Volkmar Schöneburg war als Minister nicht mehr tragbar, der Rücktritt das einzig Richtige. Er kam schnell und konsequent. Es ist unglaublich: Ein wegen schwerer Gewalttaten verurteilter Verbrecher kann seine Verbindung zum Justizminister eines Landes nutzen, wenn ihm im Gefängnis etwas nicht passt. Er droht anderen Gefangenen mit seinem direkten Draht zum obersten Dienstherrn, setzt so Wärter und andere Bedienstete unter Druck.

Egal, ob der Minister auf die ständigen Anrufe seines früheren Mandanten regiert hat oder nicht – er hätte die Verbindung sofort kappen müssen, als er vor vier Jahren (!) den Amtseid als Justizminister geschworen hat. Offenbar war der Strafverteidiger Schöneburg nicht in seinem neuen Amt angekommen. In den Brandenburger Haftanstalten und im Maßregelvollzug sitzen noch viele seiner ehemaligen Mandanten, auch sie hatten immer noch seine Handynummer. Ein solcher Fall dürfte bundesweit einmalig sein.

Doch damit nicht genug. Er hätte sich niemals einmischen dürfen. Selbst wenn Schöneburg womöglich fachlich sogar richtig entschieden hat, den Häftling nicht unter Zwang in ein anderes Gefängnis verlegen zu lassen, er war als dessen ehemaliger Anwalt befangen. Mittlerweile ist der Häftling trotz seiner Top-Verbindung nun doch in die Haftanstalt Cottbus verlegt worden – und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat nach nur viermonatiger Amtszeit einen seiner Minister verloren. Die Linke sucht verzweifelt nach einem Nachfolger für Volkmar Schöneburg. Der darf nun wieder ganz Anwalt sein.