Entführung

Fall Storkow - Der „Maskenmann“ ist bereits vorbestraft

Er war maskiert, äußerst brutal und geldgierig: Der mutmaßliche Attentäter und Entführer von Mitgliedern zweier Berliner Millionärsfamilien ist gefasst worden. Er ist wie seine Opfer Berliner.

Zwei der spektakulärsten und rätselhaftesten Kriminalfälle in Berlin-Brandenburg stehen vor der Aufklärung. Der in Berlin-Köpenick festgenommene 46-Jährige ist dringend tatverdächtig, sowohl für die brutale Entführung eines Berliner Investmentbankers in Storkow 2012 als auch für die blutigen Attentate auf die Berliner Millionärsfamilie Pepper im Jahr 2011 verantwortlich zu sein. Das wurde am Mittwoch aus Kreisen der brandenburgischen Polizei bestätigt. Zwei Jahre lang ermittelte die Sonderkommission „Imker“ – benannt nach der auffälligen Maske des Täters – in den beiden Fällen.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei dem Tatverdächtigen um Mario K., ein Berliner Dachdecker aus Marzahn, der 2004 mehrere Yachten in Köpenick angezündet hat. Am Nachmittag erließ das Amtsgericht Frankfurt (Oder) Haftbefehl gegen den Mann.

K. wurde 2005 wegen vorsätzlicher Brandstiftung und Diebstahls vom Landgericht Berlin zu einer Haftstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt. Das Gericht hatte keinen Zweifel, dass der damals 37-Jährige im vergangenen Winter von der Seddinpromenade ein Sportboot gestohlen und in Schmöckwitz drei Yachten in Brand gesteckt hatte. Das Gericht hielt den Angeklagten für schuldig und sprach von einem "regelrechten Beutezug, mit ausgezeichneter Logistik".

Für die Schuld des Angeklagten sprach außerdem, dass er mit seinem selbstgebauten schwarz angestrichenen "Torpedo-Boot" in den Nachtstunden unerkannt die Orte anfahren konnte. Verkleidet mit einem Neoprenanzug und mit geschwärztem Gesicht war der Einsiedler mit seinem Tarnboot der Wasserschutzpolizei im Mai aufgefallen. Er flüchtete auf seine Insel, wo er festgenommen wurde.

Die aus den Booten gestohlenen Gegenstände wurden im Zeltlager des Angeklagten gefunden, darunter das Sportboot. Der gelernte Dachdecker hatte seit längerer Zeit ein Einsiedlerdasein auf einer in den Gosener Wiesen zwischen Müggelsee und Seddinsee gelegenen einsamen Insel geführt.

Angriffe auf Unternehmerfamilie Pepper

Im August 2011 war die Ehefrau der Berliner Unternehmerfamilie Pepper von dem Unbekannten vor ihrem Ferienhaus in Bad Saarow (Oder-Spree) mit einem Knüppel niedergeschlagen und schwer verletzt worden. Zwei Monate später schoss der maskierte Mann auf die Tochter der Familie, die auf einer Koppel mit ihrem Pferd beschäftigt war. Ein Wachmann schützte die junge Frau mit seinem Körper. Er erlitt eine Querschnittslähmung.

Ein Jahr später – am 5. Oktober 2012 – wurde ein damals 51-jähriger Berliner Banker aus seiner Villa in Storkow verschleppt und im Schilf am Großen Storkower See festgehalten. Der maskierte Täter war seinerzeit in das Haus des Opfers eingedrungen und hatte mit einer Pistole in die Decke geschossen. Er zwang die Frau vor den Augen ihres Kindes, den Mann zu fesseln und ihm Augen und Mund zu verkleben. Der bewaffnete Täter zerrte den Mann aus dem Haus und warf ihn in den See. In einem Kajak zog er sein Opfer zu der Schilf-Insel. Der Entführte konnte sich nach zwei Tagen befreien.

Am Dienstagabend hatte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei in Berlin-Köpenick den Verdächtigen festgenommen. Gegen ihn sollte noch am Mittwoch Haftbefehl erlassen werden.

Innenminister: Festnahme ist großer Erfolg

Brandenburgs Innenminister Ralf Holzschuher (SPD) hat die Festnahme des mutmaßlichen Entführers von Storkow als großen Erfolg der Polizei bezeichnet. „Die beharrliche Arbeit der Ermittler in den vergangenen zwei Jahren hat sich ausgezahlt. Jeder, der kriminelle Taten begeht, muss sich im Klaren sein, dass er früher oder später gefasst wird“, sagte Holzschuher am Mittwoch bei einem Besuch der Polizeidirektion Ost in Frankfurt (Oder).