„Bridge of Spies“

Sanierung der Glienicker Brücke - Spielberg muss warten

Erst kommt die Schönheitskur für die Kolonnaden, dann dreht Steven Spielberg seinen Agentenfilm auf der „Bridge of Spies“. Die Hauptrolle übernimmt ein Hollywood-Star, der schon oft in Berlin war.

Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Manuel Jiménez aus Bilbao hat schon einiges erlebt auf seiner Deutschland-Bustour. Er weiß jetzt, wie das Bier in München schmeckt, in welchen Glaspalästen die Banker in Frankfurt am Main residieren – und dass die Kuckucksuhr im Schwarzwald erfunden wurde. Das Brandenburger Tor in Berlin hat er auch schon gesehen. Jetzt steht er auf der Glienicker Brücke.

Höchstens fünf Minuten bleiben ihm und der spanischen Reisegruppe, um sich dort von einem Hauch Abenteuer umwehen zu lassen. „The Bridge of Spies“, das ist für Manuel schon ein besonderer Ort, wie er sagt. „Ein Ort mit vielen spannenden Geschichten.“

Am 10. November werden es 25 Jahre, dass die Glienicker Brücke wieder begehbar ist – und sich am Tag nach dem Mauerfall Potsdamer und Berliner aus Freude über die überwundene Teilung in den Armen lagen. Die Stadt nimmt das Jubiläum zum Anlass, die neubarocken Sandstein-Kolonnaden am südlichen Ufer zu restaurieren. Die Arbeiten durch eine Dresdner Fachfirma haben Anfang Juni begonnen.

Rost lässt Stahl aufquellen

„Wir wollen im Oktober fertig werden“, sagt Thomas Schenke von der Stadtverwaltung Potsdam. Die südlichen und nördlichen Kolonnaden waren mit dem Bau der Brücke 1907 auf der Potsdamer Seite errichtet worden. Die Restaurierung sei dringend notwendig. „Der beim Bau der Kolonnaden verwendete Sandstein hat sich als äußerst gutes Baumaterial erwiesen, aber die Stahlstifte im Inneren haben angefangen zu rosten“, schildert Schenke das Problem.

Der Rost ließ den Stahl aufquellen, er drohe den Stein nun zu sprengen. Es bildeten sich Risse, Teile platzten ab. Die Standsicherheit wäre nicht mehr lange gewährleistet gewesen. „Die Firma zerlegt nun alle Teile, baut die Gesimse und die Säulen ab“, erläutert er. Der alte Stahlkern werde durch Edelstahl ersetzt. Der dunkelgraue Stein soll gereinigt werden.

Geld von der Stadt und der Stiftung

Knapp eine Million Euro kostet die Sanierung. Die Hälfte der Summe ist bisher zusammengekommen. Eine einzelne Pylone, eine Stele, neben der Villa Schöningen ist bereits restauriert worden, vor zwei Jahren. „Sobald das Geld da ist, werden wir auch die Nord-Kolonnaden herrichten lassen“, sagt Schenke, der den Bereich Grün- und Verkehrsflächen leitet. Das Geld kommt von der Stadt – und von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Der Potsdamer Außenstellen-Leiterin Heidi Gerber zufolge hat die Stadt anlässlich des bevorstehenden Jubiläums im November eine Förderung bei der Stiftung beantragt. „Da es sich bei der Glienicker Brücke um ein bauliches und politisches Denkmal handelt, unterstützen wir die Restaurierung der Kolonnaden gerne“, sagt Heidi Gerber. Die Stiftung startete im Mai 2011 einen Spendenaufruf – und das Potsdamer Kuratorium sammelte über 70.000 Euro. Von einem Teil des Geldes wurde die Pylone restauriert.

An der derzeitigen rund 400.000 Euro teuren Restaurierung der südlichen Kolonnaden beteiligt sich die Stiftung mit 50.000 Euro. „Wir hoffen nun auf weitere Spenden“, sagt Heidi Gerber, „für den nördlichen Säulengang.“ Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat in Potsdam seit 1990 über 60 Denkmale gefördert mit knapp sieben Millionen Euro gefördert. In diesem Jahr beispielsweise das Treppenhaus in der großen Stadtschule an der Friedrich-Ebert-Straße mit rund 10.000 Euro.

Seit 1990 Unesco-Weltkulturerbe

Die Glienicker Brücke gehört seit 1990 zum Unesco-Weltkulturerbe. Sie war ab Juli 1953 gesperrt, konnte nur mit Sondergenehmigung passiert werden. Zwischen 1962 und 1986 war sie dreimal Schauplatz eines Agenten-Austauschs. Die wohl spektakulärste Aktion will Hollywood-Regisseur Steven Spielberg verfilmen, mit Oscar-Preisträger Tom Hanks in der Hauptrolle.

In den Morgenstunden des 10. Februar 1962 wechselten der CIA-Spion und Air-Force-Pilot Francis Gary Powers und der KGB-Agent Rudolf Iwanowitsch Abel die Seiten – über den weißen Streifen, der die Grenze zwischen Ost und West auf der Brückenmitte markierte. Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) sagt: „Gedreht werden kann erst, wenn wir mit der Sanierung fertig sind.“

Top-Sehenswürdigkeit in Potsdam

Wie viele Touristen jährlich die Glienicker Brücke besuchen oder sie zumindest überqueren, darüber gibt es keine Zahlen. Potsdam zählte im vergangenen Jahr bis zu 19 Millionen Tagesgäste. Die Sprecherin der Tourismus-Marketing-GmbH Brandenburg, Birgit Kunkel, sagt: „Die Glienicker Brücke gehört nach Sanssouci und Cecilienhof zu den Top-Sehenswürdigkeiten in Potsdam.“

Auch Staatsgäste fasziniert die Geschichte des Bauwerks. Oliver Schmidt, Protokollchef der Landesregierung, sagt: „Die Brücke ist ein weltweit bekanntes Symbol.“ Viele Gäste seien überrascht, wie klein sie ist – nur 146 Meter lang. „In nur 15 Sekunden ist man drübergerollt.“

Staatsgäste über dem Wasser

Selten steigen die hochrangigen Besucher aus. Die meisten wollen dann doch lieber vor Schloss Sanssouci oder Cecilienhof fotografiert werden. Zuletzt hat die Landesregierung auf der Brücke Christian Wulff bei seinem Antrittsbesuch als Bundespräsident im 9. November 2010 begrüßt, am 24. April 2012 den Großherzog Henri von Luxemburg.