Sechs Spuren

Autobahn-Dreieck wird ab Sommer ausgebaut

Das Nadelöhr am Dreieck Havelland ist berüchtigt für seine Unfallstatistik. Nun wird gebaut - eine Sperrung ist jedoch nicht nötig.

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Jeder Autofahrer in Berlin und Brandenburg kennt sie – die regelmäßigen Verkehrsfunk-Warnungen über Staus am Autobahn-Dreieck Havelland. Täglich passieren etwa 51.000 Fahrzeuge das Nadelöhr im Nordwesten, das den Berliner Ring (Autobahn A10) mit der Autobahn 24 verbindet, die über Schwerin bis nach Hamburg führt.

Doch nun soll der berüchtigte Straßen-Engpass endlich beseitigt werden. Ab dem Spätsommer wird das viel befahrene Autobahn-Dreieck umfangreich ausgebaut, bestätigte jetzt Wolf-Rainer Szameitat, Niederlassungsleiter „Autobahn“ im Landesbetrieb Straßenwesen, der Berliner Morgenpost. Bis Ende 2014 soll die Anzahl der Fahrspuren im gesamten Bereich von vier auf sechs erhöht werden, was die „Durchlassfähigkeit“ des Dreiecks deutlich erhöhen wird.

Vor allem im Sommer gilt das Dreieck Havelland als Engstelle. Denn vom Freitagmittag bis Sonntagabend rollen noch mal deutlich mehr Fahrzeuge als an den Wochentagen. Ein Großteil der Autofahrer ist unterwegs an die Ostsee. Die Autobahn verbindet Berlin über die A19 auch mit Rostock und den beliebten Urlaubsorten etwa auf dem Darß.

Neben der künftigen Verbesserung gibt es eine weitere gute Nachricht: Eine Sperrung des Autobahn-Dreiecks ist laut Straßenbetrieb während der 26-monatigen Bauarbeiten nicht geplant. „Wir werden nicht einmal die Anzahl der Fahrstreifen reduzieren“, sagte Szameitat.

Die Ausbauarbeiten sollen zunächst im September 2012 an der Anschlussstelle Kremmen beginnen. Bis Ende 2014 werden knapp 40 Millionen Euro in den sechsspurigen Autobahn-Ausbau in diesem Bereich investiert.

Sanierung in Neuruppin

Für rund 5,5 Millionen Euro soll auch die Anschlussstelle Neuruppin an der A24 erneuert werden. Dort beginnen die Arbeiten voraussichtlich bereits im Juli, sie sollen bis Ende 2013 abgeschlossen sein. „Wir bauen Neuruppin-Süd komplett neu“, kündigt Wolf-Rainer Szameitat an. Die noch zu DDR-Zeiten in den 70er-Jahren eingerichtete Anschlussstelle sei vom Bauzustand her verschlissen und habe nicht mehr den erforderlichen Standard.

Um den wachsenden Anforderungen vor allem durch den in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich stark gestiegenen Fernlastverkehr gerecht zu werden, planen der Bund und die brandenburgische Landesregierung, den gesamten nördlichen Berliner Autobahnring zwischen Neuruppin und dem Dreieck Schwanebeck sechsstreifig auszubauen. Bislang stehen größtenteils nur zwei Spuren pro Fahrtrichtung zur Verfügung.

Mehr Lärmschutz verlangt

Während im Berliner Abschnitt der nördlichen A10 die Arbeiten bereits 2009 begonnen haben, läuft für die Abschnitte auf brandenburgischem Gebiet noch das Planfeststellungsverfahren. Gemeinden wie Werder, Mühlenbeck und Oberkrämer verlangen einen besseren Lärmschutz als bislang in der Planung vorgesehen. Sollte die Genehmigung am Ende erteilt werden, könnte der Ausbau frühestens nach Ostern 2014 beginnen. Geplante Investitionssumme für den gesamten Bereich: 230 Millionen Euro.

Bereits im Vorjahr haben schon die Arbeiten zum Umbau des Autobahn-Dreiecks Schwanebeck begonnen. Der hoch belastete Verkehrsknoten, an dem der Berliner Ring (A10) mit der A11 (Autobahn Berlin–Stettin) verbunden ist, wird für 45 Millionen Euro komplett neu gebaut. Aus dem bisherigen Autobahn-Dreieck Schwanebeck wird dann ein Autobahn-Kreuz mit dem neuen Namen „Barnim“, weil dann die nahe gelegene Anschlussstelle Weißensee (Verbindung mit der Bundesstraße 2) mit in den Knoten integriert wird.

Dafür müssen zwei Brücken erneuert und sieben Überführungen neu gebaut werden. Die Zahl der Fahrspuren wird gleichfalls von zwei auf drei pro Richtung erhöht. Zudem ist die Errichtung eines 930 Meter langen Walls geplant, um Wohngebiete in Schwanebeck und Berlin-Buch vor Lärm zu schützen. Kostenpunkt: 45 Millionen Euro, 20 Millionen Euro davon kommen aus Strukturfonds der EU. Im Baustellen-Bereich ist der Verkehr bereits seit Monaten durch schmalere Fahrspuren und Tempolimits eingeschränkt, Voll-Sperrungen sind weiterhin nicht geplant.

Ein weiteres großes Vorhaben des brandenburgischen Landesbetriebs Straßenwesen ist der Ausbau des Dreiecks Nuthetal. Die Autobahn soll hier bis zum Dreieck Potsdam sogar achtstreifig – also vier Fahrspuren pro Richtung – ausgebaut werden. „Wir rechnen mit dem Beschluss dafür noch in diesem Jahr, dann beginnt eine neunmonatige Ausschreibung“, sagte der Straßenbau-Experte Szameitat. Baubeginn für dieses Projekt könnte dann frühestens Ende 2013 sein.

Die vor einigen Jahren begonnene abschnittsweise Sanierung der A13 soll dagegen voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Von Berlin in Richtung Dresden ist die Autobahn schon fertig, derzeit wird auch die linke Richtungsfahrbahn vor dem Dreieck Spreewald von Dresden nach Berlin für rund 13 Millionen Euro erneuert. Diese Arbeiten sollen nach bisherigen Planungen im Herbst abgeschlossen werden.

Weitere knapp zehn Millionen Euro investiert der Landesbetrieb in die Instandsetzung der A11 (Berlin–Stettin). Nördlich des Autobahndreiecks Uckermark wird die rechte Fahrbahn von Berlin nach Stettin erneuert.

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