Die Entschärfung eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg in der Potsdamer Innenstadt war erfolgreich. Kurz nach 13 Uhr konnten die Experten Entwarnung für eine 250-Kilo-Bombe amerikanischer Bauart geben. Eine halbe Stunde später auch für eine Granate. Kurz nach 13.30 Uhr konnte der Sperrkreis wieder aufgehoben werden und die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren.
Zuvor hatten die Vorbereitungen jedoch Potsdam weitgehend lahmgelegt. Behörden, Schulen und Kindertagesstätten blieben geschlossen. Auch der Verkehr kam zum Erliegen.
Knapp 9000 Menschen mussten bis 8 Uhr im Umkreis von anderthalb Kilometern um den Fundort der Bombe ihre Wohnungen verlassen. Auch der Hauptbahnhof wurde geschlossen.
Auf dem Grund des Flüsschens Nuthe war in der vergangenen Woche eine 250-Kilo-Bombe amerikanischer Herkunft gefunden worden. Zudem kam bei der planmäßigen Suche nach Kampfmitteln auch eine russische Abwehrgranate ans Tageslicht.
Häuser werden kontrolliert
Neongelb war die Farbe, die das Bild im Sperrgebiet bestimmte. An den grellen Westen sind die Einsatzkräfte erkennbar, die seit den frühen Morgenstunden in der Potsdamer Innenstadt unterwegs waren. Denn zahlreiche Gebäude mussten evakuiert werden.
Kräfte der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen, Polizisten und Mitarbeiter der Stadtverwaltung kümmerten sich darum, dass bettlägerige oder nur eingeschränkt gehfähige Menschen aus dem abgesperrten Areal herausgebracht wurden. Mit 64 Transportfahrzeugen der Feuerwehr, des Arbeiter Samariter Dienstes und des Roten Kreuzes – so viele Wagen wie noch nie bei vergleichbaren Aktionen, sagte Potsdams Sozialbeigeordnete Elona Müller-Preinesberger, die selbst mit vor Ort war.
Um 8 Uhr haben sieben Helfertrupps, jeweils 20 bis 30 Mann stark, damit begonnen, die Häuser im Sperrgebiet zu kontrollieren – damit gewährleistet wurde, dass auch alle Bewohner die Gebäude verlassen hatten. Andere Kräfte sicherten zudem das Areal, damit niemand von außen mehr das Sperrgebiet unbefugt betreten konnte.
Nicht alle verlassen ihre Wohnungen
Doch auch nach 10 Uhr stand der Sperrkreis nicht. Grund: Von sieben Evakuierungsbereichen fehlte noch die Freigabe aus zwei Bereichen. Denn nicht alle Potsdamer hatten ihre Wohnungen verlassen. Strafe erwartet die Säumigen nicht. Zu aufwändig, argumentiert die Verwaltung.
Um 12.05 Uhr konnten die Experten mit der Entschärfung beginnen. Fest stand die Reihenfolge der Kampfmittelbeseitigung: Sprengmeister Mike Schwitzke wollte zuerst die 250-Kilo-Fliegerbombe entschärfen, anschließend die Panzergranate im Nuthewäldchen sprengen. Um kurz nach 13 Uhr konnte er für die 250-Kilo-Bombe Vollzug melden. Und später auch für die Granate.
390 Transporte von Kranken und Hilfsbedürftigen waren laut Müller-Preinesberger bei der Stadt angemeldet worden. Eine Zahl, die auch deutlich höher hätte ausfallen können. Aber durch den größeren Vorlauf der Aktion hätten viele den Transport von Angehörigen privat organisiert.
Insgesamt sind 677 Helfer vor Ort – 157 Leute der Feuerwehr und der Hilfsorganisationen, 60 Polizisten, 60 Bundespolizisten und 400 Mitarbeiter der Potsdamer Stadtverwaltung.
Hauptbahnhof wurde gesperrt
Ab 8 Uhr hielt kein Zug mehr am Potsdamer Hauptbahnhof. So fuhren die Züge der RE Linie 1, RB Linie 21 und RB 22 ohne Halt durch. Die RB 20 und die RB 23 wurden umgeleitet. Die S-Bahn-Verkehr von und nach Berlin begann am Bahnhof Babelsberg.
Granate wird abtransportiert
Während ein Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes den Blindgänger aus dem Wasser holen und die Zünder entfernten, kümmerte sich ein anderer Trupp um die Granate. Eine Sprengung der Fliegerbombe kam für die Experten nicht infrage, da sie nicht transportfähig war und sich ein 14-geschossiges Hochhaus in unmittelbarer Nähe des Fundortes befand.
Neben den Anwohnern musste auch die halbe Landesregierung am Dienstag das Feld räumen. Die meisten Mitarbeiter der Bildungs-, Finanz- , Justiz- und Wirtschaftsministerien konnten nur von Zuhause aus arbeiten. Die wöchentliche Kabinettssitzung wurde von der Staatskanzlei ins Arbeitsministerium verlegt. Dieses liegt außerhalb des Sperrkreises. Wegen der Evakuierung blieben am Dienstag auch die Stadtverwaltung sowie Schulen und Kitas geschlossen.
Seit 1990 sind im Potsdamer Stadtgebiet 131 Fliegerbomben unschädlich gemacht worden. Zu Zwischenfällen kam es dabei nicht. Nach Oranienburg zählt Potsdam zu den von Weltkriegslast am stärksten betroffenen Städte in Brandenburg.
mit dpa




