Als Hartmut Mangold im neuen Potsdamer Landtag im Lift nach oben fährt, flackern die Lichter. „Das war schon kurz ein mulmiges Gefühl, aber zum Glück fuhr der Aufzug weiter“, berichtete der Leiter der Landtagsverwaltung am Freitag erleichtert. Das Notstromaggregat war nach einem Stromausfall sofort angesprungen und hält die wichtigsten Systeme aufrecht.
Die weiß gestrichenen Flure, Sitzungsräume und der Plenarsaal sind ins Dämmerlicht der Notbeleuchtung getaucht. Die Übungs-Plenarsitzung mit Verwaltungsangestellten, bei der kurz vor dem Umzug des Parlaments die Technik und Akustik noch einmal ausgiebig getestet werden sollte, kommt zunächst nicht in Gang.
Immerhin zeigt sich die Notstromversorgung im Ernstfall stabil und auch die Probesitzung kann mit halbstündiger Verspätung beginnen, als der Saft wieder da ist. Im Plenarsaal verbreiten die neuen Möbel noch einen Hauch von Lösungsmittel, doch die Großbildleinwand überträgt das Bild vom Rednerpult einwandfrei.
Gedenkminute für Mandela und eingeplante „Störer“
Regina Dreßler, Mitarbeiterin des Parlamentarischen Dienstes, eröffnet als Double von Landtagspräsident Gunter Fritsch die Sitzung routiniert mit einer Gedenkminute für den verstorbenen Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela. Anschließend ruft sie die ersten Tagesordnungspunkte auf.
Plötzlich werfen Flughafen-Gegner Flugblätter von der Besucherempore und entrollen Transparente. Auch solch ein Störfall ist in der Übungssitzung eingeplant. Der Wachdienst muss die drei Demonstranten von der Empore holen. Anschließend sammeln sie ihre weißen Flugblätter anschließend brav wieder ein.
„Das funktioniert ja alles schon ganz ordentlich“, urteilt der wahre Landtagspräsident Gunter Fritsch, der nur kurz für die Fotografen auf seinem neuen Sessel Platz genommen hatte. „Allerdings sind die Gespräche auf den Besucherrängen doch etwas störend zu hören.“ Sehr zufrieden ist er mit der neuen Anordnung der Tische im Halbrund. „Da habe ich auch die Regierungsmitglieder besser im Blick und kann sie beim Tuscheln ermahnen“, meint Fritsch. Zurücklassen muss er im alten Landtag allerdings seine Handglocke, die er bei allzu stürmischen Sitzungsverlauf zur Beruhigung einsetzen konnte. Denn der Ordnungsruf erschallt jetzt elektronisch per Kopfdruck.
Fremdeln mit dem weißen Adler
Wochenlang hatten Spezialisten an der Technik gefeilt. Nach einigen Probeläufen, unter anderem mit Polizeischülern als Abgeordnete und Besucher, laufe es weitgehend reibungslos, sagt Landtagssprecherin Katrin Rautenberg. Ein Problem war für die Akustikdesigner just der elektronische Ordnungsruf. „Der klang erst wie so ein Pausenton im Kino“, meint Rautenberg. „Jetzt wurde er mehr Richtung Klingelton weiterentwickelt.“
Fritsch fremdelt wie viele Brandenburger noch mit dem weißen Landesadler, der hinter seinem Pult direkt über dem Leuchtschild für den Notausgang hängt. „Man muss sich entscheiden, ob man das Landeswappen an der Wand haben will, oder ein Kunstwerk“, sagte Fritsch. „Mir wäre das Wappen lieber und dann müsste der Adler natürlich rot sein.“ Eine leise Hoffnung hat der Landtagspräsident allerdings: „Bei all dem, was der Adler hier in den Debatten zu hören bekommt, wird er schon vor Scham erröten.“
dpa/mim





