Ludwigsfelde

Ex-Bürgermeister Scholl muss lebenslang in Haft

Nach dem Mord an seiner Frau hat der Bundesgerichtshof das Urteil gegen den 71 Jahre alten Heinrich Scholl bestätigt. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er das Gefängnis nicht mehr lebend verlässt.

Es gab nur eine geringe Hoffnung für den einstiegen Brandenburger Kommunalpolitiker Heinrich Scholl, eine lebenslange Freiheitsstrafe noch abzuwenden. Seit Freitag ist auch die zunichte. Der ehemalige Bürgermeister von Ludwigsfelde (Teltow-Fläming) war im Mai 2013 wegen Mordes an seiner Ehefrau verurteilt worden.

Jetzt hat der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Revision des 71-Jährigen gegen das Urteil des Landgerichts Potsdam als unbegründet verworfen. Das teilte die Staatsanwaltschaft Potsdam am Freitag mit.

Damit ist das Urteil gegen Scholl, der bis zuletzt seine Unschuld beteuert hatte, rechtskräftig, weitere Rechtsmittel sind nicht mehr möglich. Bislang saß Scholl trotz erstinstanzlicher Verurteilung noch in Untersuchungshaft, in den kommenden Tagen soll er in eine Justizvollzugsanstalt verlegt werden, wohin ist allerdings noch unklar.

Ein starkes Motiv

Dem Urteil des Landgericht Potsdam war ein sieben Monate lang dauerndes, von einem großen Medienaufgebot verfolgtes Verfahren vorausgegangen. An insgesamt 31 Verhandlungstagen hörte das Gericht mehr als 100 Zeugen und sieben Sachverständige. Am Ende konnte die Staatsanwaltschaft die Schwurgerichtskammer mit ihrer dichten Indizienkette überzeugen.

Scholl hatte für die Tatzeit kein Alibi aber ein starkes Motiv. Zudem waren am Fundort der Leiche seiner Ehefrau Brigitte (67) DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden und mehrere Zeugen hatten ihn zur ermittelten Tatzeit in der Nähe des Waldstückes gesehen, in dem Brigitte Scholl am 30. Dezember 2011 erdrosselt, nahezu unbekleidet und notdürftig mit Laub überdeckt gefunden wurde.

Es war der Angeklagte selbst, der die Leiche fand. Am Tag zuvor hatte er seine Ehefrau als vermisst gemeldet, war von der Polizei zunächst vertröstet worden und hatte sich dann mit zwei Bekannten selbst auf die Suche nach der Verschwundenen gemacht. Er fand sie in einem Waldstück nahe des Hauses der Familie. Vier Wochen später wurde Scholl unter dringendem Tatverdacht festgenommen.

Eine andere Seite des Angeklagten

Der Prozess war nicht nur in der Region sondern teilweise deutschlandweit mit großer Aufmerksamkeit verfolgt worden. Nur selten ist einem Kommunalpolitiker außerhalb seiner Heimat soviel Aufmerksamkeit zuteil geworden. Scholl hatte bis 2008 als Bürgermeister 18 Jahre lang die Geschicke der Stadt gelenkt. Er galt als engagierter Kommunalpolitiker, war beliebt und als „Macher“ hoch angesehen.

Der im Oktober 2012 begonnene Prozess förderte dann allerdings auch eine andere Seite des Angeklagten zutage. Die Öffentlichkeit erfuhr plötzlich sehr private und auch pikante Details über den Privatmann Scholl.

In der Ehe führte Ehefrau Brigitte das Kommando, der Ehemann litt unter dem Regiment seiner Frau und war nach Aussagen vieler Zeugen in der Verhandlung vor allem aufgrund seiner Körpergröße von 1,60 Meter fortwährenden Demütigungen durch seine Frau ausgesetzt.

Nach seinem Ausscheiden aus der Kommunalpolitik trennte sich der Angeklagte von seiner Frau und bezog mit seiner thailändischen Geliebten eine Wohnung in Berlin. Von der Geliebten hat sich Scholl bereits vor Jahren wieder getrennt, vieles an dieser Beziehung blieb ohnehin rätselhaft. Die Ehe Scholls mit seinem späteren Opfer hingegen bestand zumindest auf dem Papier weiter fort. In den ständigen Demütigungen, die ihm seine Frau bisweilen auch in der Öffentlichkeit zufügte, sahen die Richter ebenso wie die Staatsanwaltschaft das Motiv für die Tat. Die Verteidigung hingegen äußerte bis zuletzt Zweifel an der Täterschaft, hielt insbesondere die Aussagen etlicher Belastungszeugen für unglaubwürdig.

Widersprüchliche Aussagen

Mehrere Zeugen, die Scholl zur Tatzeit am Tatort gesehen haben wollen, verstrickten sich bei der Befragung in der Verhandlung in Widersprüche. Die Verteidigung machte deshalb „begründete Zweifel“ geltend, fand damit aber kein Gehör. Das Landgericht zeigte sich am Ende überzeugt, dass der Angeklagte die Tat begangen hat. Dieser Auffassung schloss sich jetzt auch der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes an.

Wird ein 71-Jähriger zu lebenslanger Freiheitsstrafe verurteilt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er das Gefängnis nicht mehr lebend verlässt. Dieses Schicksal droht jetzt auch Heinrich Scholl. Über eine Reststrafaussetzung zur Bewährung wird frühestens nach 15 Jahren entschieden. Die einzigen Möglichkeiten für Scholl, noch zu Lebzeiten auf freien Fuß zu kommen, wäre eine gesundheitsbedingte Haftentlassung oder eine Begnadigung durch den Bundespräsidenten oder durch Brandenburgs Ministerpräsidenten.

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