Die Wasserstände der Elbe im Nordwesten Brandenburgs fallen weiter sehr langsam. Das Hochwasser drückte am Sonnabend noch gefährlich gegen die aufgeweichten Deiche. Die Pegelstände lagen am Nachmittag deutlich über dem Grenzwert zur höchsten Alarmstufe 4. So zeigte der Pegel Wittenberge 6,98 Meter an, das war so hoch wie am 8. Juni.
„Die Lage ist stabil und ruhig, aber das Thema Hochwasser ist noch lange nicht durch“, sagte Wolfgang Brandt vom Koordinierungszentrum Krisenmanagement in Potsdam. Für die Prignitz gilt weiter Katastrophenalarm. Die Bewohner der vor einer Woche freiwillig evakuierten Altstadt von Wittenberge kehren aber seit Freitag wieder in ihren Wohnungen zurück. Das Leben normalisiert sich, viele Geschäfte haben geöffnet.
Von den Wassermassen, die durch den Elbdeichbruch bei Fischbeck (Landkreis Stendal/Sachsen-Anhalt) immer noch in die rechtselbischen Niederungen strömen, ging keine akute Gefahr mehr für das etwas höher gelegene westliche Havelland aus. Deshalb hob Landrat Burkhard Schröder (SPD) den Katastrophenalarm wieder auf. Er war am vergangenen Sonntag ausgerufen worden. Dennoch bleibe die Lage angespannt, hieß es in der Kreisverwaltung.
Landesweit sind noch immer mehr als 1700 Einsatzkräfte der Feuerwehren, Bundeswehr sowie von Hilfsorganisationen, Bundes- und Landespolizei und freiwillige Helfer bei der Hochwasserabwehr im Einsatz. Allein 1200 von ihnen seien in der Prignitz an Elbe und Havel tätig, hieß es.
Tafeln mussten Arbeit einstellen
Im Kampf gegen das Hochwasser in Sachsen-Anhalt greifen die Einsatzkräfte zu ungewöhnlichen Mitteln. Um die gewaltigen Wassermassen im Landkreis Stendal auf ihrem Weg ins Landesinnere zu stoppen, werden ab 18 Uhr zwei Lastkähne vor einem gebrochenen Deich in der Elbe versenkt. Sie sollen den Durchfluss bei Fischbeck schließen, wie der Krisenstab der Landesregierung mitteilte. Die ungewöhnliche Methode wurde seit dem frühen Sonnabendmorgen vorbereitet.
Das Hochwasser hat in vielen Teilen Deutschlands auch dazu geführt, dass Tafeln, die Lebensmittel an Bedürftige ausgeben, ihre Arbeit einschränken oder ganz einstellen mussten. Rund 20 Einrichtungen der Tafel in Thüringen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Bayern seien unmittelbar betroffen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Jochen Brühl: „Ohne Hilfe werden gerade die kleinen Tafeln die Kosten zum Wiederaufbau nicht stemmen können.“ Für Bedürftige werde das Hochwasser zur doppelten Belastung.
Hühner treiben auf Hölzern durchs Wasser
Der Brandenburger Landesverband des Deutsche Rote Kreuz teilte mit, die Brandenburger DRK-Wasserwachten aus Frankfurt (Oder) und Müllrose seien weiterhin in Fischbeck in Sachsen-Anhalt im Einsatz, um Menschen und Tieren zu helfen.
So hatten sechs Mitarbeiter einer Milchviehanlage in Fischbek die 300 Milchkühe auf dem Hof, die nicht mehr rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden konnten, nicht allein lassen wollen. Der Betrieb liege auf einer Anhöhe, sei aber komplett von Wasser umschlossen, so das DRK. Mitarbeiter der Wasserwacht versorgten auch diese Menschen, die nur per Boot und Luft erreichbar sind, mit Getränken und Nahrungsmitteln.
Auch um die Tiere kümmern sich die Helfer. Wie es in der Mitteilung des DRK heißt, entdeckten Wasserretter bei einer Kontrollfahrt Hühner, die auf Holzstücken über das Wasser trieben. „Es waren nur ein paar, aber sie sahen aus wie Schiffbrüchige, die sich am Treibholz festhalten“, schildert Gregor Goldenbogen, Leiter der DRK-Wasserwacht Müllrose, die Situation. „Wir haben sie eingesammelt und erst mal mit unseren Müsliriegeln gefüttert.“. Die DRK-Helfer brachten die Tiere ans trockene Ufer, wo ein Bauer die weitere Versorgung übernahm und versprach, den Besitzer ausfindig zu machen, heißt es in der Mitteilung.
dpa/sh




