchitekten Ludwig Persius entwerfen und von Hesse und Stüler erbauen – nach römischem Vorbild. Heute gehört die Friedenskirche zum Unesco-Weltkulturerbe. Längst aber trügt der schöne Schein. Die Vorzeigekirche der Hohenzollern im Park Sanssouci ist stark sanierungsbedürftig. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz startet deshalb zu ihrer Rettung eine bundesweite Spendenkampagne. Gemeinsam mit dem Gemeinde-Bauverein und der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten.

Auftakt der groß angelegten Aktion soll am kommenden Dienstag in Potsdam sein. Als prominente Botschafter werden der Chef des Hauses Hohenzollern, Georg Friedrich Ferdinand Prinz von Preußen, die SPD-Landtagsabgeordnete Klara Geywitz und das Gemeindemitglied Ursula Weyrauch für das Anliegen werben. Seit 1985 hat die in Bonn ansässige Deutsche Stiftung Denkmalschutz aus Spenden und Lotto-Mitteln bundesweit eine halbe Milliarde für mehr als 4700 bedrohte Baudenkmale bereitgestellt. Allein in Potsdam förderte die Stiftung bereits über 50 Denkmäler, zuletzt wurden die Kolonnaden an der Glienicker Brücke wieder hergestellt. Die Liebhaber der Friedenskirche können also durchaus darauf hoffen, dass der Durchbruch für ihre Rettung endlich bevorsteht.

Einer von denen, die sich leidenschaftlich für das gefährdete Bauwerk einsetzen, ist Horst-Dieter Weyrauch vom Bauverein der Gemeinde. Der Wahl-Potsdamer und seine Frau engagieren sich seit Jahren für ihren Erhalt. „Der Investitionsbedarf liegt bei rund 6,5 Millionen Euro“, sagt Weyrauch. „Es wäre schon toll, wenn bei der Spendenkampagne wenigstens eine halbe Million Euro zusammen kämen“. Denn Land und Bund fördern das Vorhaben nur, wenn die Gemeinde einen zehnprozentigen Eigenanteil für die Sanierung erbringen kann.

Vor wenigen Tagen haben Vertreter der Schlösserstiftung als Eigentümerin der Kirche, des Landesamt für Denkmalschutz und der Bauverein bei einem Vor-Ort-Termin die Schwerpunkte der nötigsten Arbeiten festgelegt: Das kaputte Dach über den Seitenschiffen, die Aspis und die Sanierung des 42 Meter hohen Glockenturms. Weyrauch zeigt zuerst auf die halbkreisförmige Apsis und man merkt sofort die Begeisterung. Denn das Gewölbe über dem Altar schmückt ein Mosaik in leuchtendem Gold. Es stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und zeigt den segnenden Jesus mit dem Buch des Lebens und zu beiden Seiten Maria und Johannes den Täufer in fürbittender Geste. Dazu Petrus – und den Märtyrer Ciprianus. Er ist der Namenspatron der Kirche auf Murano bei Venedig.

Das kunstvolle Mosaik, dessen Untergrund mittlerweile dringend erneuert werden muss, stammt aus der Kirche „San Cipriano“. Sie wurde damals abgetragen. Der Preußische Kronprinz Friedrich- Wilhelm IV. erwarb das venezianische Kunstwerk 1836 und ließ es in Einzelteilen übers Wasser nach Potsdam transportieren. „Die Mosaiksteinchen müssen von innen gesichert werden, die eisernen Verbindungen der hölzernen Tragekonstruktion dahinter hat der Rost zerfressen“, erklärt Horst-Dieter Weyrauch. Der frühere Geschäftsführer der Friedenskirchengemeinde ist von Hause aus Diplom-Ingenieur.

Sein Blick geht weiter hoch zu den Seitendächern aus Wellzink. Sie sind undicht. „Wir müssen Eimer aufstellen, um das Wasser an Regentagen aufzufangen“, sagt Weyrauch. „Beim Aufgang zur Orgel kommt Nässe durch und schädigt das Mauerwerk.“ Anfang der 1990er Jahre hatte man begonnen, das Dach des Mittelschiffes zu sanieren. Doch es blieb bei den nötigsten Sicherungsarbeiten. Der Beton hinter der mit goldenen Sternen auf blauem Grund verzierten Holzdecke ist porös. Und dann ist da noch das Sorgenkind „Glockenturm“. Er ist eine Kopie des Campanile von Santa Maria di Cosmedin in Rom. Schwingungsmessungen haben ergeben, dass eine Begehung untersagt werden muss. Vor allem das innere Tragwerk gehört denkmalgerecht erneuert.

Keine Konkurrenz zur Sanierung der Garnisonkirche

„Die vier Bronzeglocken verkünden gemäß ihrer biblischen Inschriften, den Frieden in Christus“, wie der Potsdamer Historiker Andreas Kitschke in seiner Hochglanz-Broschüre über die Friedenskirche zu Potsdam-Sanssouci schreibt. „Die Glocken sind in beiden Weltkriegen abgenommen worden und sollten eingeschmolzen werden“, ergänzt Kitschke im Gespräch mit der Berliner Morgenpost . „Doch sie kehrten alle zurück und sind daher als vierstimmiges Bronzegeläut komplett erhalten.“

Zusammen mit Horst-Dieter Weyrauch wirbt Andreas Kitschke als Mitglied des Bauvereins nicht nur um Spenden für die Friedenskirche. Beide engagieren sich auch für den umstrittenen Wiederaufbau der Garnisonkirche. Und beide betonen, dass beide Vorhaben nicht miteinander konkurrieren. Auch für die Garnisonkirche läuft ein bundesweiter Spendenaufruf der Stiftung für den Wiederaufbau unter Altbischof Wolfgang Huber.

„Das sind zwei Paar Schuhe“, sagt Horst Dieter Weyrauch. „Der Aufbau der Garnisonkirche ist wegen ihrer geplanten Funktion als Versöhnungszentrum politisch eminent wichtig, bei der Friedenskirche geht es um vor allem um den Denkmalschutz.“

Er zeigt auf den Steinboden der Kirche. „Es wäre noch vieles mehr instand zusetzen.“ Der aus Rom stammende, antike Marmorboden hat sichtbar Risse. Die Feuchtigkeit zersetzt den Mörtel. Die wertvollen Fliesen fangen an zu bröckeln.

Die Kirche mit ihrem romantischen Flair ist zwar in Besitz der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, doch der fehlt nach Aussagen von Schlösserchef Hartmut Dorgerloh bislang das Geld für die Sanierung. Zu viel müsse an den zahlreichen berühmten Bauwerken in der Stadt gemacht werden.