+++ 19.01 Uhr +++
Drei Stunden nach der Entschärfung des ersten Blindgängers wurde ist die zweite Bombe gesprengt worden. Schwarzer Rauch stieg auf. Es gab einen leichten Knall. Damit sind nun beide kürzlich entdeckte Sprengkörper erfolgreich unschädlich gemacht worden. „Ich bin sehr erleichtert, dass die Maßnahmen nun abgeschlossen sind“, sagte der Sprecher der Stadt, Björn Lüttmann, am Donnerstag nach der Explosion. Nach ersten Erkenntnissen gab es keine Gefährdung für die Bevölkerung. Zum jetzigen Zeitpunkt könne aber noch keine Aussage über mögliche Schäden gemacht werden.
+++ 17.03 Uhr +++
Zum Grund der verspäteten Entschärfung ersten Bombe wurden am späten Nachmittag Details bekannt: Ein Auto mit zwei Insassen hatte den Sperrbezirk durchbrochen. Daraufhin stellten die beiden Kampfmittelexperten sofort die Schneidemaschine zum abtrennen des Sprengkopfes ab. Dadurch verstopfte das Gerät und musste erst gereinigt werden.
+++ 16.07 Uhr +++
Mit zweistündiger Verspätung ist die erste Bombe in Oranienburg erfolgreich entschärft worden. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis“, sagte die stellvertretende Bürgermeisterin Kerstin Kausche am Donnerstag. „Jetzt haben wir eine Bombe weniger in Oranienburg.“ Grund für die Verzögerung waren laut Kausche technische Schwierigkeiten. Der Sperrkreis um den Blindgänger soll um 16.30 Uhr aufgehoben werden. Die Sprengung der zweite Bomben auf dem Bahnhofsareal ist gegen 19 Uhr geplant.
+++ 15.22 Uhr +++
Stellvertretende Bürgermeisterin fordert Geld vom Bund
Angelika Scherz (61): „Als ich klein war, haben sie hier schon die Bomben entschärft. Meine Eltern haben das schon mitgemacht, jetzt auch meine Enkelkinder. Wir gehen jetzt Kaffee trinken. Meine Wohnung liegt im ersten Sperrbezirk, die meiner Eltern im zweiten. Wir haben schon einen Schreck bekommen durch München. Es ist uns unerklärlich, wie das passieren konnte.”
Die stellvertretende Bürgermeisterin von Oranienburg, Kerstin Kausch sagt: „Es kann daran liegen, dass wir hier einen Munitionsbergungsdienst des Landes haben, die privaten Firmen suchen nur und bereiten die Sprengung vor.” Kausch fordert Geld vom Bund: „Wir in Oranienburg haben den Zweiten Weltkrieg nicht begonnen. Der Bund ist in der Pflicht.” Allein für die Bombenbeseitigung auf städtischen Grundstücken gebe Oranienburg pro Jahr 2 Millionen Euro aus, es wären 70 Millionen Euro nötig, um alle Bomben auf städtischen Grundstücken zu entfernen.
+++ 14.52 Uhr +++
Ina Keller (30) aus Oranienburg holt gerade ihre beiden Söhne Florian (6) und Niclas (3) von der Kita ab. Sie ist ganz entspannt - trotz München. „So eine Bombenentschärfung ist ganz normal für uns. Wir gucken nur noch: Wo liegt der Sperrkreis dieses Mal?” Die beiden zu entschärfenden Bomben sind Nummer 137 und 138 seit Beginn der offiziellen Zählung. 300 Blindgänger sollen noch in der Erde liegen.
+++ 14.46 Uhr +++
Nancy und Piere Jahn aus Oldenburg haben sich eben im Schloss Oranienburg das Ja-Wort gegeben. Die Braut: „Wir haben vorgestern von der Bombenentschärfung erfahren und gesagt: ‚Dann heiraten wir eben mit einem großen Knall’.
+++ 14.30 Uhr +++
Sprengmeister André Müller meldet, dass die Entschärfung unterbrochen werden musste und erst in anderthalb Stunden um 16 Uhr weitergemacht werden kann. Es gibt technische Schwierigkeiten.
+++ 14.27 Uhr +++
Die Entschärfung der ersten Bombe im Süden Oranienburgs dauert länger als geplant. Sie hätte eigentlich schon um 14 Uhr passieren sollen. Es ist nur ein zweiköpfiges Team im Einsatz, das dann ab 17 Uhr die zweite Sprengung am Bahnhof vornehmen soll. Auch die wird sich deshalb verzögern. Das Team gehört dem Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes an. Der Experte, der die Münchner beriet, ist nicht dabei. Allerdings ist sein private Munitionsbeseitigungsfirma auch vom Sperrbezirk am Bahnhof betroffen.
+++ Oranienburg wartet auf die Entschärfung. Unsere Redakteurin Gudrun Mallwitz berichtet live +++
Spezialisten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Brandenburg haben am Donnerstag in Oranienburg (Oberhavel) mit der Entschärfung einer Fliegerbombe begonnen. „Wir hoffen natürlich, dass alles glimpflich verläuft“, sagte der Sprecher der Stadt, Björn Lüttmann. „Aber es kann immer sein, dass zum Beispiel die Entschärfung nicht funktioniert.“ In diesem Fall müsse eine Sprengung mitten im Wohngebiet stattfinden.
Doch die Spezialisten seien gut gerüstet, um den chemischen Langzeitzünder der amerikanischen 250-Kilogramm-Fliegerbombe herauszuschneiden, sagte Lüttmann. In Oranienburg seien die Bomben, die an diesem Tag unschädlich gemacht werden, Nummer 137 und 138, seit die Kampfmittelbeseitigung offiziell gezählt wird. Später ist eine Sprengung einer weiteren Fliegerbombe am Bahnhof geplant. Allerdings verzögerte sich bereits die Sprengung der ersten Bombe. Sie sollte erst um 16 Uhr beginnen.
In Oranienburg gibt es auch mehr als 65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch zahlreiche Fliegerbomben im Boden. Während des Krieges wurden über Oranienburg rund 22.000 Sprengkörper abgeworfen. Deshalb müssen immer wieder Blindgänger entschärft oder gezielt gesprengt werden.
„Wir sitzen hier halt auf einem Pulverfass”
Trotz der demonstrativ verkündeten Zuversicht ist die Atmosphäre in der Stadt angespannt. Zwei Bomben hintereinander seien auch für Oranienburg eine „Ausnahmesituation“, sagte Lüttmann. „Die vielen Bomben sind eine unheimliche Last für die Stadt und ihre Bevölkerung.“
„Bisher ist ja immer alles gut gegangen“, sagte Anna Gnahs. Die 57-Jährige hat die Anlaufstelle in der evangelischen Methodistenkirche geöffnet und ist dieses Mal auch selbst von der Evakuierung betroffen. „Wir sitzen hier halt auf einem Pulverfass“, fügte ihre Freundin hinzu.
Doch nicht alle sind so zuversichtlich wie die beiden Frauen. Viele haben hier von der Sprengung am Dienstagabend in München gehört, nach der herumfliegende Splitter und Stroh mehrere Brände verursacht hatten. „Als ich das von München gehört habe, hatte ich Tränen in den Augen“, sagte Irmgard Thiel. Die 74-Jährige lebt schon viele Jahre in Oranienburg und hat unzählige Entschärfungen miterlebt. „Man sollte die Situation nicht zu leicht nehmen, es kann immer etwas passieren.“
Zweite Bombe wird im Bereich des Bahnhofs gesprengt
Nach der Entschärfung im südlichen Stadtgebiet soll am Nachmittag die zweite Bombe am Bahnhofsareal gesprengt werden. Eine Entschärfung dieser Fliegerbombe war nach Angaben des Stadtsprechers Lüttmann nicht möglich, weil es sich bei ihr um einen sogenannten Teildetonierer handelt, bei dem nicht der gesamte Sprengstoff explodiert war.
Am Morgen hatten bereits rund 4000 Anwohner ihre Wohnungen verlassen, am Nachmittag werden weitere 1800 Menschen evakuiert. Zahlreiche Zugverbindungen von und nach Oranienburg fallen aus. Autofahrern wird empfohlen, das Stadtgebiet ganztägig zu umfahren.
In München ist kein Gebäude einsturzgefährdet
Nach der Sprengung der 250 Kilo schweren Weltkriegsbombe mitten in München ist nach Angaben der Stadt keins der umliegenden Gebäude akut einsturzgefährdet. Das habe eine erste Begutachtung von Statikern ergeben. Allerdings habe ein Haus Risse im Mauerwerk. Ein Gutachter soll diese nun genauer prüfen. Auch wenn alle Häuser als „standsicher“ gelten, seien einige Wohnungen noch immer nicht bewohnbar. Die Druckwelle der Detonation habe fast alle Fenster der umliegenden Häuser zerstört. Wegen Schäden an Dächern sei die Straße auch noch nicht sicher für den Verkehr.
Stadt und bayerisches Innenministerium prüfen derzeit, wie Anwohner und Geschäftsleute möglichst schnell entschädigt werden können. „Es ist derzeit unmöglich, eine pauschale, allgemeingültige Aussage zu treffen“, sagte ein Stadtsprecher. Die Rechtslage sei äußerst komplex. Es könnten keine Haftungsansprüche gegen die Stadt geltend gemacht werden. Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) versprach aber, den Anwohnern unter die Arme greifen zu wollen. Dafür bedarf es aber einer rechtlichen Grundlage.
Auch die Versicherungen kündigten an, Mieter und Hausbesitzer könnten ihre Schäden bei ihnen geltend machen – etwa bei ihrer Gebäude- oder Hausratsversicherung.
Bombenexperte flüchtete vor dem Sprengsatz
Nach Angaben von Christoph Altheim von der Einsatzleitung der Feuerwehr hatten sich schon bei der ersten Begutachtung des freigeschaufelten Blindgängers dramatische Szenen abgespielt. Bei der Entdeckung des gefährlichen Säurezünders sei der alarmierte Sprengmeister sofort geflüchtet. „Das sieht man vielleicht einmal in zehn Jahren, dass ein Bombenexperte von einem Sprengsatz wegsprintet“, sagte Altheim der „Süddeutschen Zeitung“. Man könne von Glück reden, dass die Bombe in dem Moment nicht gleich explodiert sei – eigentlich reiche dafür eine kleine Erschütterung.
dapd/alu

