Restaurierung

Schloss Babelsberg lässt seine Hüllen fallen

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Helga Labenski

Die Fassaden-Sanierung von Schloss Babelsberg ist weitgehend abgeschlossen. Die Patina bleibt erhalten – eine schwierige Aufgabe, denn das Schloss führt die Handwerker ständig in die Irre.

– Über die dicken Gerüstbohlen tänzeln noch immer die Handwerker. Vor vielen Fenster hocken Tischler und verschließen akribisch mit Kitt kleinste Unregelmäßigkeiten im Holz und übertupfen sie mit Farbe. Seit April 2013 wird die Außenhülle des neogotischen Schlosses Babelsberg instand gesetzt. Am Freitag zog die Stiftung Preußischer Schlösser und Gärten (SPSG) als Hausherr Halbzeitbilanz. „Wir sind im Zeit- und Kostenplan, und das ist eine wirklich gute Nachricht“, sagte Projektleiter Max Daiber. Denn die frühere Sommerresidenz von Kaiser Wilhelm I. und seiner Frau Augusta – heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes – war vor dem Start der Bauarbeiten in schlechtem Zustand. Putz und Mauerfugen bröckelten. Sandsteinteile waren schwarz und der Dachstuhl mit giftigen Chemikalien verseucht.

1833 bis 1835 wurde auf dem Babelsberg nach Plänen des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel ein Sommerschlösschen für Prinz Wilhelm von Preußen errichtet. Seiner Frau Augusta soll Schinkels Entwurf aber zu schlicht gewesen sein. Nach der Krönung ihres Gatten zum Kaiser wurde das Gebäude unter dem Schinkel-Schüler Ludwig Persius und unter Johann Heinrich Strack um einen Bauteil im Burgenstil erweitert.

400 Fenster erneuert

Besondere Herausforderung für Planer und die bis zu 50 an der Restaurierung der Gebäudehülle beteiligten Firmen war denn auch der Materialmix aus Sandstein- und Ziegeln, Sichtmauerwerk und Putz, Holz- und Zinkgussteilen, aus denen der romantisierende Schlossbau besteht. „Vieles, was wie Holz aussieht, ist in Wirklichkeit Zinkguss, und was wie Metall aussieht, ist Holz“ beschreibt Ayhan Ayrilmaz, Leiter eines Sonderinvestitionsprogramms zur Schlössersanierung bei der SPSG, die Besonderheit. Die meisten der rund 400 Eichenholzfenster sind nun aber restauriert und bereits wieder eingesetzt. Auch das Dach wurde erneuert und dekontaminiert.

9,7 Millionen Euro aus dem Sonderinvestitionsprogramm, dem sogenannten Masterplan, wird die Maßnahme kosten. Im Preis enthalten ist auch die Wiederherstellung der fünf prunkvollen Schlossterrassen. Weitere fünf Millionen Euro sind für die Erneuerung des weitverzweigten Bewässerungssystems und der Brunnenanlagen im 114 Hektar großen Schlosspark verplant, die 2016 beginnen soll. Der Bund sowie die Länder Berlin und Brandenburg stellen für den Masterplan der Schlösserstiftung bis 2017 insgesamt rund 155 Millionen zur Verfügung. Schloss Babelsberg gehört zu den nationalen Kulturgütern, die über den Masterplan gerettet werden sollen. „Babelsberg wird aber kein Schloss, das totsaniert wird“, betonte Ayrilmaz. „Die Seele des Hauses, die Patina, bleibt bestehen.“ Teile des ursprünglichen Schinkel-Baus sind bereits von den Gerüsten befreit. Das große Oktogon soll folgen. Ende kommenden Jahres sollen die Fassadenarbeiten auch am Persius-Teil des Ensembles abgeschlossen sein. Dann wird Schloss Babelsberg von außen wieder so aussehen wie zur Kaiserzeit.

Inneres weiter unzugänglich

Bis Besucher allerdings durch die 98 Räume wandeln können, werden noch Jahre vergehen. Denn im Inneren des Schlosses muss die Haustechnik komplett erneuert werden. Heizung und Elektroanlagen müssen ausgetauscht, vor allem aber die einst kaiserlichen Gemächer nach heutigen Standards brandsicher gemacht werden. Derzeit werde überlegt, in einem kleinen Anbau den Besucherempfang mit Garderoben, Toiletten und Shop unterzubringen. „Wir führen Gespräche über die Fortsetzung des Projekts aus Mitteln des Masterplans“, so Ayhan Ayrilmaz. Bis zu 35 Millionen Euro, so schätzt er, werde die Innensanierung des Preußenschlosses kosten.

Bis 2020 könnte es dauern, bis im Schloss wieder ein ständiger Museumsbetrieb möglich ist. Die Stiftung werde sich bis dahin um Teilöffnungen bemühen, sei aber abhängig von den Genehmigungsbehörden, sagte Sprecherin Elvira Kühn. So gebe es Überlegungen, im Schloss zeitweilig eine Pückler-Ausstellung zu zeigen. Fürst von Pückler-Muskau und Joseph Lenné hatten den weitläufigen Schlosspark Babelsberg mit grandioser Aussicht auf die Havelseen und Glienicker Brücke im Stil eines englischen Landhausgartens gestaltet.