Vier Monate nach seiner Verhaftung ist nun Anklage gegen den sogenannten Maskenmann von Storkow erhoben worden. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) habe eine rund 220 Seiten starke Anklageschrift gegen Mario K. vorgelegt, bestätigte der Sprecher des zuständigen Landgerichts, Peter Körner, der Berliner Morgenpost. Die Anklageschrift sei bereits am 16. Januar eingegangen.
Der Dachdecker aus aus Berlin-Marzahn war Mitte September von einem Spezialeinsatzkommando (SEK) der Brandenburger Polizei in einem Berliner Einkaufszentrum gefasst worden. Er soll mehrere Überfälle auf eine Berliner Unternehmerfamilie verübt und einen Investmentbanker auf eine Schilfinsel verschleppt haben.
Zu den Vorwürfen hat sich der 46-Jährige bisher nicht eingelassen, der Beschuldigte schweigt seit seiner Verhaftung. Gegen ihn wurde wegen dreifachen versuchten Totschlags und erpresserischen Menschenraubs ermittelt.
Investmentbanker mit Kanu auf Schilfinsel entführt
Ihm wird vorgeworfen, im Sommer 2011 die Frau eines Berliner Unternehmers in Bad Saarow (Oder-Spree) brutal zusammengeschlagen zu haben. Im Herbst fielen Schüsse auf die Tochter der Familie. Dabei erlitt ein Wachmann lebensgefährliche Verletzungen. Die junge Frau konnte weglaufen.
Ein Jahr später schlug der Täter im benachbarten Storkow erneut zu. Wieder verbarg er sein Gesicht hinter einer schwarzen Maske. Im Oktober 2012 soll er die Familie eines Investmentbankers in ihrer Villa am See überfallen und den Mann mit einem Kanu zu einer Insel im Großen Storkower See entführt haben. Nach qualvollen Stunden unter freien Himmel konnte sich das Opfer zwei Tage später selbst befreien.
Wie ein Einsiedler in den Wäldern um Berlin
In allen Fällen fielen Schüsse. Ein Gutachten gab damals schnell Aufschluss: Die Schüsse wurden aus derselben Pistole abgefeuert. Doch eine heiße Spur fehlte den Ermittlern monatelang. Der Täter schien wie vom Erdboden verschluckt. Im vergangenen Frühjahr kamen die Beamten einem Verdächtigen auf die Schliche. Sie observierten ihn lange, ehe sie Mario K. festnahmen.
Zuletzt er wie ein Einsiedler in Wäldern um Berlin gelebt haben. Entlang der B1/B5 in den Orten Dahlwitz-Hoppegarten, Schöneiche, Rüdersdorf sowie im Bereich Erkner/Fangschleuse hatte er sich mehrere Lager eingerichtet. Unterwegs war er mit einem Fahrrad. Er löste sein Konto auf, zahlte bei Einkäufen immer bar, um keine Spuren zu hinterlassen.
Nur wenige konkrete Hinweise
Mario K. ist bereits vorbestraft. 2004 zündete er mehrere Yachten in Köpenick an. 2005 wurde er wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Diebstahls vom Landgericht Berlin zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt.
Bis zu einer erneuten Verurteilung könnte es nun dauern. Bei ihrer Anklage stützen sich die Strafverfolger offenbar hauptsächlich auf Indizien. Nicht nur der Beschuldigte schweigt seit seiner Verhaftung, auch bei der Polizei gingen - zumindest bis Dezember - nur wenige Hinweise ein.
BM



