Eine der größten Staufallen im nördlichen Berliner Umland ist Geschichte. In fast zweieinhalb Jahren Bauzeit ist aus dem ehemaligen Autobahndreieck Schwanebeck das neue Autobahnkreuz Barnim geworden. Am Montag gab Brandenburgs Infrastrukturminister Jörg Vogelsänger (SPD) den Knoten offiziell für den Autoverkehr frei. Etwa 57,6 Millionen Euro kostete das größte Bauprojekt der vergangenen Jahre im brandenburgischen Autobahnnetz.
Den größten Teil zahlte der Bund, 20 Millionen Euro steuerte die Europäische Union bei. Der Knotenpunkt zwischen dem Berliner Ring (A10) und der A11 in Richtung Stettin (Szczecin) wurde komplett umgebaut. Auf der A10 rollt der Verkehr nun auf drei Fahrspuren pro Richtung. Die ehemalige Anschlussstelle Berlin-Weißensee verschwand von der Landkarte. Mit der Eingliederung der Bundesstraße B2 wurde aus dem ehemaligen Autobahn-Dreieck ein Kreuz.
Täglich rollen etwa 70.000 Fahrzeuge über die A10 und die A11 bei Schwanebeck. Der größte Teil bleibt auf dem Berliner Ring. Deshalb wurde die Verkehrsführung mit dem Umbau geändert. Die A10 wird nun geradeaus durch den Verkehrsknoten geführt.
Ausbau stellte Planer vor Herausforderungen
Die Verbreiterung der Ring-Autobahn und die Neuordnung des Verkehrs stellte die Planer vor erhebliche Herausforderungen. Insgesamt sieben Brücken wurden neu gebaut, zwei Brücken erneuert und ein altes Kreuzungsbauwerk abgerissen. Fast 1,4 Millionen Kubikmeter Erdreich mussten für den Umbau des Verkehrsknotens bewegt werden. 300.000 Quadratmeter Asphalt und Beton wurden verbaut. Lärm mindernder Asphalt soll die Anwohner der Autobahn entlasten. Auf knapp einem Kilometer Länge entstand außerdem an der nordöstlichen Rampe ein Lärmschutzwall bei Neu Schwanebeck. Zum Gesamtprojekt zählten auch Umweltschutzmaßnahmen. So wurden beispielsweise artgerechte Querungsmöglichkeiten für Otter und Amphibien geschaffen.
Berliner Bär musste umziehen
Ein anderes Tier spielte bei den Planungen ebenfalls eine große Rolle: der Berliner Bär. Zwischen dem Autobahnkreuz und der Abfahrt Bernau-Süd überspannt die sogenannte Bärenbrücke die A11. Das historische Bauwerk ist das letzte seiner Art. Mit dem Bärenrelief bildet es ein symbolisches Einfahrtstor nach Berlin. Mit dem Umbau des Kreuzes musste die Bärenbrücke durch einen Neubau erweitert werden. Das Relief ist nun an der neuen Brücke angebracht, für die Autofahrer stadteinwärts wieder auf der rechten Seite.
Autofahrer brauchen weiter Geduld
Mit der Eröffnung des neuen Autobahnkreuzes soll der Verkehr auf dem dicht befahrenen nördlichen Ring künftig mit weniger Staus rollen. „Damit fällt ein Flaschenhals weg, der vielen Fahrern über Jahre Nerven gekostet hat“, sagte Jan Mücke, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, der das Bauwerk gemeinsam mit Vogelsänger am Montagnachmittag freigab. „Mit dem Dreieck Barnim ist das erste von drei im Bau befindlichen Projekten fertig.“
Tatsächlich müssen Autofahrer auf dem nördlichen Autobahn-Ring auch weiterhin Geduld haben. Seit Mai 2013 läuft auf dem Berliner Abschnitt der A10 der Ausbau auf drei Fahrspuren pro Richtung. Voraussichtlich im Herbst 2015 sollen die Arbeiten an dem etwa fünf Kilometer langen Autobahnstück beendet sein. Veranschlagt sind Baukosten von 34,2 Millionen Euro. Der Berliner Senat hat mit den beauftragten Baufirmen eine Bonus-Malus-Regelung vereinbart. Bei einer früheren Fertigstellung erhalten sie eine Prämie, dauern die Arbeiten länger als die geplanten insgesamt 33 Monate bekommen die Unternehmen entsprechend weniger Geld.
Weitere Umbauten folgen
Bei der Sanierung der A115 (Avus) hatte der Senat mit einer solchen Vertragskonstruktion bereits positive Erfahrungen gemacht. Auch dank des finanziellen Anreizes wurden die Arbeiten an der Avus Ende 2012 – ein Jahr früher als geplant – beendet.
Bereits seit 2012 wird auch am Autobahndreieck Havelland, das die A10 mit der A24 in Richtung Schwerin und Hamburg verbindet, gebaut. Bis Ende 2014 soll auch dieser Abschnitt des Berliner Rings drei Fahrspuren pro Richtung bekommen. Vier Brücken und insgesamt elf Kilometer Fahrbahn werden erneuert. Auch die Anschlussstelle Kremmen (Oberhavel) wird im Zuge des Umbaus modernisiert. Die Baukosten sollen laut den Planungen bei etwa 52 Millionen Euro liegen. Die Europäische Union fördert das Projekt mit 18 Millionen Euro aus ihren Strukturfonds.




