Potsdam

Ehepaar wegen Misshandlung von Pflegekindern vor Gericht

Foto: Peter Steffen / dpa

Die Anklageschrift klingt schaurig: Pflegeeltern sollen ihre Schützlinge über Jahre systematisch gedemütigt, geschlagen und gequält haben. Jetzt stehen die 65-Jährige und der 52-Jährige vor Gericht.

Ein Ehepaar aus Potsdam soll mehrere ihm anvertraute Pflegekinder über Jahre hinweg malträtiert haben. Die 65 Jahre alte Frau und ihr 52 Jahre alter Ehemann stehen seit Dienstag wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen und gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht. Das Jugendamt hatte bei dem Ehepaar aus dem Potsdamer Stadtteil Neu Fahrland drei Kinder aus schwierigen familiären Verhältnissen untergebracht.

Laut Anklageschrift soll die 65-Jährige von 1999 bis 2004 schon bei geringsten Anlässen immer wieder mit Küchengeräten auf Mädchen eingeschlagen haben. Weil eines oft nichts essen wollte, fütterte die 65-Jährige das Kind so lange, bis es sich erbrach. Anschließend zwang sie die Kleine, das Ausgespuckte aufzuessen. Als Bestrafung mussten die Kleinen auch schon mal Urin trinken.

Der Angeklagte sagte bei Prozessbeginn am Dienstag, dass die Kinder „nicht immer leicht zu händeln waren“. Deshalb seien hin und wieder strengere Erziehungsmaßnahmen notwendig gewesen.

Mit brennendem Feuerzeug traktiert

Dramatischer Höhepunkt war der Anklageschrift zufolge ein Übergriff auf einen elfjährigen Jungen. Weil dieser mehrmals im Haus der Pflegefamilie gekokelt haben soll, soll das Ehepaar ihn mit einem brennenden Feuerzeug traktiert und ihm die Genitalien verbrannt haben. Der Angeklagte stritt dies im Prozess vehement ab. So etwas könne er einem kleinen Kind niemals antun, meinte er.

Jedoch belastete eines der Mädchen vor Gericht ihre Pflegeeltern schwer. Die heute 24-Jährige hätte mit eigenen Augen ansehen müssen, wie sie den Jungen mit dem Feuerzeug gequält hätten.

Das Amtsgericht Potsdam hat insgesamt drei Verhandlungstage eingeplant. Neben den Opfern sollen auch Polizeibeamte, Mitarbeiter des Jugendamtes und andere Familienangehörige vernommen werden.

( BM/dpa )