Der Klimawandel bedroht von Jahr zu Jahr mehr das Unesco-Welterbe der Potsdam-Berliner Kulturlandschaft. „Hitze, Trockenheit und Wetterextreme machen den Gärten immer mehr zu schaffen“, sagte der Gartendirektor der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, Michael Rohde.

Saftig grüne Wiesen und alte Bäume mit dichtem Laub scheinen im historischen Park von Sanssouci gefährdet. „Wir machen uns ernste Sorgen, um die Nachpflanzungen zur Bewahrung der Parkbilder auch künftig bewältigen zu können.“ Experten diskutieren an diesem Dienstag im Schloss Glienicke über die Auswirkungen des Klimawandels auf historische Gärten.

Auf vielfältige Umwelteinflüsse mussten die Gärtner schon immer reagieren. Doch seit etwa zehn Jahren nehmen die Auswirkungen des Klimawandels zu: Es wird wärmer. „Immer mehr Pflanzenschädlinge wandern ein und vermehren sich stark. Die Bäume leiden unter Stress, sterben ab“, sagte Rohde. Ulmen, Eschen und Rotbuchen, neuerdings aber auch Eichen seien besonders gefährdet.

Spezielle Nachpflanzungen sind immer schwieriger

Die Baumbestände sind mittlerweile rund 200 Jahre alt. Der Gartenkünstler Peter Joseph Lenné (1789-1866) hatte eine einzigartige Parklandschaft konzipiert. Raumbildung und Sichtbeziehungen waren sorgfältig aufeinander abstimmt. Einzeln gepflanzte Bäume auf weiten Wiesen, Baum-Gruppen und dichte Gehölzbestände sollten wie ein Landschaftsgemälde wirken.

Damals sei aber von Klimawandel noch keine Rede gewesen, betonte Rohde. „Unsere Parkleiter und Gärtner pflanzen und schneiden, forschen und dokumentieren, denken in Nachhaltigkeit und Kontinuität.“ Aber spezielle Nachpflanzungen seien immer schwieriger. „Und: Wir können die historisch gepflanzten Baumarten nicht einfach durch trockenresistente Akazien oder Platanen ersetzen“, betonte er. Die künstlerisch geplante Wirkung sei nicht zu vergleichen.

„Wir benötigen belastbare Aussagen von Fachexperten aus Hochschulen und Instituten: Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf historische Gärten? Welche Handlungsmaßnahmen werden empfohlen?“, sagte der Gartendirektor. Die Stiftung ziehe Experten der Naturwissenschaften, Landschaftsarchitekten, aber auch der Agrar- und Ingenieurs-Wissenschaften zu Rate.

dpa/sei